Redaktion  || < älter 2016/0384 jünger > >>|  

EN 15129 zu Erdbebenvorrichtungen wird überarbeitet

(3.4.2016) Erdbebenvorrichtungen (englisch: „Anti-seismic Devices“) können wir­kungsvoll Schäden an Brücken, Hochbauten und besonders sensiblen Anlagen - wie z.B. an Tanks zur Lagerung von Flüssiggas - im Fall von Erdbeben vermeiden. Ihre funktionellen Anforderungen, Bemessungsgrundsätze, Werkstoffeigenschaften und Prüfungen sind in der EN 15129 geregelt. Die derzeit gültige Ausgabe stammt aus dem Jahr 2010 und wird nun an aktuelle Entwicklungen angepasst. Im März 2016 tagte dazu bei Austrian Standards das europäische Normungskomitee CEN/TC 340 mit seiner Working Group WG 05, das die EN 15129 überarbeitet. 

Normungskomitees CEN/TC 340 Working Group WG 05 bei Austrian Standards
Teilnehmer des europäischen Normungskomitees CEN/TC 340 Working Group WG 05 bei Austrian Standards (Foto: Austrian Standards) Bild vergrößern

Unterschiedliche Schutzziele

Als erdbebensicher versteht man Bauwerke, die so angelegt, ausgestattet oder nach­gerüstet sind, dass sie Erdbeben bis zu einer gewissen Stärke überstehen. Dabei un­terscheidet man zwei Ansätze mit unterschiedlichen Schutzzielen:

  • Sollen vorrangig Fluchtwege offen gehalten werden, gibt es bei Überbelastung im Tragwerkverhalten Sollbruchstellen.
  • Soll jedoch Ausfallsicherheit gewährleistet werden - wie etwa bei Krankenhäu­sern und anderen Kommunaleinrichtungen -, sind ein elastisches Tragwerkver­halten per Erdbebenisolation und ein zerstörungsfreies Reaktionsverhalten der Einbauten erforderlich.

Dr. Renzo Medeot, der Vorsitzende der CEN 340 WG 05, gibt einen Einblick in den Schwerpunkt der Arbeiten: „Ein Erdbeben ist Energie - nicht nur Bewegung, sondern auch Beschleunigung. Ausschlaggebend für den bestmöglichen Schutz von Gebäuden und Personen ist die Frage, wie diese Energie aufgefangen bzw. isoliert werden kann. Wie antwortet die Struktur eines Bauwerks auf ein Erdbeben? Das Bauwerk kann stabil sein und stehen bleiben, aber die Schwingungen zerstören die komplette Inneneinrich­tung. Das neue Konzept geht in Richtung Dämpfungselemente, so genannte Fluids, die die Zerstörungskraft mittlerweile hervorragend abfedern.“ Erdbebenkatalog für Europa und den Mittelmeerraum für das letzte Jahrtausend (12.8.2012) 


Bild aus dem Beitrag „Erdbebenkatalog für Europa und den Mittelmeerraum für das letzte Jahrtausend“ vom 12.8.2012 (Bild vergrößern)

Zur Erinnerung: Erdbeben sind messbare Erschütterungen. Sie entstehen durch ...

  • Plattentektonik des Erdmantels,
  • vulkanische Aktivität,
  • Einsturz oder Absenkung unterirdischer Hohlräume,
  • Erdrutsche und
  • Bergstürze.

Europäische Länder, die einer gewissen natürlichen Gefährdung unterliegen, sind Ita­lien, Griechenland, Spanien und Portugal. Darüber hinaus können Erdbeben von Men­schen  ausgelöst werden durch u.a. ...

  • Sprengungen,
  • Bergbau,
  • Staudämme sowie
  • Erdöl- und Erdgasförderung.

So kam es zum Beispiel zu Stabilitätsschwankungen in den Niederlanden, die auf Hy­draulic Fracturing (kurz: Fracking) zurückzuführen waren.

Um die verheerenden Folgen von Erdbeben zu minimieren, müssen bei der Bebauung in erdbebengefährdeten Gebieten die notwendigen Standards eingehalten werden.

Die Berechnung und Bemessung einer Erdbebenvorrichtung für ein ganzes Tragwerk unter Erdbebeneinwirkung ist in der Normenreihe des Eurocode 8 (EN 1998-1 bis -6) „Auslegung von Bauwerken gegen Erdbeben“ europaweit geregelt. Die von Land zu Land unterschiedlichen Randbedingungen, wie zum Beispiel die zu erwartenden Erd­bebenintensitäten und Bodenbeschleunigungen, werden in den jeweiligen nationalen Anwenderdokumenten festgehalten.

siehe auch für zusätzliche Informationen: