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Stahlpreise auf Rekordniveau

(14.4.2004) Die boomende Wirtschaft in den Ländern des asiatischen Wirtschaftsraums, allen voran China, lässt den Weltmarktpreis für Stahl drastisch steigen.

War in den letzten Jahren eine eher stagnierende Preisentwicklung bei geringer Nachfrage für Stahl zu beobachten, ist seit Mitte letzten Jahres eine deutliche Aufwärtsbewegung zu verzeichnen.

Bereits im November 2003 kündigte Guy Dollé, Chef des weltgrößten Stahlkonzerns Arcelor, eine Preiserhöhung um bis zu 30 Euro/t an, Thyssen Krupp folgte im Februar mit der Ankündigung einer Verteuerung um bis zu 40 Euro/t ab April 2004. Nach einer Meldung vom 26.03.2004 wird die Corus Group plc, Europas drittgrößter Stahlhersteller, zum 01.07.2004 die Preise nochmals um ca. 85 Euro/t anheben. Damit steigen die Preise auf nie erreichte Rekordhöhe.

Als Hauptursache für diese rasante Entwicklung nennt Prof. Dr.-Ing. Dieter Ameling, Vorsitzender des Stahlinstituts VDEh und Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl, in seinem Vortrag anlässlich der 8. Handelsblatt-Jahrestagung in Düsseldorf die anhaltend hohe Nachfrage aus den dynamischen asiatischen Staaten, vornehmlich China, die zu einer Verknappung auf dem Weltmarkt führt.

Im vergangenen Jahr steigerte China seine Stahlimporte um über 50 Prozent und löste damit die USA als weltgrößten Stahlimporteur ab. Eng verwoben mit dieser Nachfragesituation sind auch die Rückwirkungen auf den Rohstoffmarkt.

Bei Eisenerz ist mittlerweile eine kritische Versorgungslage eingetreten, Kohle und Koks haben sich seit Jahresanfang um 25 Prozent verteuert.

Auch der zur Stahlherstellung notwendige Stahlschrott sieht sich einer immensen Verteuerung ausgesetzt. Nach Angaben von Friedrich Neuhaus, Geschäftsführer des Wirtschaftsverbands der Stahl- und Metallverarbeitung e.V. (WSM), ist der Preis für eine Tonne Schrott auf 170 Euro gestiegen, so hoch wie nie zuvor.

Hinzu kommt, dass sich die Frachtraten im Überseehandel aufgrund extremer Verknappung des Laderaums gegenüber dem Jahresmittel 2002 teilweise verfünffacht haben.

Es kann nicht davon ausgegangen werden, dass sich diese dramatischen Marktsituationen in absehbarer Zeit wieder beruhigen wird, vielmehr ist in 2004 mit weiter steigenden Preisen zu rechnen. Aber auch bei einer Abschwächung der Nachfrage ist nicht mit drastisch fallenden Preise zu rechnen. Die Strukturmaßnahmen der letzten Jahre und Jahrzehnte in der Stahlindustrie haben zu einem Abbau der Kapazitäten und der Konzentration weniger marktbestimmender Konzerne geführt, die mittlerweile über das Potential verfügen, hohe Preise auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten durchzusetzen und zu halten.

Die momentane dramatische Preisentwicklung ist daher nicht als kurzfristiges Zwischenspiel, sondern als langfristige Kalkulationsgrundlage anzusehen.

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