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Perspektiven 2010: Demografischer Wandel belastet den Wohnungsbau

(26.11.2001) Wandel von der Industrie zur Dienstleistungsgesellschaft stärkt den Wirtschaftsbau! Infrastrukturengpässen erzwingen öffentliche Investitionsoffensive!

"Der deutschen Bauwirtschaft wird auch in den Jahren 2001 bis 2010 die Arbeit nicht ausgehen". Diese Auffassung vertrat am Freitag in Berlin der Chefvolkswirt und Leiter der Hauptabteilung Volkswirtschaft, Information und Kommunikation des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie, Dr. Heiko Stiepelmann, anlässlich einer Informationsveranstaltung der Berliner Messe im Vorfeld der "bautec 2002". Zwar werde der demografische Wandel den Wohnungsneubau in den nächsten 10 Jahren spürbar bremsen, dafür werde es aber neue Marktchancen bei der Modernisierung einer älter werdenden Wohnbausubstanz geben. Darüber hinaus werde der Wirtschaftsbau vom anhaltenden Wandel von der Industrie- zur Dienstleistungs-/ Informationsgesellschaft profitieren. Gleichzeitig werde der allgemeine öffentliche Investitionsstau, insbesondere im Bereich der Verkehrswege, die öffentlichen Gebietskörperschaften - über kurz oder lang - zu einer Investitionsoffensive zwingen. Dem Management der "bautec" empfahl Stiepelmann, der gleichzeitig auch Vorsitzender des "bautec"-Beirats ist, die Zeit der Krise dazu zu nutzen, sich auf die neuen Marktchancen auf den Feldern "Bauen im Bestand", "Facility Management" und "Anpassung des Wohnungsbestandes an die Bedürfnisse einer alternden Bevölkerung" einzustellen.

In den baustatistischen Daten seien diese Impulse jedoch noch nicht zu erkennen, erläuterte Stiepelmann. Auch im 3. Quartal 2001 seien die Umsätze des Bauhauptgewerbes noch einmal deutlich zurückgegangen - und zwar um -7,8% (1. bis 3. Quartal 2001: -10,3%). Gleichwohl gebe es in Westdeutschland erste Hinweise auf eine allmähliche Stabilisierung: Immerhin seien - trotz der Terroranschläge in den USA - die Auftragseingänge im Wirtschaftsbau um 0,4% und im öffentlichen Bau um 2,7% gestiegen (1. bis 3. Quartal 2001: Wirtschaftsbau 0,6%; Öffentlicher Bau 1,5%). Dagegen sei die konjunkturelle Talsohle in den neuen Bundesländern noch nicht erreicht. Stiepelmann: "Jetzt kommt alles darauf an, dass die Rezession schnell überwunden wird. Dann können wir - ausgehend insbesondere vom westdeutschen Wirtschaftsbau - die Trendwende schaffen."

Vor allem dem Wirtschaftsbau sagt Stiepelmann bis zum Jahre 2010 gute Wachstumschancen voraus. Zwar nehme die Bauintensität der Investitionen der gewerblichen Wirtschaft ab, dafür werde aber die Bauwirtschaft vom anhaltenden Strukturwandel von der Industrie- zur Dienstleistungs-/Informationsgesellschaft profitieren, da die Investitionen des Dienstleistungssektors weitaus bauintensiver seien. Schon jetzt gebe es auf den wichtigsten westdeutschen Immobilienmärkten erste Anzeichen für eine Überhitzung. Stiepelmann: "Die Investoren stehen Gewehr bei Fuß. Alle warten nur darauf, dass die gesamtwirtschaftliche Konjunktur wieder Tritt fasst."

Auch die öffentlichen Auftraggeber könnten sich ihrer Investitionsverantwortung nicht mehr lange entziehen, meint Stiepelmann. Mit ihrem Zukunftsinvestitionsprogramm, dem Anti-Stau-Programm und dem Maßnahmenpaket "Bauen jetzt" habe die Bundesregierung die investitionspolitische Trendwende eingeleitet. Länder und Kommunen könnten angesichts eines kommunalen Investitionsbedarfs von 1.432 Mrd. DM jetzt nicht mehr länger abseits stehen. Allerdings sei die öffentliche Investitionswende nur dann zu schaffen, wenn die öffentlichen Auftraggeber stärker die "privatwirtschaftliche Karte" zögen; dies heiße aber auch, dass sich die Bürger in Deutschland darauf einstellen müssten, für die Inanspruchnahme von Infrastrukturleistungen künftig direkt über Nutzungsgebühren aufzukommen. Alles in allem sei zu erwarten, dass das Investitionsniveau in den Bereichen Wirtschaftsbau und öffentlicher Bau im Durchschnitt der Jahre 2001 bis 2010 sogar über dem Niveau der 90er Jahre liegen werde.

Demgegenüber werde das Volumen der Wohnungsbauinvestitionen in den Jahren 2001 bis 2010 deutlich hinter dem Niveau der 90er zurückfallen, prognostiziert Stiepelmann. Zwar sei bis zum Jahre 2010 trotz leicht rückläufiger Bevölkerung noch mit einem Anstieg der Haushaltszahlen zu rechnen; der unausweichliche demografische Rückschlag in der 2. Dekade werfe jedoch schon jetzt - was die Entscheidung von Investoren angehe - seine Schatten voraus. Wer im Jahre 2005 oder 2006 in den Bau einer Eigentumswohnung investiere, der erwarte, dass die Vermietung - trotz tendenziell sinkender Nachfrage nach Wohnraum - auch in den Jahren 2015 oder 2016 noch sichergestellt sei. Trotzdem sei es falsch, die Chancen des Wohnungsbaus zu unterschätzen: Zum einen gebe es nach wie vor regionale Wohnraumengpässe; zum anderen eröffneten sich mit zunehmendem Alter des Wohnungsbestandes neue Chancen in der Sanierung und Modernisierung, insbesondere aber auch in der Anpassung des Wohnungsbestandes an die Bedürfnisse einer "alternden Bevölkerung".

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