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Bericht vom 35. Uponor Kongress zur Energiewende im Gewerbebau

(4.4.2013) Der 35. Uponor Kongress vom 17. bis 22. März 2013 stand ganz im Zeichen der Energiewende im Gewerbebau. Rund 200 Teilnehmer aus Ingenieur- und Architek­turbüros, Anlagenbaubetrieben und Entscheider aus Industrie- und Gewerbebau dis­kutierten im österreichischen St. Christoph am Arlberg mit führenden Experten und maßgeblichen Branchenvertretern über nachhaltige Energiekonzepte, energieautarke Gebäude und die rechtlichen Aspekte der Gebäudezertifizierung.

Spätestens mit der Ankündigung der EnEV 2014 wurde die Energiewende im Gewerbe­bau eingeläutet. Damit waren die Schwerpunkte der Referate vorgegeben:

  • Welche Auswirkungen hat die Energiewende auf die TGA-Branche.
  • Welche Herausforderungen sind zu meistern?
  • Mit welchen Ansätzen können diese gelöst werden?

Dabei wurden nicht nur politische und technische Aspekte erörtert, sondern es wurde auch offen über den Fachkräftemangel in der Branche diskutiert sowie rechtliche As­pekte zur Haftungssituation bei der Gebäudezertifizierung zur Sprache gebracht.

Politische und rechtliche Rahmenbedingungen

Das Energiekonzept der Bundesregierung sieht vor, ab 2020 klimaneutrale Gebäude einzuführen, den Primärenergiebedarf im Bestand um 80% zu senken und einen Sa­nierungsfahrplan für den Baubestand zu entwickeln. Der Referentenentwurf zur EnEV 2014 ist einer der wesentlichen nächsten Schritte zu diesem Ziel.

Dipl.-Ing. Peter Rathert
Dipl.-Ing. Peter Rathert
  

Dipl.-Ing. Peter Rathert vom Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung erläuterte die gegenwärtigen Än­derungen im Referentenentwurf zur EnEV 2014. Zudem gab er dem Auditorium Einblicke, warum nicht nur technische As­pekte in die Neufassung eingeflossen sind und welche politi­schen Vorgaben auf deutscher und europäischer Ebene be­rücksichtigt werden mussten. Dreh- und Angelpunkt, so Ra­thert, bleibe dabei immer das Wirtschaftlichkeitsgebot in §5 des EnEG: Maßnahmen, die sich nicht innerhalb der üblichen Nutzungsdauer amortisieren würden, könne der Gesetzgeber nicht einfordern.

Über rechtliche Verflechtungen und Verantwortungen, die sich bei Gebäudezertifizie­rungen nach LEED, BREEAM oder dem deutschen Zertifizierungssystem des DGNB für Architekten, Planer und Bauunternehmer ergeben, referierte Ministerialdirektor a.D. und Rechtsanwalt Michael Halsterberg. Er empfahl vor allem im Hinblick auf die zahl­reichen Schnittstellen eine sorgfältige Prüfung vor einem entsprechenden Ver­tragsabschluss. In diesem müsse zudem für alle Beteiligten klar geregelt werden, wer die für die Zertifizierung erforderlichen Komponenten festlegt und deren Einhal­tung verantwortet.

Neue Konzepte im Gewerbebau

Prof. Elmar Bollin
Prof. Elmar Bollin

Welche Einsparpotenziale thermisch aktive Bauteilsysteme mit einer smarten Steuerung, die auf prognosegestützten Wetter­daten basiert, bieten, verdeutlichte der Vortrag von Prof. El­mar Bollin. Am Beispiel des Bürogebäudes Elektror in Stuttgart erklärte er, wie dadurch 70% Energie im Bereich der Umwälz­pumpen und 7% im Bereich der Heiz- und Kühlenergie gespart werden konnten. „Die prädiktive Steuerung einer thermischen Bauteilaktivierung sollte idealerweise über die Taktung der Pumpenlaufzeiten und die Variation der Vorlauftemperatur er­folgen“, so seine Empfehlung. „Das Ergebnis ist ein minimierter Energieaufwand bei verbessertem thermischen Komfort.“


Bei einer multiplen linearen Regression werden mehrere unabhängige Variablen verarbeitet. Es ist auffallend, dass sich für die zwei Parameter Außentemperatur und solare Einstrahlung eine ebene Fläche im Raum ergibt. Zur Prognose der für den nächsten Tag in den jeweiligen Zonen benötigten Heiz- und Kühlenergie bedarf es lediglich der Prognosedaten beider Parameter. (Bild vergrößern)

Neben einem Blick in die Zukunft wurden beim Kongress bereits erfolgreich umgesetz­te Lösungen präsentiert: eine komplett energieautarke Produktions- und Lagerhalle in Bayern, eine innovative Energiespeichertechnologie mit Kälte-Wärme-Verbund in einem norddeutschen EDEKA-Supermarkt sowie ein Konzept zur Energieeffizienz in Trans­port- und Logistikunternehmen.

Impulse für die persönliche Entwicklung

Der Anspruch der Veranstalter des Uponor Kongresses war es nicht nur, fachliche Dis­kussionen auf höchstem Niveau anzustoßen, sondern den Teilnehmern auch Impulse für ihre persönliche Entwicklung mitzugeben. Der bekannte Motivationstrainer Jörg Löhr zeigte Wege zur persönlichen Höchstleistung auf. Entscheidend, so Löhr, sei da­bei die Fähigkeit, seine Ziele durch eine positive und ermutigende Einstellung zu errei­chen. „Visualisieren Sie Ihre Ideen und Ziele in Bildern“, so sein Tipp. „Ohne eine klare Vorstellung des Zielfotos sind Höchstleistungen weder im Sport noch in der Wirtschaft möglich.“

Prof. Dr. Jörg Knoblauch
Prof. Dr. Jörg Knoblauch

Eine Herausforderung ist aber nicht nur die persönliche Moti­vation und die Motivation der Mitarbeiter, sondern auch der zunehme Fachkräftemangel, wie Prof. Dr. Jörg Knoblauch aus­führte: „Die Entwicklung der letzten Jahre zeigt, dass aus dem „war of talents“ der Bewerber um Anstellungsverträge bei den Top-Unternehmen inzwischen ein „war for talents“ seitens der Unternehmer geworden ist.“ Er gab praktische Tipps, um die richtigen Mitarbeiter zu finden und um diese auch zu halten.

Workshops zu Produktinnovationen

Als Ergänzung zu den Fachreferaten und Best-Practice-Beispielen wurden in Work­shops verschiedene Einzelaspekte vertieft, um die Energiewende auch im Gewerbe­bau umzusetzen. Das zur Uponor Gruppe gehörende Unternehmen Zent-Frenger Ener­gy Solutions bietet dazu eine integrierte Gesamtlösung mit einer geothermischen Ener­giegewinnung, kombiniert mit der individuell geplanten und schlüsselfertig gelieferten Großwärmepumpe Geozent als Heiz- und Kühlzentrale und Systemen zur Energiever­teilung in Gebäuden.

Zudem wurde die Entwicklung bei thermisch aktiven Bauteilsystemen und deren Kos­tenvorteile gegenüber herkömmlichen HLK-Systemen dargestellt. Stiebel Eltron, stra­tegischer Partner von Uponor, beantwortete die Frage nach der Speichertechnologie der Zukunft: „Warum ist die Wärmepumpe das bessere Elektroauto“? Großes Interesse fand zudem die Vorstellung der Uponor Innovationen für Nahwärmenetze sowie für die energetische Renovierung.

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