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BIM-Studie vom Fraunhofer IAO: „Digitales Bauen noch Zukunftsmusik“


  

(31.8.2015) Building Information Modeling (BIM) beschreibt die umfängliche digitale Planung von Gebäuden vom Entwurf bis zur Inbetriebnahme - und auch darüber hinaus, wenn man ans Facility Management denkt. BIM bietet die Chance, Bau­projekte präziser, effizienter, günstiger und nachhaltiger ab­zuwickeln. Eine aktuelle Studie des Fraunhofer IAO zeigt aber, dass die Baubranche in der Praxis von der durchgängig digita­len Prozesskette noch weit entfernt ist.

Die Vorteile und Potenziale von BIM in der Wertschöpfungkette Bau liegen auf der Hand: Die am Bau beteiligten Akteure ...

  • haben Zugriff auf die gleiche Datenbasis,
  • können sich besser koordinieren,
  • Ausführungsvarianten durchspielen und diskutieren sowie
  • jederzeit Live-Daten zu Kosten, Mengen und Zeitabläufen abrufen.

Klingt in der Theorie gut. Aber wie sieht es in der Praxis aus? Nutzen die Akteure im Bauwesen heute schon digitale Planungs- und Fertigungsmethoden? Welche Probleme bestehen in den Bauprozessabläufen und welche Chancen sehen die Beteiligten in der Methode des BIM?

BIM vorwiegend bei Großprojekten im Einsatz

Antworten auf diese Fragen hat das Fraunhofer IAO mittels einer Online- Umfrage un­ter knapp 400 Personen gesucht - neben Planern und Fachplanern ausdrücklich auch Ausführende und Subunternehmer, die an Schnittstellen im Bauprozess agieren. Die Kernaussagen der Studie in Kürze:

  • Jeder fünfte Befragte kennt die Planungsmethode BIM nicht.
  • Jeder zweite befragte Planer (Generalplaner, Architekt, Fachplaner) arbeitet immer noch anhand von 2D-Zeichnungen, egal ob analog oder digital.
  • Bei 29% der Aufträge zur Fertigung von Bauteilen dienen 2D/3D- Planungsdaten immer oder häufig als Grundlage für ein eigenes Modell.
  • Jedes dritte Unternehmen mit Projektvolumen von über 25 Millionen Euro arbei­tet bereits nach der BIM-Methode

Von der durchgängig digitalen Prozesskette ist die Baubranche in der Praxis also noch weit entfernt. Die meisten Büros sind mit 2D-Dateien und Papierplänen zufrieden und sehen auch keinen Anlass, sich mit anderen Planungsmethoden zu befassen - auch aufgrund der hohen Softwarekosten, die sich die überwiegend kleinstrukturierte Pla­nerlandschaft nicht leisten kann.

Gleichwohl gilt: Die Zukunft des Bauens ist digital!

In Zukunft führt trotzdem kein Weg an BIM vorbei. Das sehen die Befragten auch selbst so und fürchten, dass es bei öffentlichen Aufträgen schon bald entsprechende gesetzliche Vorschriften geben könnte. Je eher sich die betroffenen Unternehmen also mit der Thematik befassen, desto besser. Denn nur wer die Planungsmethode richtig einführt und nutzt, kann auch das volle Potenzial der 4D- und 5D-Planung ent­falten und verliert nicht den Anschluss an die digitale Prozesskette der Baubranche.

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