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Bericht vom 6. Internationalen FBB-Fassadenbegrünungssymposium 2013

(21.10.2013) Insgesamt 12 Experten berichteten beim 6. FBB-Symposium zur Fassa­denbegrünung Ende September in Frankfurt am Main in drei Themenblöcken und 12 Vorträgen über verschiedene Aspekte begrünter Fassaden.

Den Auftakt machte die Architektin Nicole Pfoser, Technische Universität Darmstadt, die einen interdisziplinären Leitfaden als Planungshilfe zur Nutzung energetischer, klimatischer und gestalterischer Potenziale sowie zu den Wechselwirkungen von Ge­bäude, Bauwerksbegrünung und Gebäudeumfeld vorstellte. Der detaillierte Handlungs­leitfaden verspricht Bauherrn und Planern die Sicherheit, Unterlassungen und Fehlent­scheidungen durch eine praktische und schrittweise Arbeitsanleitung zu vermeiden. Der Leitfaden soll bald in der Schriftenreihe der Forschungsgesellschaft Landschafts­entwicklung Landschaftsbau e.V. (FLL) als gedruckte Broschüre veröffentlicht werden.

Saftflussmessungen zur Abschätzung der Transpirationsleistung

In dem Themenblock „Aktuelle Forschungsergebnisse“ stellte M.Sc. Marie-Therese Hölscher von der Technischen Universität Berlin ihre Arbeit zu Saftflussmessungen zur Abschätzung der Transpirationsleistung von Fassadengrün vor. Ziel dieser Arbeit war es, die Eignung der Saftflussmessung für Freilandexperimente mit Kletterpflanzen zu testen. Zudem sollten Unterschiede zwischen verschiedenen Pflanzenarten quan­tifiziert und die Transpiration beeinflussende Faktoren bestimmt werden.

  • Fallopia baldschuanica (Knöterich) hatte die höchste Transpiration mit durch­schnittlich 1,6 l/m² Blattfläche.
  • Parthenocissus tricuspidata (wilder Wein) zeigt mit durchschnittlich 0,3 l/m² deutlich geringere Saftflusswerte.
  • Bei Hedera helix (Efeu) war der tägliche Saftfluss mit 0,1 l/m² am geringsten.

Durch die Wahl der Pflanzenart läßt sich also die Höhe der Transpiration und damit die Kühlleistung entscheidend beeinflussen.

Oberflächennahe Lufttemperatur

Diplom Ingenieur Bernhard Scharf, Universität für Bodenkultur aus Wien, berichtete über die Ergebnisse nach einem Versuchsjahr des europaweiten Forschungsprojekts ProGreenCity. Erste Auswertungen der Sensordaten ergaben erfreuliche Ergebnisse für die Begrünungen. Die Werte der oberflächennahen Lufttemperatur liegen deutlich unter jenen des Standarddaches. Eine Reduktion der Tagesspitzentemperatur um bis zu 5°C im Vergleich zur Standardbauweise bedeutet ein enormes Energieeinsparungs­potenzial. Im Moment befinden sich die Felduntersuchungen in einer abschließenden Phase. Alle Informationen fließen in das neue Modellierungstool des Programms ENVI­met. Mit Hilfe des Tools werden Simulationen der Wirkungen der Green Building Tech­nologies in unterschiedlichen Klimaten durchgeführt.

Vergleichende Untersuchung an verschiedenen Fassadenbegrünungs-Systemen zur Vegetationsentwicklung

... war das Thema von Prof. Dr. Manfred Köhler der Hochschule Neubrandenburg. Zum Test sind Fassadenelemente am Lehrgebäude und dem Gewächshaus der Hochschule Neubrandenburg installiert. Die an diesem Standort gesammelten Erfahrungen reprä­sentieren die klimatische Situation im Nordosten Deutschlands, also mit kalten Wintern und relativ warmen und trockenem Sommern. Campanula rotundifolia und Sedum kam­schaticum waren die Arten mit dem stärksten Zuwachs. Für eine endgültige Auswer­tung sei es noch zu früh, neben den bekannten und erfolgreichen Arten wie Heuchera mircophylla „Purple palace“ hätten sich Saxifraga cuneifolia und S. umbrosa bewährt.

