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„European Powers of Construction“: Baubranche in Europa weiter im Vorwärtsgang

EPoC 2015 - European Powers of Construction
  

(24.7.2016) Die Finanzkrise hatte die Baubranche schwer ge­troffen. Doch die sukzessive Erholung setzte sich 2015 in mo­deratem Tempo fort - so das Ergebnis des Deloitte-Report „European Powers of Construction“ für das letzte Jahr. Außer­dem sei ein fortgesetzter Trend zur Internationalisierung des Geschäfts zu beobachten.

Nach wie vor stammen überdurchschnittlich viele große euro­päische Bauunternehmen aus Frankreich, Spanien und Groß­britannien. Mit der zum spanischen Konzern ACS gehörenden Hochtief und dem deutschen Ableger der österreichischen Strabag sind allerdings indirekt auch zwei der großen deut­schen Bauunternehmen unter den Top 20 der Branche in Eu­ropa. Die weltweit größten Baukonzerne sitzen jedoch nach wie vor nicht in Europa oder den USA, sondern in China.

Inzwischen haben die Unternehmen der Baubranche im Hinblick auf ihren Markt- bzw. Börsenwert das Niveau von 2007 wieder übertroffen. Der Gesamtumsatz stieg im Ver­gleich zum Vorjahr um 5 Prozent, die Marktkapitalisierung um 21 Prozent. Von dieser Entwicklung profitieren vor allem die ,Großen' - von denen allerdings kaum noch wel­che in Deutschland beheimatet sind: Mit der Bauer Aktiengesellschaft findet sich nur noch ein einziger deutscher Vertreter in den Reihen der 50 größten börsennotierten Bauunternehmen Europas", resümiert Franz Klinger, Partner Real Estate bei Deloitte.

Weniger dynamisch als der Branchendurchschnitt zeigten sich die drei mit deutlichem Abstand größten Unternehmen Vinci, ACS und Bouygues: alle drei konnten, anders als die nachfolgenden, die Leistung des Vorjahres nicht wieder erreichen - siehe „Eu­ropean Powers of Construction“-Report vom Vorjahr. An der Reihenfolge hat sich in den Top Ten wenig geändert. Durch den weitgehenden Rückzug von Bilfinger aus dem Baugeschäft rückte die niederländische BAM Group einen Platz nach oben - siehe Bei­trag „Ohne Herz, Wurzeln und Power: Bilfinger schlachtet sich aus“ vom 5.6.2016. Neu unter den zehn größten Unternehmen ist die schwedische NCC.

Rang Unternehmen Land Umsatz 2015 (Euro)
1 (1) Vinci SA Frankreich 38,518 Mrd.
2 (2) ACS SA Spanien 34,525 Mrd.
3 (3) Bouygues SA Frankreich 32,428 Mrd.
4 (4) Skanska AB Schweden 16,369 Mrd.
5 (5) Eiffage SA Frankreich 14,069 Mrd.
6 (6) trabag SE Österreich 13,123 Mrd.
7 (7) Balfour Beatty Plc Großbritannien 11,533 Mrd.
8 (8) Ferrovial SA Spanien 9,701 Mrd.
9 (10) Koninklijke BAM Groep NV Niederlande 7,423 Mrd.
10 NCC AB Schweden 6,681 Mrd.

Gesamtinvestitionen in Bauprojekte steigen - Deutschland vorne

Die guten Aussichten für die Branche beruhen auch auf den anstehenden Investitio­nen, obwohl hier der Stand vor der Finanzkrise noch lange nicht wieder erreicht ist. Nur in Deutschland, Schweden, Polen und Belgien sind die Investitionen in Bauleistun­gen über die Zeit von 2007 bis 2015 nachhaltig angestiegen. Im Vergleich zum Vor­jahr stiegen die Gesamtinvestitionen in Europa um 5% auf 1,4 Billionen Euro, wobei Deutschland vor Frankreich und Großbritannien den größten Markt bildet.

Mehr Internationalisierung - Risiken inklusive

2015 wurden 52% der Leistung der 20 größten EU-Bauunternehmen außerhalb der eigenen Landesgrenzen erbracht. Damit liegt der Internationalisierungsgrad um neun Prozentpunkte höher als 2014. Vom internationalen Geschäft versprechen sich die Baukonzerne mehr Chancen als von einer Beschränkung auf den Heimatmarkt - de facto müssen sie sich aber mit geringeren Profiten zufrieden geben. So ist die durch­schnittliche EBITDA-Marge um ganze 4,5 Prozentpunkte niedriger: ein Trend, der schon länger zu beobachten ist und sich sogar verstärkt hat.

Weniger Diversifizierung - trotz höherer Margen

Der Diversifizierungsgrad unterschreitet mit 24,3% Leistungsanteilen abseits des Kern­geschäfts den Wert des Vorjahres um fünf Prozentpunkte. Die Gründe sind vielfältig. Dennoch bleibt ein diversifiziertes Geschäft nicht zuletzt aufgrund der in der Baubran­che traditionell geringen Margen attraktiv. Wie der Report zeigt, liegt die EBIT-Marge bei diversifizierten Unternehmen mit 7,1% höher als bei jenen, die sich hauptsächlich auf ihre Kernkompetenzen konzentrieren - sie kommen nur auf einen Schnitt von 5,4%.

Unternehmensfinanzen im grüne(re)n Bereich

Das Jahr 2015 brachte mehrheitlich positive finanzielle Ergebnisse für die 20 größten Unternehmen der Baubranche. Die Profitabilität lag bei durchschnittlich 9%, die aggre­gierten Umsätze stiegen um 5, das aggregierte EBIT um 4 und der Reinertrag um 13%. Zudem konnten die Konzerne ihren Verschuldungsgrad um 14% verringern und damit das Verhältnis von Netto-Schuldenquote zu EBIT deutlich verbessern. Auch das Ver­hältnis von Unternehmenswert zu EBITDA stieg von 7,8 im Jahr 2014 auf 8,3.

Chinesen weltweit Nr. 1

So groß die europäischen Spitzenreiter der Top 50 auch sein mögen - an die Chinesen reichen sie nicht heran. Die vier weltweit größten Konzerne entstammen dem Reich der Mitte. In den globalen Top 25 ist China mit sieben Unternehmen das meistvertre­tene Land. Frankreich als Zweitplatzierter kommt auf vier.

„Auch in den kommenden Jahren darf mit einem fortgesetzten Wachstum gerechnet werden - das sich 2017 sogar noch weiter beschleunigen könnte. Gerade in Deutsch­land sind die Aussichten für den stückweisen Abbau des allgegenwärtigen Investi­tionsstaus bei öffentlichen Infrastrukturprojekten dank der politischen Weichenstel­lungen der jüngsten Vergangenheit und des nach wie vor guten Steueraufkommens günstig,“ ergänzt Klinger.

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