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Skulpturaler Golfer-Lokus aus Stampfbeton, verspiegeltem Glas und derbem Holz

(12.8.2013) Stil am stillen Ort zeigt das neue WC-Häuschen bei Loch 14 auf dem Golf­platz in Lauterhofen in der Oberpfalz. Vorstand und Architekt Johannes Berschneider hat für seinen Golfclub einen passgenauen Plan entworfen. Mit Stampfbeton haben er und elf befreundete Golfer und Freizeit-Betonbauer die bemerkenswerte Toilettenbox realisiert.

Wie eine Skulptur steht sie in der Landschaft: Schicht um Schicht zeigt die archa­ische Toilettenbox an der Fassade die historische Bauweise. Grauer Stampfbeton, be­wusst derbe Holzoberflächen und verspiegeltes Glas sind die reduzierten Materialien dieses Kleinods am Green.

Stampfbeton geht bekanntermaßen auf die alten Römer zu­rück. Im Golfclub Lauterhofen haben Mitglieder mit dieser be­währten Technik ein Toilettenhaus erbaut, wie es kein zweites geben dürfte. Seit Peter Zumthor in der Eifel die Bruder-Klaus-Kapelle erbaut hat, ist Stampfbeton in der Architektur wieder en vogue. In Lauterhofen entspricht der Beton der typischen Farbe des oberpfälzer Juragesteins. Folgerichtig liegen jetzt auch die beim Aushub freigelegen Kalksteinbrocken als Natur­steinboden im Innenraum.

Ein Baum, der am Standort gefällt werden musste, lieferte das Holz für die Eingangstür, die geradlinig in der Form und mit be­wusst derber Oberfläche ausgeführt wurde. Das Waschbecken ist eine antike Viehtränke und entstammt einem Bauernhaus des Areals (Bild unten). So fügen sich Materialien und zeitge­schichtliche Dokumente des Ortes zu modernen Sanitärobjek­ten und rahmenlosen Glasflächen und ergeben gemeinsam ein bemerkenswertes Zusammenspiel.

Für die nötigen Baustoffe und Einrichtungsgegenstände konnte der Verein Sponsoren gewinnen. Durch freiwillig geleistete Ar­beitsstunden wurde der kleine Betonbau schließlich kostenneu­tral realisiert.

Die traditionelle Stampfbetontechnik erfordert keine Armierung. Die Standfestigkeit der Wände ergibt sich durch die stete Verdichtung der einzelnen Betonschichten. Sie er­folgt mittels Stampfen, das die Golfer - in Variation zur historischen Bauweise - unter Zuhilfenahme ihrer Driver bewerkstelligten. Eher symbolisch denn als Bewehrung wur­den einige der alten Schläger in die Wandflächen einbetoniert. Die einzelnen Betonier­abschnitte und der Abdruck der Brettschalung sind gut ablesbar und verstärken den archaischen Charakter.

Im Vorfeld waren zwecks Festigkeit und Betonrezeptur Probewürfel gefertigt worden. Ohne Fließmittel oder Verfestiger wurde der natürliche Beton vor Ort mit relativ gro­ber Gesteinskörnung in den von der Mannschaft jeweils zu bewältigenden Chargen gemischt. Wer größere Bauten aus Stampfbeton plant, kann diese übrigens auch mit Transportbeton ausführen lassen. Hierfür werden von Betontechnologen spezielle Be­tonrezepturen konzipiert, die entsprechende Fließmittel, eventuell Farbpigmente sowie Verzögerer integrieren. So kann die gewünschte Stampfbetontechnik auch durch eine versierte Rohbaufirma professionell ausgeführt werden.

Insgesamt erforderte der Bau in Lauterhofen fünf Arbeitsgän­ge, die einzelnen Betonlagen konnten, gut gewässert, auch an verschiedenen Tagen übereinander eingebracht werden. Nur für die Betondecke in WU-Qualität waren Bewehrungsei­sen erforderlich.

Die Entwässerung des Betonquaders erfolgt über ein Alumi­nium-Profil mit Speier, das Regenwasser versickert im Wald­boden. Auch die Glasflächen mit der Spiegelfolie sind puris­tisch an den Beton gefügt. Sie wurden mit Winkeln in beto­nierte Falze und Fugen eingebracht und die Übergänge ver­siegelt. So ist nirgends ein störender Rahmen oder Winkel sichtbar. Im Innern sorgt die Verglasung für besten Panora­mablick und wahrt dennoch die Intimität des stillen Örtchens.

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