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Zahlreiche bayerische Ingenieurbüros sind akut in ihrer Existenz gefährdet

(27.4.2004) Bedrückende Erkenntnisse über die Lage der Ingenieurbüros in Bayern liefert die Konjunkturumfrage Frühjahr 2004 der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau, deren Ergebnisse nun vorliegen. Rund 300 Ingenieure hatten sich an der dreiwöchigen Befragung beteiligt. Demnach bezeichnen knapp die Hälfte der Ingenieure die allgemeine Geschäftslage ihres Büros als "befriedigend", 20,9 Prozent als "schlecht". "Die Lage ist dramatisch", kommentierte die Präsidentin der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau, Dipl.-Ing. Univ. Heidi Aschl, die Werte. "Sollte die Investitionsverweigerung der öffentlichen Hand anhalten, droht nicht nur der Verlust zahlreicher Arbeitsplätze, sondern auch von Innovationskraft und Know-how", so Aschl weiter.

Alarmierend sind der Umfrage zufolge die Prognosen der Beschäftigtenzahlen. Während lediglich zwei Prozent der Ingenieurbüros in den kommenden Monaten die Zahl der technischen und kaufmännischen Mitarbeiter erhöhen will, rechnen 25,9 Prozent der Inhaber mit einer Verringerung der Mitarbeiterzahl. 70,2 Prozent sagen: Sie bleibt gleich.

Ähnlich ist die Prognose für die in den Büros angestellten Ingenieure. 20 Prozent der Inhaber planen, Ingenieure zu entlassen, 78,8 Prozent werden die Zahl der beschäftigten Ingenieure nicht verändern. Die Strukturen bleiben weiter kleinteilig. In 35,3 Prozent der Büros ist ein Ingenieur beschäftigt, also in der Regel der Inhaber. 31,2 Prozent beschäftigen 2 bis 5 Ingenieure. Und 10 Prozent der Umfrageteilnehmer gaben an, über 25 Ingenieure angestellt zu haben.

Der anhaltenden Krise begegnen die meisten Ingenieurbüros dennoch mit verhaltenem Optimismus. Dass die Umsätze in den kommenden sechs Monaten steigen werden, glauben immerhin 21,8 Prozent (+10,9 gegenüber Herbst 2003), 18,6 Prozent gehen davon aus, dass sich die Ertragslage verbessern wird (+9,3) und 21,2 Prozent rechnen mit einem höheren Auftragsvolumen bis zum Herbst (+8,0).

Deutlich geschrumpft ist der Anteil öffentlicher Aufträge. Für 37,4 Prozent der Büros liegt er bei 0 bis 20 Prozent, für 16,8 Prozent der Büros bei 21 bis 41 Prozent des Auftragsvolumens. "Hier", so Kammerpräsidentin Heidi Aschl, "liegt eine der Hauptursachen für die existenzbedrohende Situation vieler Ingenieurbüros." Es sei grob fahrlässig, aus falschem Sparehrgeiz die Mittel in den Erhalt der Infrastruktur auf ein nicht mehr hinnehmbares Minimum zusammenzustreichen. "So wird Volksvermögen verschwendet - ausbaden muss diese Politik die kommende Generation, die dann noch höhere finanzielle Lasten zu tragen haben wird", kritisierte Aschl.

Marode Straßen, defekte Kanalisationen und Schulhäuser, bei denen der Putz von der Wand blättert, müssten aber über kurz oder lang instand gesetzt werden, daran führe kein Weg vorbei, so die Kammerpräsidentin weiter. "Die Ingenieure in Bayern haben großes Verständnis dafür, dass auf Grund der angespannten finanziellen Lage im öffentlichen Bereich maßvoll gespart wird", so die Präsidentin der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau. "Dies muss jedoch geschehen", so Aschl weiter, "ohne den nachfolgenden Generationen erhebliche Sanierungskosten aufzubürden".

Schlechte Noten gab es erneut für die Zahlungsmoral der öffentlichen Auftraggeber. 25,5 Prozent der Umfrageteilnehmer bezeichneten diese als "schlecht" und 12,7 Prozent als "sehr schlecht". Zum Vergleich: bei den privaten Auftraggebern liegen die Werte bei 23,9 und 7,7 Prozent.

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