Redaktion  || < älter 2006/1161 jünger > >>|  

Fenster im Osten dürfen bald auch etwas kosten!

(10.7.2006) Seit 2004 setzte eine Erholungsphase am Fenstermarkt in Osteuropa ein. 2005 wurden 4,7% mehr Fenster im Wert von 1,3 Milliarden Euro verkauft, ergibt die neueste Studie der InterConnection Consulting Group. Und die Zukunft sieht positiv aus: in den nächsten 3 Jahren wird beim Umsatz ein durchschnittliches Jahreswachstum von 5,5% erwartet. Die gute wirtschaftliche Situation sowie die steigende Nachfrage nach qualitativ hochwertigen Produkten sind die Treiber dieser Entwicklung und steigern langfristig die Durchschnittspreise. Bis 2015 wird sich das Preisniveau in Osteuropa an das in Westeuropa angeglichen haben.

Der Markt für Fenster in Osteuropa zeigt nach Jahren schwacher Entwicklung wieder stabiles Wachstum. In den 5 untersuchten Länder (Polen, Tschechien, Slowakei, Slowenien und Ungarn) wurden 2005 insgesamt 18,8 Mio. Fenstereinheiten verkauft, was einer Steigerung von 4,7% entspricht. Im Jahr davor wurden lediglich 2,7% Wachstum erzielt (zur Erinnerung: eine Fenstereinheit entspricht 1,69 m²).

Polen zieht wieder an

Hauptverantwortlich für die teilweise rückläufige Entwicklung in den letzten Jahren war der polnische Markt, der in der Periode 1999-2004 durchschnittlich pro Jahr 4,3% verlor. 2005 brachte erstmals wieder eine Zunahme der abgesetzten Fenster in Polen (+2,2%). Grund dafür waren die verbesserten Kreditbedingungen für Hausbau sowie niedrige Zinsen. Das äußerte sich 2005 in einer regen Nachfrage nach Baukrediten und der gestiegenen Anzahl der ausgestellten Baugenehmigungen sowie eine stabile Renovationsquote.

Die anderen Länder in der Region entwickelten sich vergleichsweise gut. Insbesondere Tschechien (+9,9%) und Ungarn (+6,3%) verzeichneten gute Wachstumsraten.

Ungarn mit geringerem Wachstum aber Perspektive

Dem Boom im Wohnungsbau der Jahre 2003 und 2004 in Ungarn wurde jedoch 2005 ein Ende gesetzt: Das stark gestiegene Angebot an neuen Wohnungen traf auf eine geringere Nachfrage, was die Immobilienpreise beeinträchtigte. Das traf den Fenstermarkt mit einer geringeren Wachstumsrate von nur 3,6%. Trotz der aktiven Wohnbaupolitik der Regierung, sowie günstiger Baukredite, ist in den nächsten Jahren nur ein moderates Wachstum am ungarischen Fenstermarkt zu erwarten. Eine positive Entwicklung wird jedoch das Renovationssegment erfahren. In den nächsten 10 Jahren laufen staatliche Programme für den Austausch der alten Fenster in diversen Nicht-Wohnbausegmenten wie Administration, Bildung und Gesundheitswesen. Zusätzlich wird die energetische Sanierung von Wohnbauten den Austausch in diesem Segment fördern.

Tschechien im Aufwind

Ganz anders die Entwicklung in Tschechien. Seit 2003 befindet sich der Hochbau im Aufwind. 2005 erzielte insbesondere das Wohnbausegment sehr gute Zuwachsraten, was sich auch auf den Fenstermarkt positiv auswirkte: die verkauften Mengen stiegen mit einer zweistelligen Wachstumsrate. Trotzdem bleibt die Nachfrage nach Wohnungen unbefriedigt.

Slowakei lebt vom Austausch

Der Bau einiger großer Automobilwerke gab 2004 und in geringerem Maße 2005 der Baubranche in der Slowakei einen Wachstumsimpuls, der sich jedoch auf den Fenstermarkt fast nicht auswirkte (+2,4%). 2005 war hingegen die Renovation und der Austausch der alten Fenster tragende Säule des starken Wachstums von 8,1%. In den nächsten 3 Jahren wird sich dieser Trend mit ähnlichen Steigerungen fortsetzten.

Slowenien boomt vor der Verlangsamung

2005 war auch ein sehr erfolgreiches Jahr für den slowenischen Fenstermarkt. Obwohl 2005 lediglich 3,3% mehr Baugenehmigungen ausgestellt wurden, wirkten sich die Effekte des Booms in den 2 Jahren davor (+20,5% bzw. +14,4%) 2005 sehr positiv auf den Fenstermarkt aus, wo 7,1% mehr Fenster verkauft wurden. Auch die Renovation trägt stark zur guten Entwicklung bei. In den nächsten Jahren wird sich das Wachstum jedoch verlangsamen.

Rahmen aus Kunststoff im Osten noch am beliebtesten:

  • Das beliebteste Rahmenmaterial in Osteuropa bleibt das PVC. 62,9% der 2005 installierten Fenster waren aus PVC. Bis 2008 wird sich ihr Marktanteil auf 63,6% ausweiten. Trotzdem verlagern sich die Präferenzen der Osteuropäer langsam in Richtung Qualität und die Nachfrage nach anderen Materialien steigt, was das Wachstum des PVC-Segments eindämmen wird.
  • Marktanteile gewinnen vor allem Fenster aus Aluminium, die sich auch im Wohnbausegment und bei Privatkunden über steigende Beliebtheit freuen. Aluminiumfenster machten 2005 9,1% der Fenster in Mittelosteuropa aus.
  • Ebenso steigt die Nachfrage nach Holz-Aluminium Kombinationen, die ihren mengenmäßigen Marktanteil bis 2008 auf 2% steigern werden.
  • Der einzige Verlier bleibt Holz, wobei die Verluste immer geringer werden. In den nächsten 3 Jahren wird sich daran nichts ändern, langfristig wird jedoch eine Renaissance des Holzfensters erwartet.

Die wirtschaftliche Situation in Mittelosteuropa verbessert sich kontinuierlich. Steigende Einkommen, günstige Baupolitik und ein neues, qualitätsorientiertes Bewusstsein der Konsumenten bringen Auftrieb für die Fenstermärkte. Es werden immer besser isolierte, langlebige und auch gut aussehende Fenster nachgefragt, was die Durchschnittspreise nach oben treibt. Während steigende Rohstoffpreise oft durch den starken Konkurrenzdruck ausgeglichen werden und sich oft gar nicht auf das Endprodukt auswirken, können die Effekte einer erhöhten Nachfrage nach Qualität auf die Durchschnittspreise nicht ausgeschaltet werden. Somit werden in Zukunft nicht nur die Mengen sondern auch die Umsätze in der Fensterbranche steigen.

siehe auch:

ausgewählte weitere Meldungen: