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Positionspapier zur Induzierten Seismizität bei tiefen Geothermieprojekten

(11.7.2010) Der GtV-Bundesverband Geothermie (GtV-BV) hat gemeinsam mit führenden internationalen Seismologen ein Positionspapier zur Induzierten Seismizität bei tiefen Geothermieprojekten entwickelt. Anlässlich des vom GtV-BV organisierten Workshops "Tiefe Geothermie und Seismizität" stellte der Verband das Papier am heutigen Donnerstag, den 8. Juli, der Öffentlichkeit vor. Unter Induzierter Seismizität versteht man das Auslösen seismischer Ereignisse durch Eingriffe des Menschen in den Untergrund. Ereignisse dieser Art wurden in der Vergangenheit auch bei geothermischen Projekten gemessen und haben eine öffentliche Diskussion um vermeintliche Erdbebengefahren ausgelöst.

Grundsätzlich legt der GtV-BV Wert auf die Feststellung, dass durch Geothermieprojekte induzierte seismische Ereignisse weltweit noch nie ...

  • strukturelle Schäden an Gebäuden ausgelöst,
  • die Infrastruktur beschädigt oder
  • gar Menschenleben gefährdet hätten.

Diese Feststellung muss nach Ansicht des Verbands die Grundlage für eine sachliche Diskussion zu diesem Thema sein. Ebenso wichtig für die Planung von Geothermieprojekten sei es, dass Induzierte Seismizität im Gegensatz zu natürlich entstehenden Erdbeben im Grundsatz vorhersehbar und kontrollierbar sei. Um diese Kontrolle zu gewährleisten und größere seismische Ereignisse im Zusammenhang mit Geothermieprojekten zu verhindern, schlägt der GtV-BV ein Vorgehen nach der Methode des kontrollierten Betriebs vor.

Methode des kontrollierten Betriebs ...

"Kontrollierter Betrieb" bedeutet, dass jede Maßnahme, die Einfluss auf die Seismizität haben kann, so gestaltet werden muss, dass das Risiko nur langsam und kontrolliert anwächst und alle Ereignisse (statistisch) unterhalb der Schwelle der Fühlbarkeit bleiben. Wesentliche Bausteine dieser Methode sind ...

  • das umfassende Monitoring aller Betriebsphasen,
  • das Erstellen eines öffentlich zugänglichen Reaktionsplans sowie
  • die gutachterliche Begleitung jedes Projekts durch einen Seismologen.

Durch diese Vorgehensweise können größere seismische Ereignisse bei Geothermieprojekten nach Auffassung des GtV-BV und der führenden Wissenschaftler verhindert werden.

... und ein umfassender Versicherungsschutz

Dennoch sollte darüber hinaus ein umfassender Versicherungsschutz gewährleistet sein. Dieser sollte hohe Versicherungssummen und eine unbürokratische Schadensabwicklung bei kleineren Schäden umfassen. Der GtV-BV spricht sich auch dafür aus, die Erweiterung der Beteiligungsrechte der Bürger bei solchen Projekten zu prüfen. Eine Pflicht zum Planfeststellungsverfahren, wie sie in der vergangenen Woche von der rheinland-pfälzischen Landesregierung als Bundesratsvorlage beschlossen wurde, lehnt der Verband aber als überzogen ab.

"Bei entsprechender Planung können spürbare seismische Ereignisse im Zusammenhang mit geothermischen Projekten verhindert werden", so Hartmut Gaßner, Präsident des GtV-BV. "Daher darf eine von manchen geschürte angebliche "Erdbebengefahr" dem weiteren Ausbau der Geothermie zur Wärme- und Stromerzeugung nicht im Weg stehen. Es ist aber sehr wichtig, die Menschen vor Ort frühzeitig und umfassend in die Planung einzubeziehen, um Ängste nicht entstehen zu lassen."

Das vollständige, 13-seitige  Positionspapier steht unter geothermie.de als PDF zum Herunterladen bereit. Das Papier wurde federführend von Prof. Dr. Horst Rüter verfasst, Vizepräsident des GtV-BV.

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