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Smarte Türdichtung gegen dicke Raumluft

(6.8.2013) Wärmedämmung, Luftdichtheit und Schallschutz stehen vielfach im Fokus bauphysikalischer Überlegungen. Über dicke Luft in Innenräumen mach(t)en sich viele jedoch kaum Gedanken. Dabei stört zu viel CO₂ in der Raumluft die Konzen­tration erheblich. Forscher vom Fraunhofer-Institut für Mikro­elektrische Schaltungen und Systeme IMS haben in Koopera­tion mit der Firma Athmer jetzt ein Türdichtungssystem ent­wickelt, das selbständig zur Lüftung beiträgt.

Die elektronisch gesteuerte Türdichtung öffnet oder schließt sich je nach CO₂-Menge im Raum. Ein CO₂-Sensor registriert dazu den Schadstoffgehalt in der Luft. Steigt dieser über ei­nen bestimmten Schwellenwert, steuert ein kleiner Motor über eine Feder die Türdichtung am unteren Teil des Türflügels. Die Dichtung zieht sich nach oben, durch den Schlitz kann sich die Raumluft austauschen. Gleichzeitig schaltet das System über die Gebäudeleittechnik die Lüftungsanlage ein, welche die ver­brauchte Luft aus dem Raum befördert.

„Wir richten uns dabei nach dem Pettenkofer-Wert von 1000 ppm“, erklärt Hans-Jürgen Schliepkorte, Gruppenleiter am Fraunhofer IMS in Duisburg. Max von Pettenkofer war es, der bereits Mitte des vor­letzten Jahrhunderts mit seinen Untersuchungen zur Innenluftqualität erkannte, ab welchem CO₂-Wert sich die Menschen in einem Raum unwohl fühlen. Heutige Regel­werke und Richtlinien für Arbeitsstätten setzen 1500 ppm (parts per million) als obe­ren Grenzwert an und empfehlen einen CO₂-Gehalt von 1000 ppm. „Diesen können wir mit Hilfe der intelligenten Türdichtung erreichen – ohne dass Fenster oder Türen geöffnet werden müssen“, so Schliepkorte.

Das Türdichtungssystem ist elektronisch an die Gebäudeleittechnik gekoppelt. Ist eine Lüftungsanlage oder gar eine Wärmerückgewinnungsanlage vorhanden, können diese abhängig vom CO₂-Gehalt und der Temperatur im Raum zusätzlich angeschaltet wer­den. „Das System berechnet immer den besten Kompromiss zwischen guter Raumluft und optimaler Ausnutzung der Energieeffizienz“, sagt Schliepkorte. Seit Juni 2013 ist es im Fraunhofer-inHaus-Zentrum in Duisburg installiert.

Schon jetzt haben die Fraunhofer-Forscher weitere Anwendungen im Visier: Die Tür­dichtung soll auch helfen, die Luftfeuchtigkeit in Wohn- und Nutzgebäuden besser zu regulieren. Schimmelbildung zu Hause und trockene Augen im Büro könnten so bald der Vergangenheit angehören.

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