Pflanzen für wandgebundene Fassadenbegrünungen

Stefan Brandhorst, Vertiko GmbH aus Kirchzarten und Leiter der FBB-Projektgruppe Fassadenbegrünung zeigte die Ergebnisse der Projektgruppenarbeit „Geeignete Pflan­zen für wandgebundene Fassadenbegrünungen“. Kernstück der umfangreichen Pflan­zenlisten sind die Kriterien, aus denen sich die grundlegenden Eigenschaften und An­sprüchen der Pflanzen sowie der gestalterischen Aspekte ergeben. Brandhorst teilte die Pflanzen zur besseren Übersicht in gestalterische Aspekte ein: Pflanzen geeignet für flächige Verwendung, Pflanzen für Streifen oder Bänderungen, Solitär- oder Leit­pflanzen, Pflanzen für Einzelstand, zum Einstreuen oder für kleinere Gruppen. Die Pflanzenlisten sind im Tagungsband hinterlegt.

Bewässerung bei wandgebundenen Fassadenbegrünungen

Jos Mastop und Gerben Poeth von Mastop totaaltechniek bv aus den Niederlanden berichteten über ihre Erfahrungen zur automatischen Bewässerung bei wandgebunde­nen Fassadenbegrünungen. Sie zeigten auf, dass das Kernstück einer guten Bewäs­serung die Fernüberwachung ist, die jeden Ausfall meldet. Ebenso legten sie Wert darauf, dass vor der Inbetriebnahme das zur Verfügung stehende Wasser chemisch untersucht werden soll, um beispielsweise Düngergaben und Verkalkung einstellen bzw. vorbeugen zu können.

Fassadenbegrünung etabliert sich

Der mit viel Interesse verfolgte letzte Themenblock beschäftigte sich mit Kurzvorträ­gen zu Referenzobjekten. Gregor Zorn von der Optigrün international AG, Arne Medorn von der französischen Firma Greenwall, der Niederländer Nils van Steenis von Scha­denberg Groen Combi und Stefan Brandhorst von Vertiko untermauerten mit verschie­denen Referenzen, dass die wandgebundene Fassadenbegrünung auf dem richtigen Weg ist, sich in Europa zu etablieren.

Der Planer Hagen Roßmann aus Seeblick schloss die Reihen beispielhafter Objekte mit dem Fassadengarten in der Außenraumgestaltung der Stadt Wittenberge ab. Herz­stück der Freiflächengestaltung ist eine Hochbeetfläche sowie die Entwicklung eines vertikalen Gartens, der einen Großteil der angrenzenden Hauswand verdeckt. Die dau­erhafte Begrünung der vertikalen Flächen gewährleistet eine attraktive und innovative Kulisse innerhalb des Stadtbildes. Umgesetzt wurde eine freistehende Fassadenschei­be ohne Kontakt zu dem benachbarten Gebäude. Der Vorteil liege insbesondere darin, dass aufwendige Eigentumsfragen sowie konstruktive und statische Erfordernisse im Bezug auf das Gebäude vermieden werden konnten. Rossmann führte aus, dass die Fassadenbegrünung eine extrem hohe Akzeptanz in der Bevölkerung findet. Die beson­dere Art der Freiflächengestaltung ist oft Mittelpunkt von Diskussionen bei Besuchern und Gästen. Die gestalterischen Effekte entfalten ihre Wirkung vor allem in der Haupt­vegetationszeit.

FBB-Präsident Dr. Gunter Mann stellte außerdem die im Mai gestartete Machbarkeits­studie der Begrünung der Lärmschutzwand des Palmengarten Frankfurts vor - siehe dazu auch Baulinks-Beitrag „Machbarkeitsstudie „Vertikaler Garten am Palmengarten Frankfurt“ gestartet“ vom 29.5.2013:

Mit der Machbarkeitsstudie sollen die wandgebundenen Fassadenbegrünungssysteme ermittelt werden, die am besten für die klimatischen Bedingungen am Standort „Pal­mengarten Frankfurt“ geeignet sind. Die vier Versuchswände der Firmen Optigrün, Humko, Vertiko und Schadenberg haben sich gut entwickelt und zeigen kaum noch Unterschiede im Gesamtdeckungsgrad. Die Ergebnisse der Studie werden Mitte 2014 erwartet. Die Teilnehmer des Symposiums waren im Anschluss an die Veranstaltung eingeladen, die Versuchsflächen am Palmengarten zu besichtigen, was auch zahlreich genutzt wurde.

siehe auch für zusätzliche Informationen - auch von den Mitveranstaltern: