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Herzog & de Meuron kuratiert die Lichtspiele der umgerüsteten Allianz Arena

(16.8.2015) Die Allianz Arena residiert gut sichtbar am Autobahnkreuz München-Nord zwischen Flughafen und Stadtzentrum (siehe Bing-Maps und/oder Google-Maps). Ihre Haut besteht aus großen, rautenförmigen weiß schimmernden ETFE Folienkissen, von denen jedes einzeln bislang Rot, Blau oder Weiss beleuchtet werden konnte. Damit ist das Fußballstadion des FC Bayern und des TSV 1860 München ein urbaner Leuchtkör­per, der seit 2005 als architektonische Landmarke den Norden Münchens prägt.

Filmschnipsel von der neuen Außenbeleuchtung der Allianz Arena (Thumbnails für eine schnelle Inhaltsübersicht; Quelle: Philips)

Im Zuge der Umrüstung der Fassade der Allianz Arena von Leuchtstoffröhren auf eine flächendeckende, energiesparende LED-Außenbeleuchtung ist Herzog & de Meuron 2014 beauftragt worden, für die neue Beleuchtung ein kuratorisches Gestaltungskon­zept zu entwickeln. Dabei sollte die Klarheit, Direktheit und Kraft des ursprünglichen Lichtkonzeptes unter Ausschöpfung der neuen technischen Möglichkeiten beibehalten und die Beleuchtung weiterhin direkt mit dem Fußball in Verbindung gebracht werden.

Rot, Blau und Weiß bleiben die Basis

Der Versuchung und der Gefahr, den unbeschränkten Möglichkeiten der neuen LED-Technologie zu erliegen und dadurch das ursprüngliche Beleuchtungskonzept in eine totale Beliebigkeit zu verwässern, sollte bewusst entgegen gewirkt werden. Die Be­schränkung bei der Regelbeleuchtung auf die drei Grundfarben Rot, Blau und Weiß ist insofern als bewusstes Statement zu verstehen.

Farben aus dem kompletten Farbspektrum möglich

Der beleuchtbare Teil der 26.000 m² großen Fassade ist in 1056 Kissen (11 horizonta­le Reihen und 96 diagonale Spalten) unterteilt. In jedem Kissen stehen 24 einzeln an­steuerbare LED-Module zur Verfügung - insgesamt sind es 300.000 LEDs. Technisch können diese mit einer Bildwiederholungsrate von 40 Bildern/Sekunde mit 16 Millionen Farben aus dem kompletten Farbspektrum angesteuert werden. Es wurde jedoch sehr früh entschieden, auf Farbwechsel innerhalb eines Kissens zu verzichten, damit die Fassadengeometrie mit ihrem prägnanten Rautenraster klar ablesbar bleibt und nicht durch rasterübergreifende Farbverläufe geschwächt wird. Ebenfalls wurde bei der Ent­wicklung der Beleuchtung großer Wert auf Ruhe und Eleganz der Farbdynamiken ge­legt, um dem Maßstab der Allianz Arena gerecht zu werden.

„Guided Tour“ durch die AllianzArena (Thumbnails für eine schnelle Inhaltsübersicht; Quelle: Philips)

Verschiedene Beleuchtungsszenarien je nach Stadionaktivität

Die Standardbeleuchtung der Allianz Arena leuchtet abwechselnd in den Farben Rot, Blau und Weiss. Hierfür wurden zwölf Übergangsszenarien entworfen, die auf un­terschiedliche Weise und in zufälliger Reihenfolge den Farbwechsel von einer zur an­deren Farbe vollziehen. Diese verschiedenen Farbübergänge lassen sich in vier Kate­gorien zusammenfassen - zeilenbasiert, spaltenbasiert, pixelbasiert und formbasiert. Jede dieser Kategorien setzt sich mit der Fassade und ihrer architektonischen Be­schaffen­heit in einer bestimmten Weise auseinander.

Am ursprünglichen Beleuchtungskonzept für Heim- und Auswärtsspiele wurde festgehalten: zur Unterstützung der Mannschaft des FC-Bayerns und zur Information des Außenraumes leuchtet die Allianz Arena für die Dauer des Spieles in beiden Fällen statisch Rot.

Die Fassadenbeleuchtung bei Sonderveranstaltungen liegt in der Hand des Sta­dionbetreibers. 

Montage der neuen Beleuchtungsanlage (Thumbnails für eine schnelle Inhaltsübersicht; Quelle: Philips)

Nutzer der Autobahnen dürfen nicht abgelenkt werden

Da die Allianz Arena an sehr exponierter Lage in unmittelbarer Nähe zu zwei Autobah­nen gelegen ist, ist es von höchster Wichtigkeit, sicherzustellen, dass die Fassaden­beleuchtung vorbeifahrende Autofahrer weder durch eine zu hohe Auffälligkeit, noch durch eine undeutliche Lesbarkeit ablenkt. Um die vielfältigen Möglichkeiten einer LED-Beleuchtung kontrollierbar zu machen, wurde in Zusammenarbeit mit dem Sachver­ständigen Dr. Meseberg ein entsprechendes Sicherheitskonzept entwickelt. Kern die­ses Konzeptes sind zwei ineinandergreifende Dynamik- und Farbfilter, welche die Ge­schwindigkeit der Farbwechsel und die Verwendung von Farbfamilien kontrollieren. So soll sichergestellt werden, dass auch komplexe und dynamische Beleuchtungsszena­rien Dritter auf ein sicherheitstechnisch verträgliches Maß entschleunigt werden.

Weitere Informationen zur Fassadenbeleuchtung à la Allianz Arena können per E-Mail an Philips angefordert werden.

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