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Bündnis Energieausweis fordert Bedarfsausweis und Effizienzklassen

(1.9.2013) Der bisherige Energieausweis sei weit hinter sei­nen Erwartungen als klimapolitisches Instrument zurück ge­blieben. So existierten derzeit parallel der Bedarfsausweis und der Verbrauchsausweis, zudem seien bei dem Bedarfs­ausweis verschiedene Berechnungsmethoden möglich. Die Ergebnisse lie­ßen sich untereinander in keiner Weise ver­gleichen. Ferner würden die Verbraucherfreundlichkeit beim Design und die Aussagekraft des derzeitigen Ausweises zu wünschen übrig lassen. Eigentümer und Mieter könnten mit der Darstellung nur wenig anfangen und auch die Aussage­kraft des „Bandtachos“ sei nicht nur in Fachkreisen umstrit­ten - so die einhellige Kritik der Protagonisten vom neu ge­gründeten „Bündnis Energieausweis“.

„Der Ausweis in der jetzigen Form bietet weder verlässliche Ergebnisse über das ener­getische Niveau des jeweiligen Gebäudes, noch ist er von den Verbrauchern als In­strument angenommen worden. Wer fragt bei Kauf oder Anmietung schließlich wirklich nach dem Energieausweis?“, ergänzt der Sprecher vom  „Bündnis Energieausweis“ und Geschäftsführer des Branchenverbandes VdZ, Dr. Michael Herma. Und Michael Geißler, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbandes der Energie- und Klimaschutzagenturen Deutschlands e.V. (eaD), fügt hinzu: „Der neue Gebäudeenergieausweis soll das Be­wusstsein dafür schärfen, dass jede verschwendete Kilowattstunde Energie auch eine Verschwendung finanzieller Ressourcen ist. Nur wenn Eigentümer und Mieter über den energetischen Zustand ihres Hauses fachlich korrekt und zuverlässig informiert sind, kann es ein Umdenken hin zu mehr Wirtschaftlichkeit bei der Energiebereitstellung und -nutzung geben“

Unter Berücksichtigung des enormen Energieeinsparpotenzials im Gebäudesektor dürfe ein so vielversprechendes Instrument nicht ungenutzt bleiben. Deswegen hätten sich die Partnerverbände zum „Bündnis Energieausweis“ zusammengeschlossen, um das Thema Energieausweis auf die politische Tagesordnung zu setzen.

einzig Bedarfsausweis

Das Bündnis fordert eine Abkehr vom Dualismus des Bedarfs- und Verbrauchsauswei­ses hin zum reinen Bedarfsausweis, mit einem einheitlichen Berechnungsverfahren. „Der Energieausweis soll bei Hauseigentümern und Mietern für Transparenz sorgen, vergleichbare Ergebnisse zur energetischen Beschaffenheit des Gebäudes liefern und rechtlich belastbar sein“, so NABU-Präsident Olaf Tschimpke. Nur so könne er als Grundlage für Rechtsgeschäfte, für Fördermittel oder andere verbindliche Aussagen dienen und einen wesentlichen Beitrag zum Klimaschutz leisten.

Energiepass-Bandtacho, Deutsche Energie-Agentur dena

Effizienzklassen für mehr Überblick

Zudem fordert das Bündnis Effizienzklassen, um dem Nutzer einen klaren Überblick zu dem Zustand des Gebäudes zu geben. „Die Darstellung als „Bandtacho“ (Bild oben) ist einfach nicht verbraucherfreundlich. Effizienzklassen, wie sie von Elektrogeräten be­kannt sind, eignen sich aus unserer Sicht besser, weil der Verbraucher mit dem Sys­tem bereits vertraut ist und sein Konsumverhalten danach orientiert. Wir möchten ei­nen Ausweis, der jedem auf einen Blick zeigt, wie es um die Energieeffizienz seines Hauses bestellt ist und wo diese im Vergleich zu anderen einzuordnen ist“, sagt Lukas Siebenkotten, Direktor des Deutschen Mieterbundes - siehe dazu auch Baulinks-Bei­trag „IVD: 'Einführung von Energieeffizienzklassen im Energieausweis kontraproduktiv'“ vom 24.6.2013.

Der vom Bündnis vorgestellte Ausweis informiere über den energetischen Zustand des Gebäudes und will dem potentiel­len Käufer oder Mieter die Möglichkeit geben, die künftigen Wohnkosten, neben der Miete und sonstigen Nebenkosten auch die Heizkosten, realistisch abzuschätzen. Investoren werde die Bewertung von Gebäuden und damit die Risiko­abschätzung für Investitionen erleichtert. Dem Eigentümer wiederum würden Energiesparpotentiale und wertsteigernde Effekte des Gebäudes aufgezeigt, die einen Modernisierungs­anreiz auslösen. Hiervon erwartet sich das Bündnis Impulse für den lahmenden Sanierungsmarkt.

Carsten Müller von der Deutschen Unternehmensinitiative Energieeffizienz e.V. (DENEFF) hierzu: „Energieeffizienz ist bereits heute ein wesentlicher Job- und Wachstumsmotor und entscheidend für ein Vorankommen der Energiewende. Die Sanierungsquote bleibt aber weit hinter den politisch gewünschten und ökonomisch sinnvollen Zielen zurück. Wichtige Impulse für die heimische Wirtschaft bleiben aus, stattdessen kaufen wir weiter fleißig Öl und Gas von Putin und den Scheichs.“

Auch die Politik soll nach Einschätzung des Bündnisses Ener­gieausweis von einer einheitlichen Bewertungsgrundlage pro­fitieren, die eine Vergleichbarkeit innerhalb des Gebäudebe­stands möglich mache. Der Vorschlag sei ein adäquates Werk­zeug, um die Energiewende im Gebäudesektor mit voranzubrin­gen: „Wir sehen unseren Vorschlag zum Energieausweis als wichtiges Thema im Wahlkampf. Ziel der Bündnispartner ist es aber, einen langfristigen Anstoß zur Erneuerung des Energie­ausweises zu geben. Dieses System ist bereits in einigen an­deren Ländern gut angenommen worden, hier darf Deutschland nicht den Anschluss verpassen“, sagte der Sprecher des Bünd­nisses Dr. Michael Herma bei der Präsentation am 29. August in Berlin und lud alle Interessenten ein, sich an dem Bündnis zu beteiligen.

Zur Erinnerung: Der Gebäudebestand bietet hohe Effizienzpotentiale, die für die er­folgreiche Umsetzung der Energiewende abgerufen werden müssen. So werden 40 Prozent der Energie in Deutschland in Gebäuden verbraucht. Drei Viertel des Gebäu­debestandes wurden vor der ersten Wärmeschutzverordnung 1979 errichtet. Diese Gebäude sind oft gar nicht oder kaum energetisch saniert. Ohne energetische Sanie­rung wird es keine Energiewende geben. Es ist aus Sicht des Bündnisses Energieaus­weis höchste Zeit, den Energieausweis sinnvoll zu optimieren.

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