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„Energiebunker“ Hamburg: Vom Flakturm zum Flaggschiff für regenerative Energien

(12.6.2014) Der Flakbunker im Hamburger Stadtteil Wilhelmsburg wurde im Rahmen der IBA Hamburg in einen Energiebunker umgewandelt, der zukünftig das Reiherstiegviertel mit Strom und Wärme versorgen soll. Der Bauherr Hamburg Energie GmbH begann bereits im Jahr 2010 mit der Entwicklung des Projektes. Die Hamburg Energie GmbH beabsichtigt mit dem Projekt Einsparungen von bis zu 6.600 Tonnen CO₂ bei der Wärmeversorgung (siehe Google-Maps und/oder Bing-Maps).

Die letzten sechzig Jahre war der Bunker im Hamburger Stadtteil Wilhelmsburg ausschließlich ein Denkmal an den 2. Weltkrieg. Im Rahmen der Internationalen Bauausstellung Hamburg (IBA Hamburg) bekam der ehemalige Bunker eine neue Bestimmung:

  • die Generierung von elektrischem Strom durch eine PV-Anlage sowie
  • die  Bereitstellung von Wärme über ein Nahwärmenetz für das Reiherstiegviertel.

Durch die Kombination von regenerativen Energien und einem Großwärmespeicher sollen mithilfe des „Energiebunkers“ in Zukunft bis zu 6.600 Tonnen CO₂ eingespart werden können. Zum Einsatz kamen dabei auch Lösungen aus dem Hause Rehau.

Vom Stahlbetonkoloss zum Energiebunker

1943 wurde das Betonungetüm unter dem Namen „Flakturm VI“ in Hamburg errichtet. Allein für den Gefechtsturm des Flakbunkers wurden damals etwa 80.000 m³ Beton benötigt. Vier Flakgeschütze waren zur Abwehr alliierter Luftangriffe auf dem Bunker im Einsatz, der außerdem bis zu 30.000 Menschen Schutz bot. Zwei Jahre nach Kriegsende sollte das Ungetüm gesprengt werden. Sechs der acht Etagen wurden dabei komplett zerstört; aber die meterdicke Außenhülle blieb nahezu unversehrt - gleichwhl galt das Gebäude sodann als einsturzgefährdet.


Ausschnitt aus einer Schautafel im Besucher­bereich des Bunkers
(Bild mit Legende vergrößern)
  

Heute ist der „Energiebunker“ ein wichtiger Bestandteil des Klimaschutzprojektes „Erneuerbares Wilhelmsburg“. Ziel dieses Gesamtprojektes, zu dem auch ein „Energieberg“ gehört, ist die Versorgung der Elbinseln ausschließlich mit erneuerbarem Strom bis 2025, die komplette Wärmedeckung ist bis 2050 geplant. Strategische Säulen für das Ziel „100 Prozent Erneuerbar“ waren neue Auflagen für Neubau und Sanierung, Steigerung der Energieeffizienz und Ausnutzung des gesamten Energiepotenzials, wie beispielsweise die Nutzung industrieller Abwärme und der Windkraft - siehe u.a. auch Baulinks-Beitrag „Über 20 IBA Hamburg-Projekte im Bau oder bereits fertig gestellt“ vom 30.12.2010.

Durchdachtes Konzept

Drei Jahre wurde an dem Konzept für die Sanierung und Nutzung des Kriegsmonuments gearbeitet. 2010 begannen dann erste Arbeiten am Bauwerk zur Notsicherung des Gebäudes, ehe im März des Folgejahres die Sanierung beginnen konnte. Etwa 40.000 Tonnen Schutt galt es aus dem Gebäude zu entfernen. Nach einem halbem Jahr konnte dann mit der Sanierung der Fassade begonnen werden, welche möglichst originalgetreu wiederhergestellt wurde. Der Charakter eines Mahnmals sollte weiterhin erhalten bleiben.

Anfang 2012 startete der Bau der Energieanlage durch Hamburg Energie GmbH. Beteiligt waren unter anderem die Averdung Ingenieurgesellschaft GmbH aus Hamburg und Rehau, die sich beide bereits seit Jahren mit den Möglichkeiten der dezentralen Wärmebereitstellung auf Basis regenerativer Energiequellen beschäftigen. „Das Herz unserer Wärmeversorgung für das Reiherstiegviertel bildet ein 2.000 m³ Wassertank“, erläutert Sebastian Averdung, Geschäftsführer bei Averdung Ingenieure, „damit können wir die Lastspitzen der Wärmenutzung im Quartier ideal abpuffern.“ Marcel Hanakam, Geschäftsführer und Bauleiter für den Energiebunker, ergänzt: „Dieses Kernelement des Bunkers wird im Endausbau aus unterschiedlichen erneuerbaren Energiequellen gespeist.“ Dazu zählen unter anderem ...

  •  eine Solarthermie Anlage,
  • ein mit Biomethan betriebenes Blockheizkraftwerk,
  • Holzheizkessel sowie
  • industrielle Abwärme aus einem nahgelegenen Industriebetrieb.

Auch die Vorzüge der Kraft-Wärme-Kopplung werden beim Projekt „Energiebunker“ genutzt. Über ein Biomethan-Blockheizkraftwerk im Keller wird die Wärmegrundlast für das Reiherstiegquartier generiert. Eine Holzhackschnitzel-Feuerungsanlage trägt zusätzlich dazu bei, dass in Zukunft bis zu 3.000 Haushalte mit Wärme versorgt werden können. Im ersten Bauabschnitt transportieren hochgedämmte Leitungen (von Rehau) die Wärme zu den einzelnen Verbrauchern.

Photovoltaik-Module an der Südseite des Gebäudes und das Blockheizkraftwerk erzeugen zusätzlich Strom für 1.000 Haushalte, das entspricht etwa 2.850 MWh. Zusammen mit der Wärmeleistung ergibt das eine Gesamtenergieerzeugung von 25.250 MWh, welche ab 2015 nach komplettem Ausbau des Wärmenetzes voll abrufbar sein wird. Das Projekt Energiebunker Wilhelmsburg wird/wurde von der Europäischen Union mit Mitteln des Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE) gefördert.

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