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Baubranche setzt verstärkt auf Schlichtungsverfahren

(24.6.2013) Kommt es zu Konflikten und Streitigkeiten mit Subunternehmern oder Kunden, setzen internationale Unternehmen aus der Bauindustrie überdurchschnittlich häufig auf Schiedsverfahren. 84 Prozent der befragten Bauunternehmen halten das Schlichtungsverfahren für ein geeignetes Mittel zur Beilegung von Streitigkeiten mit Geschäftspartnern oder Kunden. Zu diesem Ergebnis kommt die PwC-Studie "Corpora­te choices in International Arbitration", die PwC in Kooperation mit der University of London erstellt hat. Für die Studie wurden 101 Anwälte großer Firmen befragt, davon 20 aus der Baubranche.

Konfliktlösung in der Baubranche erfordert technisches Know-how

"Bei Konflikten in der Baubranche geht es häufig um sehr komplexe Sachverhalte, die ein hohes Maß an technischem Know-how erfordern. Das macht ein Schiedsverfahren für die Beteiligten zu einem attraktiven Weg, um die Streitigkeiten zu lösen. Denn an­ders als bei einem Gerichtsverfahren können die Parteien bei der Schlichtung die Per­sonen auswählen, die letztlich über ihre Ansprüche entscheiden", erläutert Dr. Martin Nicklis, PwC-Experte für die Baubranche.

Schlichtung belastet Geschäftsbeziehungen weniger stark

Die wichtigsten Gründe, wieso sich Unternehmen aus der Bauindustrie für ein Arbitra­tionsverfahren entscheiden, sind Neutralität und das Vertrauen in die Expertise des Schlichters. "Ein weiterer Beweggrund für die Schlichtung: Die Unternehmen hoffen, die Geschäftsbeziehungen weniger zu gefährden als vor einem ordentlichen Gericht", so Martin Nicklis.

Allerdings kann ein Schiedsverfahren auch Nachteile mit sich bringen:

  • 22 Prozent der Studienteilnehmer befürchten, dass die Kosten bei einem Schiedsverfahren höher sind als bei anderen Wegen der Konfliktbeilegung.
  • 17 Prozent halten das Schlichtungsverfahren für weniger geeignet, weil es in der Regel länger dauert, bis eine Einigung erzielt wird.
  • 13 Prozent befürchten, dass das Schlichtungsverfahren keine eindeutigen Ergebnisse hervorbringt.

In der Praxis zeigt sich, dass die Finanzierung des Verfahrens nur eine untergeordnete Rolle spielt: Die Frage, ob sie ein Schiedsverfahren aus Kostengründen bereits abge­brochen hätten, verneinten 89 Prozent der Studienteilnehmer. Ob sich die Unterneh­men für ein solches Verfahren entscheiden, hängt vielmehr von der eigenen Verhand­lungsposition, der Beweislage und dem entstandenen Schaden ab.

Externe Berater müssen Branchen-Expertise mitbringen

Unternehmen bauen verstärkt interne Expertise für Schlichtungsverfahren auf. Fast die Hälfte (44 Prozent) der befragten Bauunternehmen verfügt über ein auf Schlich­tungsverfahren spezialisiertes Team. Häufig geht es allerdings nicht ohne externe Un­terstützung: "Fast zwei Drittel der befragten Unternehmen beauftragen einen exter­nen Experten, um sich optimal auf das Verfahren vorzubereiten", berichtet Dr. Michael Hammes, PwC-Experte für Konfliktmanagement.

Bei der Auswahl der Berater für ein Schiedsverfahren ist den befragten Bauunterneh­men das technische Branchen-Know-how des Experten wichtiger als relevante Erfah­rung in Schiedsverfahren (56 versus 44 Prozent). "Unternehmen erkennen verstärkt die Vorteile eines Schlichtungsverfahrens gegenüber einem Gerichtsprozess. Sie sam­meln immer mehr Erfahrung und werden zunehmend versierter im Umgang mit dieser Thematik. Das Schiedsverfahren hat sich besonders für global agierende Bauunterneh­men als attraktive Alternative zum Gerichtsprozess etabliert", so das Fazit von Martin Nicklis.

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