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"wieweiterarbeiten - Arbeitsorte der Zukunft": Netzwerkreihe 2010/2011 gestartet

(14.12.2009) Die Bundesstiftung Baukultur startete am 26. November 2009 mit einer Auftaktveranstaltung in Stuttgart die bundesweite Netzwerkreihe "wieweiterarbeiten - Arbeitsorte der Zukunft" mit Unterstützung des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) und in Kooperation mit der Bundesingenieurkammer (BlngK) und der Bundesarchitektenkammer (BAK).


Werkzentrum Weststadt: Holzdeckenkonstruktion der Zollinger Halle (Bild vergrößern)

Die Netzwerkreihe "wieweiterarbeiten - Arbeitsorte der Zukunft" verfolgt das Ziel, Bauherren, Investoren und die Planenden einschließlich der Genehmigenden und der Politik für eine bewusstere Gestaltung von Gewerbebauten zu gewinnen, dies schließt den angemessenen Umgang mit den erhaltenswerten Beständen ausdrücklich ein. Dies ist die Grundlage, dass Baukultur auch in unseren Gewerbegebieten Einzug hält.

Der Arbeitsplatz wird auch in Zukunft der Ort sein, an dem die meisten Menschen den Großteil ihres Lebens verbringen. Die Qualität der Arbeitswelten wird unsere Lebensqualität zunehmend prägen. Angemessen gestaltete und gleichzeitig wirtschaftliche Gewerbebauten gelingen dabei nur mit weitsichtigen Bauherren, dialogorientierten Planenden und aufgeschlossenen Kommunen, die erkennen, dass eine Investition in Baukultur einen wirtschaftlichen und qualitativen Mehrwert bedeutet und das in vielerlei Hinsicht:

  • Bauliche Maßnahmen können Arbeitsprozesse beschleunigen
  • Baukultur fördert die räumliche und atmosphärische Qualität am Arbeitsplatz
  • Gute Räume fördern die Mitarbeitermotivation und den Wissenstransfer
  • Ansprechende Bauten sind eine Chance für die Imagesteigerung und Kundenbindung
  • Baukultur stellt einen unterschätzten Standortfaktor dar
  • Klimafreundliche bauliche Maßnahmen helfen, langfristig Betriebskosten einzusparen

Den Auftakt der Netzwerkreihe "wieweiterarbeiten - Arbeitsorte der Zukunft" bildete die Veranstaltung Baukultur_im_dialog am 26. November 2009 in Stuttgart. Die Bundesstiftung Baukultur hatte in Kooperation mit der IHK Region Stuttgart und der Wüstenrot Haus- und Städtebau GmbH, Ludwigsburg zu einer Baukultour, einer geführten Bustour zu ausgewählten Ludwigsburger Projekten, und einem Podiumsgespräch in die IHK Region Stuttgart eingeladen.

Die von Gerhard Petermann (Geschäftsführer, Wüstenrot Haus- und Städtebau GmbH) durchgeführte Tour führte zum ...

Vor allem das Werkzentrum Weststadt begeisterte mit der bemerkenswerten, denkmalgeschützten Holzdeckenkonstruktion der Zollinger Halle, die in den letzten Jahren zu einer zeitgemäßen Ausstellungshalle umgenutzt wurde. Das Werkzentrum Weststadt zeigte, wie ein "Stück Stadt" von baukultureller Qualität nur im Zusammenwirken von privatem unternehmerischen Engagement, Planung und Kommune entstehen konnte (Bauherr: Max Maier, Architekten: Bottega & Erhardt).

Im Gespräch erörterte die Bundesstiftung Baukultur mit Inge Horn (Erste Bürgermeisterin der Stadt Leonberg), Klaus Ensinger (Unternehmer, Ensinger, Nufringen), Peter L. Wilson (Architekt, Bolles + Wilson, Münster), Stefan Rief (Innovationsforscher, Competence Center Workspace Innovation der Fraunhofer IAO Stuttgart) und Andreas Richter (Hauptgeschäftsführer IHK Region Stuttgart) nach Vorträgen von u.a. Till Schneider (Architekt, Schneider + Schumacher, Frankfurt /Main) und Thomas Kiwitt (Regionalplaner, Verband Region Stuttgart) die komplexen Anforderungen, mögliche Strategien und gestalterische Lösungen für Arbeitsorte mit Zukunft.

Mehr Investitionen in Baukultur forderte der als innovativ bekannte Unternehmer Klaus Ensinger und lieferte stichhaltige Argumente: "Gute Anmutung und Ästhetik fördern die Freude an der Arbeit und das Gefühl der Zugehörigkeit zum Unternehmen. Die Bauästhetik beeindruckt Kunden und Anwohner und schafft ein Image von Modernität und Qualitätsanspruch des Unternehmens". Inge Horn betonte: "Auch Kommunen sehen gute Gewerbebauten als Imagegewinn". Nur spiele der Punkt Baukultur bei der Standortwahl neben Faktoren wie optimaler Verkehrs- und Datenanbindung und einem vorhandenen Pool qualifizierter Mitarbeiter bei Unternehmern bislang keine Rolle. Dabei bemerkte Stefan Rief die Anziehungskraft gut gestalteter Arbeitswelten und einer inspirierenden und Identitätsstiftende Arbeitsatmosphäre für gut ausgebildete Mitarbeiter und rechnete vor: "Leichte bauliche Eingriffe können eine Produktivitätssteigerung von 35% bewirken." Und Andreas Richter unterstrich: "Gute Architektur hat einen Leiteffekt für das gesamte Gewerbegebiet".

Aber nicht nur bei den Bauherren sondern auch bei den Planenden gibt es Überzeugungsarbeit zu leisten: "Architekten sind keine egozentrische Künstler, sie sollten sich ihrem Kunden als dialogfähiger Partner beweisen", wandte sich Peter L. Wilson an seine Kolleginnen und Kollegen. Michael Braum, Moderator der Veranstaltung und Vorsitzender der Bundesstiftung Baukultur ergänzte: "Zu überzeugen sind die Bauherren, dass auch die Gewerbearchitektur zur Baukultur zählt und zu überzeugen sind die Ingenieure, Architekten und alle Planungsbeteiligte, dass es sich bei dem Entwurf von Gewerbebauten um besondere gestalterische Herausforderungen handelt, die im Regelfall nicht `von der Stange´ produziert werden können." Unseren Arbeitswelten ist es nun zu wünschen, dass Kommunen, Unternehmen und Planende im Dialog auf Augenhöhe zusammenfinden, um in Gewerbegebieten Baukultur zu schaffen. Baukultur für Gewerbebauten braucht sie alle.

In den Jahren 2010 und 2011 wird die Bundesstiftung Baukultur weitere Veranstaltungen zum Thema der baukulturellen Dimension von Gewerbebauten folgen lassen, die sie mit Unterstützung des Deutschen Industrie- und Handelskammertag DIHK, der Bundesarchitektenkammer und der Bundesingenieurkammer plant. Die Bundesstiftung Baukultur beabsichtigt, die kommenden Veranstaltungen in Kooperation mit ausgewählten Industrie- und Handelskammern und den Architekten- und Ingenieurkammern der betreffenden Bundesländer durchzuführen.

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