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Uni Stuttgart und Linden-Museum erforschen Museumsakustik

(6.2.2014) Ob ein Museum ein Thema erfolgreich vermitteln kann, hängt auch davon ab, wie sich die Besucher in den Museumsräumen fühlen. Ein wichtiger, aber bisher wenig erforschter Einflussfaktor ist dabei die Museumsakustik.

... der Universität Stuttgart untersuchen diese Zusammenhänge jetzt in Zusammen­arbeit mit dem Stuttgarter Linden-Museum. Für den experimentellen Teil der Studie wurde in einem Raumlabor auf dem Campus Vaihingen eigens eine Ausstellung afrika­nischer Masken eingerichtet:

Museumsakustik
Masken-Ausstellung zur Erforschung der Museumsakustik in einem Raumlabor der Universität Stuttgart. (Foto: Universität Stuttgart)

Das interdisziplinäre Forschungsprojekt gehörte zu den Gewinnern des Wettbewerbs „Geist trifft Maschine“ an der Universität Stuttgart, an dem sich Teams beteiligen konnten, die jeweils aus Ingenieur- und Naturwissenschaftlern sowie Geistes- und Sozialwissenschaftlern zusammengesetzt sind.

Museen haben in den letzten Jahrzehnten eine bedeutsame Erweiterung ihres Auf­gabenspektrums erfahren. Zu den traditionellen Aufgaben des Sammelns, Bewahrens und Forschens sind die des Kommunizierens und Präsentierens hinzugekommen. Viele der circa 7.000 Museen hierzulande werden heute als Bildungsinstitutionen und Lern­orte verstanden, die einer breiten Öffentlichkeit kulturell bedeutsame Inhalte vermit­teln sollen. Wie erfolgreich sie mit ihrer Arbeit sind, ist allerdings trotz einem Jahrhun­dert Besucherforschung weitgehend unbekannt. Das gilt besonders, wenn es um inne­re Prozesse wie Empfindungen und Lernvorgänge geht und darum, wie diese durch die Gestaltung von Ausstellungen beeinflusst werden. So ist etwa unbekannt, wie sich bestimmte Raumbedingungen auswirken.

Museen werden nicht selten als sterile, ja beklemmende Orte erlebt.

Neben Raumtemperatur und Luftqualität beeinflusst insbesondere die Akustik  Wohlbe­finden sowie Konzentration und Lernprozesse. Für Büros oder Klassenzimmer sind die­se Wirkungen bekannt. Beobachtungen und Befragungen von Besuchern lassen ähnli­che Zusammenhänge auch in Museen erwarten. In vielen Räumen kollidieren Kontem­plation und Kommunikation, so dass sich Besucher bestenfalls flüsternd unterhalten und Kinder zur Ruhe ermahnt werden.

  • Doch welche akustische Atmosphäre erwarten die Besucher?
  • Wie beurteilen sie weitgehende Ruhe im Vergleich mit typischen Alltagsgeräu­schen oder Soundinstallationen zu Exponaten einer Ausstellung?

Um diese Fragen zu erforschen, setzten die Wissenschaftler die Besucher des Raum­labors verschiedenen akustischen Szenarien aus - von Verkehrsgeräuschen bis zum rhythmischen Trommeln. Anschließend ermittelten sie die Einschätzung der rund 60 Versuchspersonen im Alter von 18 bis 65 Jahren und analysierten diese.

Dauerbeschallung vermeiden

Im Ergebnis bevorzugen die meisten Probanden die Ruhebedingung, während alltägli­che Hintergrundgeräusche wie Schritte, Stimmen oder vorbeifahrende Autos klar stö­ren. „Dieses Urteil hat uns in seiner Deutlichkeit überrascht, da die Alltagsgeräusche in Flüsterlauterstärke dargeboten wurden“, erklären Prof. Fromm und Prof. Leistner. Dagegen wurden die deutlich lauteren Trommelklänge, die als Hörkulisse zu den aus­gestellten Masken präsentiert wurden, nicht nur ablehnend beurteilt. „Dieses Ge­räuschszenario wirkte polarisierend: Für eine Gruppe bot die Musik einen stimmungs­vollen Kontext, andere fühlten sich bei der Lektüre der Texte in ihrer Konzentration gestört“, beobachteten die Wissenschaftler.  Ausgehend von diesen Befunden fol­gern sie, dass Museumsräume ...

  • eine ruhige Atmosphäre unterstützen,
  • Störungen unterdrücken und
  • vor allem aber „akustische Zwänge“ vermeiden sollten.

Soundinstallationen als wirkungsvolles Element zur Unterstützung der Authentizität von Exponaten dürften nicht zur Dauerbeschallung werden, sondern sollten vielmehr eine individuelle Wahlfreiheit lassen.

Das Projekt hat für die Wissenschaftler Pilotcharakter. Zwar seien die Laboruntersu­chungen von der Realsituation im Museum zu unterscheiden, zum Beispiel hinsichtlich Verweildauer und Motivation der Besucher. Dennoch bieten die Erkenntnisse begrün­dete Anknüpfungspunkte, um mit weiteren Studien im Labor und vor Ort zur akustisch und didaktisch attraktiven Museumsgestaltung beizutragen.

Im Stuttgarter Linden-Museum ist man an den Forschungsergebnissen sehr interes­siert, betont dessen Direktorin Prof. Inés De Castro: „Wir möchten die Ausstellungsbe­sucher auch auf einer sinnlichen Ebene ansprechen. Dabei spielt das Hörerlebnis eine wichtige Rolle. Ausstellungsgestaltung und akustische Atmosphäre betten die Objekte in einen neuen Kontext ein und erleichtern den Zugang zu den dargestellten Inhalten.“

Weitere Informationen zur Museumsakustik können per E-Mail an Prof. Dr.-Ing. Philip Leistner angefordert werden.

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