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Zementindustrie: Bauwirtschaft braucht endlich Wachstumsimpulse

(12.5.2004) Trotz erster Lichtblicke sehen die deutschen Zementhersteller noch immer schwere Schatten über ihren Marktperspektiven für die nächste Zeit. Bei einem, wie prognostiziert, nur zögerlichen allgemeinen Konjunkturaufschwung verhindern die verschärfte dramatische Finanzkrise der öffentlichen Haushalte und nachteilige politische Rahmenbedingungen eine Belebung von Bauinvestitionen und Bauwirtschaft. Dies erklärte Hans Bauer, Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Zementindustrie (BDZ), auf der Jahrespressekonferenz des Verbandes in Berlin.

Aufgrund des laufenden tiefgreifenden Veränderungs- und Konsolidierungsprozesses in der Branche zum Abbau wettbewerbsverzerrender Überkapazitäten und zur Sicherung der Zukunftsfähigkeit der Industrie sei der Zementmarkt seit Anfang 2004 wieder in ruhigeres Fahrwasser zurückgekehrt. Trotz der weiter rückläufigen Baukonjunktur konnten die deutschen Zementhersteller im abgelaufenen Jahr insgesamt erstmals seit 1999 wieder einen Absatzanstieg ihres Baustoffs verzeichnen. Der Inlandsabsatz von Zement nahm in 2003 im Vergleich zum Vorjahr um rund 5 Prozent auf 28,8 Mio. Tonnen zu (2002: knapp 27,5 Mio. Tonnen). Zugleich sanken die Zementimporte erneut kräftig, um rund 23 Prozent, auf etwa 1,2 Mio. Tonnen. Dies ist vor allem eine Folge des starken Preisverfalls für Zement auf dem deutschen Markt.

Der tatsächliche Anstieg des Inlandsverbrauchs dürfte jedoch nach Schätzungen des Verbandes etwas niedriger liegen, weil beträchtliche Mengen des Inlandsversandes wegen der geringen Preise von Händlern weiterexportiert wurden.

Nach einem Konsolidierungsprozess ist die Zahl der Beschäftigten in den 25 Unternehmen der Zementindustrie weiter rückläufig. 2003 waren 8.508 Personen in der Zementindustrie beschäftigt. In den letzten zehn Jahren ist damit ein Drittel der Arbeitsplätze in der Branche verloren gegangen.

Die Zementbranche rechnet für 2004 allerdings aufgrund der rückläufigen Baukonjunktur, die wohl erst Ende dieses Jahres die Talsohle erreicht, wieder mit einem Rückgang des Zementverbrauchs um etwa 3 Prozent. Um am Standort Deutschland als dem größten Baumarkt in Europa wettbewerbsfähig zu bleiben, sei für die heimische Zementindustrie, so BDZ-Präsident Hans Bauer, neben der von den Unternehmen selbst zu leistenden Strukturanpassung daher eine nachhaltige Belebung der Bauinvestitionen im Wohnungsbau und im Infrastrukturbereich unverzichtbar.

Statt die Talfahrt beim Wohnungsbau in Deutschland zu stoppen und die Rahmenbedingungen für die Schaffung von Wohneigentum und für die Forcierung von Wohnungsbauinvestitionen zu verbessern, errichte die Bundesregierung hier aber ständig neue Hürden. Bei ihren unausgegorenen Versuchen zum Stopfen der Haushaltslöcher mache sie geradezu Front gegen das Wohneigentum. Dies zeigten etwa die Pläne zur kompletten Streichung der Eigenheimzulage, die fälschlicherweise als bloße Subvention betrachtet werde: Dabei würden die Folgeinvestitionen und die damit verbundene Sicherung von Arbeitsplätzen, gerade in den kleinen und mittleren Betrieben des Baugewerbes, völlig ignoriert. Zudem fordern die deutschen Zementhersteller von der Regierung, Wohneigentum endlich besser und flexibler in die geplanten Neuregelungen für die Altersvorsorge einzubeziehen.

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