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Resümee der Rosenheimer Fenstertage 2005

(25.10.2005) Das Motto der 33. Rosenheimer Fenstertage "Erfolg durch Qualität und Technik" hatte den Nerv der Branche getroffen und 840 Besucher in das Kongresszentrum gelockt, um mit Top-Referenten die zentralen Trends für 2006 zu diskutieren. Institutsleiter Ulrich Sieberath zog sein Fazit mit Zitaten der Hauptreferenten:

  • "Wir müssen um den Marktanteil im Portemonnaie des Kunden gegen Konsumgüter mit Sex Appeal kämpfen" (Andreas Kreuzer).
  • "Ohne Risiko keine Innovation und kein Erfolg", "Qualität muss produziert und nicht erprüft werden" (Dr. Hans-Jörg Bullinger).
  • "Wenn du merkst, dass du ein totes Pferd reitest, dann steige ab". (Weisheit der Dakota)

Die Plenumsreferenten Andreas Kreutzer, Ulrich Sieberath, Erich Jasch und Prof. Dr. Hans-Jörg Bullinger skizzierten die wichtigsten äußeren Rahmenbedingungen, die für die betrieblichen Strategien der Fenster-, Fassaden- und Türenbranche entscheidend sind. Der "Trendbogen" überspannte Themen wie Markt und Marketing, Technik und Normen sowie Management und Volkswirtschaft. Die 19 Vorträge der Themenblöcke informierten im Detail über Lösungen zu den unterschiedlichsten operativen Problemfeldern. Das erstmalig angebotene Dialogforum Technik und Recht zählte zu den am besten besuchten Veranstaltungen.

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Insgesamt waren folgende zentralen Botschaften erkennbar:

Gesellschaftliche Trends

  • Deutschland ist Wissensgesellschaft geworden und entwickelt sich nun hin zu einer "vernetzten Welt". Die Beschleunigung und Innovationsdynamik nimmt weiter zu.
  • Die staatlichen und betrieblichen Aufwendungen für Forschung sind im globalen Vergleich zu gering.
  • Als Hochlohnland kann Deutschland nur durch Innovationen, Qualität und Produktivitätssteigerung seinen Lebensstandard halten.
  • Die Position der Familienunternehmen muss stärker gefördert werden, da hier über 70% der Arbeitskräfte beschäftigt sind und mittel- und langfristig gedacht und investiert wird.
  • Wachsende Bedeutung von alters- und behindertengerechtem Bauen
  • Die Individualisierung der Angebote wird auch Bauprodukte erreichen. Beispielsweise kann die große Bandbreite an thermischer Empfindlichkeit nur durch bedarfgerecht geregelte Systeme die Nutzerwünsche erfüllen.
  • Ökologisches Wirtschaften wird zur zentralen Aufgabe der Volks- und Weltwirtschaft.

Betriebliche Trends

  • Wissensmanagement ist ein zentraler Produktionsfaktor geworden und lässt sich zukünftig nur durch Kompetenznetzwerke erreichen.
  • Wettbewerbsvorteile ergeben sich durch intelligente, kreative und kompetente Mitarbeiter und betriebliche Organisationsstrukturen, die über Erfolg und Nichterfolg entscheiden.
  • Die betriebliche Organisation der Zukunft ist prozess- und nicht funktionsorientiert und gibt den Marktdruck und die Kundenwünsche durch das ganze Unternehmen bis an die "Werkbank" weiter.
  • Die betriebliche und personelle Flexibilisierung muss weiter voranschreiten (Verfügbarkeit an 24 Stunden und 365 Tagen im Jahr).
  • Auch Produktionsbetriebe müssen wie Dienstleister agieren.
  • Die Einbindung des Qualitätsmanagements in die Unternehmensstrategie und deren effiziente Organisation wird zur wichtigen Aufgabe.

Markt und Marketing

  • Das Konsumklima wird stark von der Zukunftsvorsorge beeinflusst. Steigende Arbeitslosigkeit, Angst- und Renten-Sparen entziehen der Volkswirtschaft die Kaufkraft für Konsum- und Investitionsgut.
  • Das Fenster im Renovierungsmarkt ist kein Investitions- sondern ein Konsumgut und konkurriert deshalb auch mit anderen hochpreisigen Konsumgütern. Güter ohne "Sex-Appeal" verlieren an Marktanteil.
  • Der Renovierungsmarkt hat das größte Potenzial in der Zukunft.
  • Der Preisdruck hält weiter an. Der Grund liegt in der mangelnden Preistransparenz, die aufgrund einer undifferenzierten Markenpolitik, erklärungsbedürftige Produkte und durch Vertriebsdefizite entsteht.

