Redaktion  || < älter 2010/1945 jünger > >>|  

Silbrig schimmernd und wohl geschützt: Erlebnisbad "Les Thermes"

  • Projektvorstellung mit freundlicher Unterstützung von DuPont

(25.11.2010) Überraschend anders präsentiert sich das neue Freizeit- und Schwimm­zentrum "Les Thermes" im luxemburgischen Strassen - Bertrange (siehe Google-Maps und/oder Bing-Maps). Die elliptische Form ähnelt einem Raumschiff, das unvermittelt in der Landschaft auftaucht. Seine markante Formgebung - geplant von der Architektengemeinschaft Jim Clemes, Witry & Witry sowie Hermann & Valentiny et Associés - wirkt futuristisch und macht zugleich neugierig auf mehr.


alle Fotos: copyright DuPont/Tyvek (Bild vergrößern)

Als interkommunales Schwimmzentrum bietet "Les Thermes" Attraktionen in den drei Themenbereichen Sport, Spiel und Entspannung. Insgesamt zeigt sich das Zentrum transparent, bietet tiefe Einblicke in das Gebäude und seine unterschiedlichen Angebote. In Nord-Süd-Orientierung ausgerichtet, wird innen wie außen in den Wasserfreizeitzonen die Sonneneinstrahlung optimal eingefangen.

Homogen in die Grundstücksformung eingepasst, wird der drei Ebenen umfassende Baukörper durch eine klassische Betontragstruktur getragen. Auch die Gründung der Schwimmbecken erfolgte in Beton, die Becken selbst wurden als Edelstahlwannen in diese Tragkonstruktion eingesetzt.

Weit gespannte Konstruktion

Eine komplexe Konstruktion aus Brettschichtholz-Bindern überspannt das gesamte Bad. Die Basis bildete hierbei ein Statikkonzept des Luxemburger Bureau d’etudes Schroeder & Associés. Hieraus entwickelte die mit allen Holz-, Dach-, Fassaden- und Innenausbauarbeiten beauftragte Ochs GmbH, Kirchberg, gemeinsam mit dem Büro Schroeder dann die Ausführungsstatik, alle Anschlüsse, Detaillösungen und Montagezustände.

Das Basiskonzept unterteilt die Tragkonstruktion in Haupttragelemente mit Hauptbindern sowie Nebenträgen und Dachelementen. An die zwischen 5 bis 8,5 t schweren Hauptträger ordneten die Holzbauprofis im 5m-Raster die Nebenträger an. Die Aussteifung der so entstandenen Rahmenkonstruktion erfolgte über Windverbände, die teilweise in Stahl, teilweise in Holz als Scheibe ausgeführt wurden. Raumseitig erhielten die Gefache eine Innenverkleidung. In den Radien fertigte man diese direkt vor Ort nach Aufmaß. Die in den Ecken keilverzahnten, gebogenen Binder der Fassadenkonstruktion wurden jeweils in Betonpolygonen verankert. Hier erfolgte die Aussteifung durch zug- und druckfest angeschlossene Querpfetten oder durch zweilagige, versetzte Diagonalschalungen in einzelnen Feldern.

Holz im Schwimmbad

Verwendet wurde in Strassen im wesentlichen Brettschichtholz 11/14 aus Fichte und Tanne. Sichtbarer Stahl zur Fügung der Holzbauteile ließ sich weitgehend vermeiden, um der Korrosionsgefahr entgegen zu wirken. Wo dies nicht zu vermeiden war, kam entsprechender Korrosionsschutz zum Einsatz. Ein vom Büro Goblet Lavandier et Associés aus Luxemburg entwickeltes Lüftungskonzept sorgt für ausreichenden Luftaustausch im Bad und damit zugleich auch für ein den Holzbauteilen zuträgliches Klima.

