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Energiehunger und etwa 850.000 Staudämme bedrohen weltweit viele Flüsse

Weltwassertag 2014: „Wasser und Energie“
  

(22.3.2014; Weltwassertag) Der Bund für Umwelt und Natur­schutz Deutschland (BUND) warnt anlässlich des diesjährigen Weltwassertags, der unter dem Motto „Wasser und Energie“ steht, vor der Bedrohung von Flüssen, Auen und Süßwasser­reservoirs durch Großprojekte zur Stromgewinnung. An größe­ren und kleineren Flüssen soll es weltweit inzwischen bereits etwa 850.000 Staudämme geben, dazu gehörten rund 50.000 große bzw. sehr große so genannte Mega-Staudämme.

Zu den riesigsten Großprojekten zählen der Belo-Monte-Damm am Xingu-Fluss in Bra­silien, der laut BUND einzigartige Naturwälder und dort lebende Indianerstämme bedro­he, sowie der Ilisu-Staudamm am Tigris in der Türkei, der uralte Kulturdenkmäler und u.a. die Leopardenbarbe - eine nur dort lebende Fischart - gefährde. Der größte Stau­damm der Welt - der Grand-Inga - soll an einem bislang weitgehend naturbelassenen Abschnitt des Kongo in Afrika errichtet werden, in Asien bedrohen BUND zufolge riesi­ge Staudamm-Projekte am Mekong seltene Flussdelphine und Fischarten und damit die Existenz vieler Fischer in der Region.

Aber auch in Europa, vor allem im Einzugsgebiet der Donau, seien Hunderte neuer Staudämme und Anlagen zur Stromerzeugung mittels Wasserkraft geplant. Deutsch­land habe mit mehr als 7.000 Wasserkraftwerken in Europa die höchste Ausbaudichte an Anlagen zur Stromerzeugung aus Wasserkraft. Trotzdem sollen hierzulande eben­falls weitere Anlagen gebaut werden.

Sebastian Schönauer, BUND-Wasserexperte: „In Deutschland gibt es, aller Vernunft zum Trotz, noch immer Pläne für den Bau neuer Wasserkraftwerke. Die Stromgewin­nung ließe sich damit nur um wenige Promille steigern. Zugleich gefährdet ein solcher Ausbau aber die Renaturierung der Fließgewässer, die für mehr Hochwasserschutz dringend nötig wäre.“

Wasserkraftanlagen behinderten zudem die Wanderung von Fischen und von Turbi­nen würden unzählige im Wasser lebende Tiere getötet. Dies betreffe insbesondere den Aal, der auch deshalb auszusterben drohe. In den Schlamm-Ablagerungen von Stauseen entstehe außerdem klimaschädliches Methan, das in die Atmosphäre ent­weiche.

Schönauer: „Anstatt neue Kraftwerke an den Flüssen zu bauen, müssen die Anstren­gungen zum Energiesparen weltweit deutlich erhöht werden. Die Bewahrung bezie­hungsweise die Wiederherstellung des natürlichen Zustands von Bächen, Flüssen und Auen ist dringend geboten. Sonst drohen das Verschwinden vieler Tier- und Pflanzen­arten und der Verlust des für den Hochwasserschutz nötigen Wasserrückhalts in der Fläche.“

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