Branchentrends

  • Der Materialtrend bleibt relativ unverändert. Kunststoff bleibt überlegen, Holz oder Holz-Alu wird zur Einstellungs- und Geldfrage und Aluminium bleibt ein Nischenprodukt.
  • Die Designtrends werden sehr stark durch den Wunsch nach mehr Helligkeit im Wohnraum bestimmt. Von 1078 Befragten wollten 96% eine helle Wohnung, so dass auf der Endverbraucherwunschliste große Fenster mit hohem Glasanteil stehen. Deshalb werden auch Sonnen- und Sichtschutz sowie einbruchhemmende und Sicherheitsverglasung an Bedeutung zunehmen.
  • Beim Preis wird sich das Angebot immer stärker in die beiden Preissegmente Economy und Premium aufteilen.
  • Neben Produktinnovationen wird der Erfolg verstärkt in der Nutzung und Optimierung aller Wertschöpfungssegmente liegen, um Kunden ein optimales Rundum-Paket anbieten zu können.
  • Der Markt wird sich weiter europäisieren und globalisieren
  • Zu wenige Hersteller nutzen die Chancen über Nachrüstung auch andere Renovierungspotenziale zu erschließen.
  • Die Einsatzmöglichkeiten und Anforderungen an "Natürliche Rauch- und Wärmeabzugsgeräte (NRWG)" sind noch weithin unbekannt.

Techniktrends

  • Fortsetzung der energetischen Optimierung
  • steigendes Angebot und Vielfalt an Öffnungsarten, Motorik, Elektronik und Lüftungstechnik.
  • Die Integration des Fensters in Haus- und Lüftungstechnik. Neueste Ergebnisse zeigen, dass bei gut gedämmten Gebäuden eine kontinuierliche Lüftung keine energetischen Nachteile gegenüber der Stoßlüftung hat.
  • Zunehmende Bedeutung von Sonnenschutz und Lichtlenkung durch intelligente Verglasung und Verschattung.
  • Steigende Nachfrage nach Einbruchschutz und Sicherheit (Nachrüstung)
  • Die Einsatzmöglichkeiten von Glas und konstruktivem Glasbau werden weiter zunehmen.
  • Glasklebungen im Fensterbau bieten hohes Innovationspotenzial, stoßen aber auf verhaltenes Interesse in der Branche.
  • Die Produkte müssen in Zukunft verschärften Klimabedingungen, beispielsweise Hochwasser oder Tornados standhalten-
  • Anhaltend hohe Schadensfälle durch unsachgemäße Planung und Montage.

Normung und Regelwerke

  • Die Europäische Normung, die Einführung der Produktnormen und damit die CE-Kennzeichnung verändern die technischen Anforderungen erheblich und führen zu einer geringeren Übersichtlichkeit.
  • Der Ablauf diverser Koexistenzphasen zwingt zum Handeln (Fassaden, Verglasung, etc.)
  • Die Kontrolle der ordnungsgemäßen CE-Kennzeichnung erfolgt mehrheitlich über die Unternehmen selbst (Wettbewerbskonkurrenz). Eine Marktüberwachung wird anders als beim Ü-Zeichen von den EUMitgliedsländern gefordert.
  • Die Flut neuer Normen und die Umsetzung der CE-Kennzeichnung hinsichtlich Auswahl der Probekörper, Sichtung von Nachweisen und werkseigener Produktionskontrolle stellt die Hersteller vor eine Vielzahl praktischer Fragen und Problemen.
  • Das Jagen und Sammeln von Nachweisen ist zeitaufwendig und führt zu Unübersichtlichkeit und Vertrauensverlust in angegebene Werte. Unterstützung und Service von kompetenten Stellen sind gefragt.
  • Nachweise und Zertifikate von anerkannten und renommierten Stellen werden an Bedeutung zunehmen. Anzeichen hierfür ist das große Interesse nach dem ift-Produktpass, der alle Leistungseigenschaften übersichtlich dokumentiert.
  • Die Bedeutung der werkseigenen Produktionskontrolle wird qualitativ und quantitativ unterschätzt.

Die Vortragsmanuskripte und -präsentationen sind als pdf-Dateien auf einer CD-ROM verfügbar und können unter literatur@ift-rosenheim.de für 75 Euro bezogen werden.

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