Geneigte Glasfassade

Neben dem Tragwerk für das Dach und die Fassade bildet die das Gebäude öffnende Glasfassade ein drittes statisches System in dem Bauwerk. Die bis zu 12 m hohe Glaswand ist teilweise um 15° nach außen geneigt. Dies trifft für die beiden Hauptfassaden zu, die parallel zur Hauptachse angeordnet sind.

Die Glasfassade ist vor den Haupttragstützen angeordnet. Achsial vor den Haupttragpfosten sitzende Pfosten in 8/30 wurden oben mit gleitenden Abschlüssen ausgebildet. Damit die Fassade noch ausreichend belüftet werden kann, wurden die Riegel in 8/10 leicht schräg nach innen geneigt eingebaut. Vier verschiedene Maße bilden die Rasterung, wobei die Breite immer 5,00 m beträgt (unterteilt in drei Felder á 1,66 m) und die Höhen 1,00 m, 1,60 m, 2,20 m und 2,80 m betragen. An Rundungen, Durchdringungen oder schrägen Abschlüssen kommen Passscheiben zum Einsatz. Alle verwendeten Gläser sind weitgehend foliert und erfüllen die notwendige Schallnormung.

Formgebendes Tragwerk

Das aufwändige Tragwerk gibt zugleich die Form der Gebäudehülle vor. Deren Deckung ist geschlossen, wärmegedämmt und wetterfest. Den äußeren Abschluss der besonderen Wandkonstruktion bilden Aluminium-Schindeln von Prefa, welche die aus dem Dach in die Fassade übergehende runde Form aufnehmen.

Mittels großzügiger, durchgehend transparenter aber geschlossener Dachöffnungen wird der Kernbereich des Hallenbaus von oben belichtet. Diese als Zylinder ausgebildeten Öffnungen ordnete man in verschiedenen Neigungen und in unterschiedliche Richtungen an. Mit einem durchschnittlichen Durchmesser von rund 5,99 m enden sie nach unten entweder auf der Betondecke oder frei im Raum. Auf der äußeren, flachen Dachschale brachten die Fachhandwerker eine Dampfsperre auf, gefolgt von einer Wärmedämmung und einer Kunststoff-Dachabdichtung mit integrierter Photovoltaik-Anlage.

Attraktive Aluminium-Schindeln

An der gestalterisch anspruchsvollen Fassade setzen die Fachhandwerker der Ochs GmbH mit den Aluminium-Schindeln eine außergewöhnliche und zugleich äußerst anspruchvolle Fassadenbekleidung um. Denn aufgrund der Fassadenform ergaben sich unterschiedliche Decklängen vertikal verbunden mit unterschiedlicher Neigung und unterschiedlichen Längen in der Horizontalen. Zugleich galt es, das diagonale Deckbild durchgehend gleich und harmonisch auszubilden.

Eine unmittelbar auf die Holzschalung aufgebrachte Schalungsbahn schützte die Fassadenkonstruktion während der Bauphase. Hierbei kam die Unterdeckbahn DuPont Tyvek Supro zur Anwendung (Bild). Die mit der Flash-Spun-Bond-Technologie erstellte Unterdeckbahn ist reißfest und einfach zu verarbeiten. Vor allem die Nahtverklebung der einzelnen Bahnen untereinander war den Fachhandwerken wichtig. So konnte verhindert werden, dass der Wind während der langen Phase der Schindelverlegung unter die Schalungsbahn greift und diese abreißt. Aufgrund der besonderen Fassadenform wählten die Fachhandwerker zur Ausführung der Arbeiten an der Fassade einen Hubsteiger:

Dreigeschossige Strukturierung

Im Untergeschoss befindet sich neben der Gebäude- und Schwimmbadtechnik der gesamte Lagerungsbereich mit Anlieferzone. Ebenso die Personalräume mit entsprechenden sanitären Einrichtungen sind im UG angeordnet.

