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Deutscher Fassadenpreis 2013: Wohn- und Geschäftshäuser

(13.10.2013; Fassadenpreis 2013) Das Farbige darf ins Eckige: Alle drei Kategoriege­winner zeigen, wie man gerade in der Sanierung von in die Jahre gekommenen Mehr­familienhäusern Charakter, Freundlichkeit und Wertigkeit mit einer grafisch strengen, doch farbig belebten Gestaltung einziehen lassen kann. Jeder Entwurf geht dabei ei­nen anderen Weg, der dem Baukörper, seiner Umgebung und der Nutzung ideal ange­passt ist – mit sehenswerten kreativen Details.


Deutscher Fassadenpreis 2013: 1. Platz bei den Wohn- und Geschäftshäusern (Bild vergrößern)

1. Preis – Farbe schafft neue Zusammenhänge

In einer geschlossenen Straßenbebauung von Berlin-Kreuzberg steht das sechsge­schossige Mehrfamilienhaus von 1961, das der Eigentümer innen und außen ertüchti­gen wollte (siehe Google-Maps). Neben neuen Grundrissen und einer energetischen Sanierung, u.a. mit ei­nem Wärmedämm-Verbundsystemen, stand eine Aufwertung der Fassade bei gleich­zeitiger Beibehaltung der Fassadenstruktur ganz oben auf der Wunschliste.

Der Entwurf macht mustergültig vor, wie sich eine Gebäude­sichtfläche mit kreativen Mitteln neu konfigurieren lässt:

  • Die Treppenhausfassade setzt sich von der Hauptfassa­de durch einen feineren Putz ab.
  • Der fast weiße Grundton der Fassadenschlussbeschichtung schafft die strahlende Kulisse für die Rhythmisierung mit den drei Farbklängen Orange sowie Grün und Blau in je zwei Helligkeits- und Sättigungsstufen.
  • Die Platzierung der Farbakzente hält sich streng an die vorgegebenen Bauteile.
  • In jedem Geschoss werden zwei kleine Fenster durch ein mittiges Farbfeld zu einem Band zusammengefasst.
  • Die blaue Farbreihe der Balkone durchbricht ein einzelner orangefarbener Balkon.
  • Wirkungsvoll auch der dritte farbige Eingriff an den kleinen Einzelfenstern links vom Treppenhaus: Jedem wurde ein Fassadenfeld beigesellt, das die eigentliche Öffnung optisch vergrößert. Weil das Farbfeld schräg gestellt ist, erscheint es visuell als zweites Fensterelement.

Die Jury lobt, dass durch den gestalterischen Einsatz von Farbflächen hier neue Zu­sammenhänge entstehen, die mit viel Liebe zum Detail umgesetzt wurden, und verlieh diesem Wohnhaus einen 1. Preis. Die Auszeichnung geht zu gleichen Teilen an Wel­ter + Welter Architekten (Berlin) für das kluge und schlüssige Gesamtkonzept sowie DHS Bauconsulting GmbH (ebenfalls Berlin) für die handwerklich gelungene Ausführung.

2. Preis – intensive Farbtöne gegen die Uniformität

Massiv, schwer, mit wenig Profil und trister Ausstrahlung: Auch auf den Fünfgeschos­ser in Senftenberg (Brandenburg; siehe Google-Maps) traf dieses Plattenbau-Urteil bis vor kurzem zu. Gegen die eintönige Symmetrie präsentiert die neue Farbgestaltung auf der wärmege­dämmten Fassade eine überzeugende asymmetrische Gliederung:

Auf der Eingangsseite wird der weiße Grundfarbton von breiten anthrazitfarbenen Fel­dern vertikal unterbrochen. Auch in den oberen beiden Gebäudegeschossen wiederholt sich diese Gliederung horizontal. Zusammen mit den dazwischengesetzten Farbrecht­ecken in intensivem Blau, Rot, Grün und Orange erhält das Gebäude so eine neue, gut getaktete Leichtigkeit.

Die Gebäuderückseite zeigt nun Balkonreihen, die farblich zu einer Einheit zusammengefasst und in Anthrazit gerahmt wer­den. Diese gelungene Verwandlung eines uniformen Gebäudes zu einem Solitär hat die Jury bewogen, diese Arbeit mit dem 2. Preis in der Kategorie Wohn- und Geschäftshäuser zu prämie­ren. Das Preisgericht belohnt damit die Leistungen von Gen­sel Fassadenbau- und Malerbetrieb (Ortrand) sowie Siegfried Schur Baubetrieb (Boxberg). Auch die Eigentümerin, die Kom­munale Wohnungsgesellschaft Senftenberg, wird mit dem Preis geehrt.

3. Preis – Einheit und Vielfalt durch Farbe

Eine Wohnsiedlung aus den 1960er-Jahren mit 16 drei- bis viergeschossigen Wohngebäuden ist in Neuss frisch gestaltet worden (siehe Google-Maps). Um die Attraktivität der Siedlung zu erhöhen und ei­ne befriedigende optische Lösung für die kommenden Jahre zu erzielen, setzt der umgesetzte Farbent­wurf auf eine minimalistische, klare Farbensprache. Die beste­henden Klinker- und Putzflächen erhielten ebenso eine weiße Beschichtung wie alle weiteren Fassadenbauteile - bis hin zu den Attiken, Dachuntersichten, Sockeln, Balkonen und Regen­rinnen.

Im Zusammenspiel mit den üppigen Grünanlagen und ihrem al­ten Baumbestand leuchten die großflächig aufgehellten Gebäu­de jetzt geradezu. Einzig die Hauseingänge wurden individuell mit strahlenden, satten Tönen aus dem Rot-, Blau- und Gelb­spektrum differenziert. Die Farbtöne der Eingänge eines Haus­typs sind einer Farbreihe entnommen und auf­einander abgestimmt. Diese Rhythmisierung sorgt für Abwechslung und Orientierung, ohne aufdringlich zu sein.

Diese wohldosierte Farbgestaltung erhielt von der Jury den 3. Preis in der Kategorie Wohn- und Geschäftshäuser. Er zeichnet die Planungsleistung von Ingenhoven & In­genhoven Architekten (Neuss), das handwerkliche Gespür von Hüsson Farbe Gestal­tung Bautenschutz (Düsseldorf) und den Neusser Bauverein für seine kluge Umset­zung aus.

Vorstellung der ausgezeichneten Projekte 2013 in den Kategorien ...

siehe auch für zusätzliche Informationen: