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Überarbeitetes DGNB System rückt u.a. Bauproduktehersteller stärker in den Fokus


  

(27.3.2015) Die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) hat ihr Zertifizierungssystem für nachhaltige Gebäude weiterentwickelt. Im Dialog mit Experten der Bau- und Immo­bilienbranche wurden die Kriterien laut eigener Einschätzung einfacher, schlanker und flexibler. Außerdem wurden Themen wie die Anbindung eines Gebäudes an die Mobilitätsinfrastruk­tur ergänzt und Indikatoren wie die Recyclingfreundlichkeit der eingesetzten Bauteile grundlegend überarbeitet - wodurch üb­rigens Bauproduktehersteller zukünftig stärker in den Fokus rücken. Ferner können ...

  • individuelle, projektbezogene Lösungen, die aufgrund ihres außergewöhnlichen Innovationsgrades bislang nicht im DGNB Systems abgebildet sind, bei entspre­chendem Nachweis der Nachhaltigkeitswirkung eingebracht werden und zu ei­nem verbesserten Ergebnis führen, und außerdem können ...
  • mit der neuen Systemversion alternative Nachweise geführt werden, wenn die Zielerfüllung eines Kriteriums oder Indikators daraus hervorgeht.

Die Möglichkeit zu projektindividuellen Lösungen genauso wie die alternative Nach­weisführung sind bei allen in der Anwendung befindlichen DGNB Nutzungsprofilen ab sofort möglich.

Mobilität neu im Kriteriensystem

  • Verfügt ein Gebäude über Ladestationen für Elektroautos oder -räder?
  • Erhalten die Nutzer ausreichend Informationen über den öffentlichen Nah­verkehr, der fußläufig erreichbar ist?
  • Oder gibt es in der Nachbarschaft Car- oder Bike-Sharing-Stationen?

Mit diesen Fragestellungen beschäftigt sich die neu im DGNB System eingeführte Kri­teriengruppe „Mobilität“. Wie die Bedürfnisse von Fahrradfahrern berücksichtigt wer­den, wird genauso betrachtet wie der Benutzerkomfort im Gebäude. Gemeint ist hier­mit das Vorhandensein von Duschmöglichkeiten, Umkleide- und Abstellräumen, die zur Nutzung des Fahrrads motivieren können. „Unser Credo lautet: Mehr bedarfsgerechte Mobilität. Oder anders formuliert: Wir fördern eine Gebäudeplanung, die einerseits das Zukunftsthema Elektromobilität adressiert und andererseits das Mobilitätsangebot aus der unmittelbaren Umgebung unterstützt, um so eine hohe Akzeptanz der Nutzer für die vorhandenen Verkehrsträger zu erreichen“, erklärt Dr. Christine Lemaitre, ge­schäftsführender Vorstand der DGNB.

Auf dem Weg zu geschlossenen Materialkreisläufen

Komplett überarbeitet wurde das Kriterium „Rückbau- und Recyclingfähigkeit“. Anstelle eines darzustellenden Entsorgungskonzepts treten die Indikatoren „Recyclinggerechte Baukonstruktion“ und „Recyclingorientierte Baustoffauswahl“. Bewertet wird damit ...

  • einerseits, ob Bauteile zerstörungsfrei aus dem Gebäude entfernt oder sorten­rein getrennt werden können, und
  • andererseits, ob sich die eingesetzten Bauteile wiederverwenden bzw. zu gleich- oder höherwertigen Rohstoffen verwerten lassen.

Damit rücken zukünftig die Bauproduktehersteller stärker in den Fokus. „Die Nachhal­tigkeit eines Gebäudes beginnt auf Bauproduktebene. Deshalb müssen sich auch die Hersteller einer Verantwortung stellen und sich an der Vision geschlossener Material­kreisläufe orientieren“, erklärt Lemaitre.

Bewertung der gestalterischen Qualität

Für die neue Version stand auch die Einbindung von Indikatoren zur Bewertung der gestalterischen Qualität eines Gebäudes auf dem Prüfstand. Die Erfahrungen aus der Praxis zeigten, dass Kriterien wie „Kunst am Bau“ oder „Grundrissqualitäten“ sich im Rahmen einer Zertifizierung nicht hinreichend eignen, um die gestalterische Qualität eines Gebäudes abzubilden. Daher wurde diese in der neuen Version des DGNB Sys­tems gestrichen und auf Kriterienebene der Fokus auf den prozessualen Aspekt der Durchführung eines Architekturwettbewerbs gelegt. „Ein Wettbewerb impli­ziert die Sensibilisierung für gestalterisch-qualitative Themen eines Bauprojekts und kann dazu beitragen, die architektonische Qualität eines Gebäudes positiv zu beein­flussen“, erklärt DGNB Vizepräsident Martin Haas. Mit dieser Lösung gibt sich die DGNB allerdings nicht zufrieden. Gemeinsam mit führenden Experten aus der Archi­tektur- und Immobilienbranche soll in den kommenden Monaten ein Weg erarbeitet werden, wie die gestalterische und baukulturelle Qualität eines Gebäudes in der Zer­tifizierung bestmöglich abgebildet werden kann.

Die Version 2015 der DGNB ist für das Nutzungsprofil „Neubau Büro- und Verwaltungs­gebäude“ ab sofort verfügbar. Für alle übrigen Nutzungsprofile der DGNB Gebäudezer­tifizierung soll die neue Version der Kriterien im Mai 2015 bereitgestellt werden. Eine Projektanmeldung auf die bisherigen Systemversionen für Neubauten sei noch bis zum 31. Juli 2015 möglich.

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