Mit einer großen Halle im Erdgeschoss wird der Besucher in Empfang genommen. Durch die großzügigen Fensterfronten ist der Blick zum Badebereich frei. Neben der Theke und einem Shop verzweigt sich der Weg zu den Umkleidebreichen für die Besucher, Schulklassen und die Nutzer des Fitness- und Saunabereiches. Ein Lift führt direkt in die obere Etage zu den Restaurants, der Verwaltung und dem Fitnessbereich.

Einzigartiger Innenausbau

Nach Fertigstellung der äußeren Gebäudehülle konzentrierten sich die Fachhandwerker auf den Innenausbau. Hier zählten vor allem die bis zu 11,50 m hohen, versetzt zu den Haupttragachsen angeordneten, Innenwände zu den besonderen Herausforderungen. Weiterhin sind einige der Innenwände gebogen und bieten einen interessanten Materialmix aus Glas, Holz oder Polster.

Teilweise wurde Glas in freier Form und in runde Wände integriert. Darüber hinaus installierten die Handwerker neben Akustikdecken rund 2.500 m² Wandpolster auf unterschiedlichsten Untergründen wie Beton, Mauerwerk und Holz. Insbesondere diese Ausbaumaßnahme sollte in der Dimension bisher einzigartig in einem Hallenbad sein. Auch die Holzverkleidung der dreidimensional gekrümmten Außenwände erforderte intelligente Lösungsansätze. Eine durchgängige Wand unterhalb einer Hauptachse dient als "Klimaschott" zu den Büros.

Getrennte Zugänge

Unterschiedliche Zugänge aus den Badezonen im EG heraus erschließen den Weg zu den gastronomischen Angeboten. Der über der Sauna- und Wellness-Anlage gestaltete Fitnessbereich ist natürlich separat zugänglich. So erstellten die Zimmerer zu dem ebenerdigen Haupteingang noch eine 42 m lange Zugangsbrücke aus Holz, die ebenfalls mit Aluminium-Schindeln verkleidet wurde (Bild). Eine Notbrücke auf der Gebäuderückseite sichert die Evakuierung des Obergeschosses bei Gefahren. Auch diese Brücke wurde als Holztragwerk mit Aluminium-Schindel-Verkleidung erbaut.

Mehrgliedrige Badezonen

Nach der Passage des Entrees erreichen die Besucher durch die Duschen hindurch die unterschiedlichen Badezonen, die mit breiten und begrünten Ruhe- und Entspannungsarealen voneinander getrennt sind. Jede Badezone hat ihren eigenen Zugang zum Außenbereich. Zum unfangreichen Schwimmbeckenangebot gehören ein wettkampftaugliches, 25 x 16,66 m großes Schwimmerbecken mit Sprungturm, ein Lehrschwimmbecken mit Hubboden, ein 200 m² großes Wellenbecken, ein weitläufiges Becken mit Sprudel- und Massagedüsen, zwei Rutschen-Anlagen, ein Mutter-Kindbecken sowie ein 205 m² großes Außenbecken.

Wellness und Sauna

Ein weiterer, natürlich nicht einsehbarer Bereich ist die Wellness- und Saunaanlage im Erdgeschoss. Hier stehen neben den notwendigen Wasser-Anlagen wie Tauchbecken, Whirlpool, Duschen, Fußbecken und Eisbrunnen auch unterschiedliche Saunen bereit. Neben der bekannten finnischen Sauna über eine Meditationssauna und eine Heusud-Sauna geht das Angebot bis hin zu großen und kleinen Dampfbädern. Der innere Saunabereich wird im Außengelände mit einer Event-Sauna sowie einer Maa-Sauna (Erdsauna) und einer Feuer-Sauna fortgesetzt. Natürlich stehen den Besuchern im Außenbereich entsprechende Duschen und Kaltwasserduschen, Ruhezonen und auch ein 75 m² großes Becken zur Verfügung.

Weitere Informationen zu Tyvek können per E-Mail an Dupont angefordert werden.

siehe auch für zusätzliche Informationen:

ausgewählte weitere Meldungen: