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Studie: Öffentliche Großprojekte sind im Durchschnitt 73% teurer als geplant

(4.5.2015) Öffentliche Großprojekte in Deutschland kosten letztlich im Durchschnitt 73% mehr als geplant, wobei die Ziel­verfehlung in den verschiedenen Infrastruktursektoren recht unterschiedlich ist. Nach einer Studie der Hertie School of Governance überstiegen die Fertigstellungskosten den Plan­ansatz bei ...

  • Projekten im Bereich Verkehr um 33%,
  • öffentlichen Gebäuden um 44%,
  • Rüstungsprojekten um 87%,
  • Energieprojekten um 136% und
  • IT-Projekten gar um 394%.

Defizite im Entscheidungs-, Planungs- und Steuerungsprozess

In die Studie unter der Leitung von Prof. Dr. Genia Kostka einbezogen waren 170 Großprojekte in Deutschland seit 1960. Die  119 abgeschlossenen Projekte kamen auf eine Kostensteigerung von 73%, während für die 51 noch laufenden Projekte bis dato durchschnittliche Kostensteigerungen von 41% errechnet wurden.

Bei eingeplanten Kosten von 141 Milliarden Euro und  tatsächlichen Ausgaben in Höhe von 200 Milliarden Euro betrug die Budgetüberschreitung für alle untersuchten Objekte zusammen stolze 59 Milliarden Euro. Kostka und ihr Team machen dafür unter anderem Defizite im Entscheidungs-, Planungs- und Steuerungsprozess verantwortlich. Verwal­tung und politisch Verant­wortliche seien oftmals zu optimistisch und überschätzten ihre Fähigkeiten, was teilweise dazu führe, dass Entscheidungsträger Verträgen zu­stimmten, die der öffentlichen Hand das Risiko aufbürdeten oder Unternehmen falsche Anreize setzten.

Gefährlich: „Pionierprojekte“ mit hohen Technologie-Risiken

Die größten Kostenexplosionen gäbe es aber zumeist bei „Pionierprojekten“ mit hohen Technologie-Risiken wie beispielsweise dem Bau von Atomkraftwerken Offshore-Wind­parks. Und manchmal scheiterten teure Projekte sogar gänzlich, wie das Steuersystem FISCUS. Kosta gibt aber zu bedenken, dass beim Einsatz neuer Technologien zwar ho­he Anschubkosten entstünden, sich solche Investitionen wegen der damit verbunde­nen Lerneffekte sowie des erzielbaren Technologievorsprungs auf lange Sicht dennoch lohnen könnten.

Die Studie bestätigt auch, dass sich besonders hohe Kostenüberschreitungen regel­mäßig bei Megaprojekten ergeben: Während bei den untersuchten Projekten mit einem Volumen von über 500 Millionen Euro die Budgetüberschreitung im Schnitt bei hundert Prozent lag, belief sie sich bei kleinen (bis 50 Millionen Euro) und mittleren (zwischen 50 und 500 Millionen Euro) Projekten durchschnittlich auf 78 bzw. 59 Prozent.

Vom Ausland lernen

Auch wenn die Datenlage einen internationalen Vergleich schwer macht, sprechen vorhandene Studien für ein leicht schlechteres Abschneiden Deutschlands im Vergleich zu entsprechenden Ländern. Danach belaufen sich die Kostenüberschreitungen beim Straßen-, Schienen-, Tunnel- und Brückenbau in den Niederlanden auf 17, in den Län­dern Nordwest-Europas auf 22, in Deutschland aber auf 30 Prozent.

Für ein besseres Kosten-Controlling von Großprojekten empfiehlt Kostka unter ande­rem die Einrichtung eines nationalen Benchmarkings für Großprojekte und einer unab­hängigen Kontrollagentur nach britischem Vorbild.

Die Studie „Großprojekte in Deutschland - zwischen Ambition und Realität“ umfasst neben einer umfassenden Auswertung der Projekt-Daten drei detaillierte Fallstudien ...

  • zum Berliner Großflughafen BER,
  • zur Elbphilharmonie sowie
  • zu fertiggestellten Offshore-Windparks.

Die Studie soll am 19. Mai 2015 um 18:30 Uhr an der Hertie School of Governance, Friedrichstraße 180, Berlin,  vorgestellt werden. Eine Zusammenfassung erster Ergeb­nisse ist als PDF-Dokument downloadbar.

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