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Bausparkassen weiter größte Wohnungsfinanzierer - Verband erwartet Vorzieheffekte im Eigenheimbau

(18.7.2002) Trotz des weiter rückläufigen Wohnungsneubaus haben die Bausparkassen ihre hohen Finanzierungsleistungen im Jahr 2001 nahezu gehalten und damit ihren Marktanteil innerhalb der gesamten Wohnungsfinanzierung weiter ausbauen können. Mit 36,8 Mrd. Euro blieben die Bausparkassen nur leicht unter ihren Auszahlungsergebnissen vom Jahr 2000 mit 38,0 Mrd. Euro (-3,4 Prozent). Diese Zahlen nannte gestern der Verband der Prvaten Bausparkassen in Berlin.

Die Entwicklung müsse insbesondere vor dem Hintergrund gesehen werden, dass die Zahl der insgesamt neu gebauten Wohnungen im vergangenen Jahr noch einmal um 22,9 Prozent auf nur noch 326.000 Einheiten zurückgegangen sei. Speziell der Bau von Ein- und Zweifamilienhäusern – die Domäne der Bausparkassen – habe um 19,3 Prozent auf 185.000 Wohnungen abgenommen. Das Fertigstellungsergebnis in diesem Bereich bewege sich aber immer noch auf relativ hohem Niveau und liege "nur" um 21,9 Prozent unter dem Höchstergebnis des Jahres 1999 mit 237.000 Wohnungen. Demgegenüber seien die Fertigstellungen in den anderen Breichen des Wohnungsbaus (Wohnungen in Mehrfamilienhäusern, Wohnheimen, durch Ausbau geschaffene Wohnungen) vom Höchststand im Jahr 1995 mit knapp 400.000 Einheiten auf nur noch 140.000 Einheiten und damit etwas mehr als ein Drittel im Jahr 2001 abgesunken. Habe das Verhältnis von Wohnungen in Eigenheimen zu Wohnungen in anderen Wohngebäuden im Jahre 1995 noch bei 1 zu 2 gelegen, so habe es sich im Jahr 2001 auf 1,3 zu 1 drastisch umgekehrt.

Andreas J. Zehnder, Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Privaten Bausparkassen: "Der Eigenheimbau hat sich – trotz des Rückgangs – zum Rückgrat des Wohnungsneubaus entwickelt. Diese gravierenden strukturellen Veränderungen im Wohnungsneubau sind nicht ohne Auswirkungen auf die Finanzierungsleistungen der verschiedenen Institutsgruppen geblieben. Während die Bausparkassen ihre Finanzierungsleistungen in den letzten Jahren auf hohem Niveau halten konnten, gab es bei den meisten anderen Institutsgruppen drastische Einbrüche. Dies ist einmal mehr Beleg dafür, dass der Eigenheimbau und damit auch die Finanzierungsleistungen der Bausparkassen zu einer Verstetigung der konjunkturellen Entwicklung im Wohnungsbau beitragen."

Nach Angaben des Verbandes sind im vergangenen Jahr von allen Kreditinstituten und Lebensversicherungen 126,8 Mrd. Euro für die Wohnungsfinanzierung ausgezahlt worden. Dies habe einem Rückgang gegenüber dem Vorjahr von rd. 5 Mrd. Euro bzw. 4,1 Prozent entsprochen. Gegenüber dem Höchststand mit 166,8 Mrd. Euro im Jahr 1999 sei dies immerhin ein Einbruch um knapp 40 Mrd. Euro bzw. rd. einem Viertel.

  • Der Marktanteil der Bausparkassen sei durch diese unterschiedliche Entwicklung zwischen Bausparkassen und den anderen Institutsgruppen 2001 noch einmal leicht von 28,8 Prozent auf 29,0 Prozent gestiegen. Damit seien die Bausparkassen unverändert die mit Abstand stärkste Institutsgruppe am Wohnungsfinanzierungsmarkt.
  • An zweiter Stelle folgten die Sparkassen mit 30,1 Mrd. Euro und einem Anteil von 23,8 Prozent. Gegenüber dem Jahr 2000 bedeutete dies einen leichten Zuwachs bei den Auszahlungen von 2,6 Prozent und beim Marktanteil um 1,6 Prozentpunkte, nachdem diese Institutsgruppe im Jahr 2000 einen starken Einbruch gegenüber 1999 zu verzeichnen hatte.
  • Drittstärkste Kraft seien die Hypothekenbanken mit Auszahlungen in Höhe von 19,7 Mrd. Euro (-12,1 Prozent) und einem Marktanteil von 15,6 Prozent (2000: 17,0 Prozent) vor den Kreditbanken mit Auszahlungen in Höhe von 16,0 Mrd. Euro (-4,6 Prozent) und einem Anteil von 12,6 Prozent (2000: 12,7 Prozent).
  • Am Ende der Skala rangierten die Lebensversicherungen mit Auszahlungen in Höhe von 5,2 Mrd. Euro (-12,2 Prozent) und einem Anteil von 4,1 Prozent (2000: 4,4 Prozent).

Die Gesamtauszahlungen der Kreditinstitute und Lebensversicherungen ohne Bausparkassen hätten im Jahre 2001 mit 90,0 Mrd. Euro noch deutlich unter dem Niveau des Jahres 1993 mit 104,1 Mrd. Euro gelegen. Im gleichen Zeitraum hätten die Bausparkassen ihre Auszahlungen kontinuierlich von 30,7 Mrd. Euro im Jahr 1993 auf 36,8 Mrd. Euro in den letzten Jahren gesteigert. Der Marktanteil der Bausparkassen sei dadurch von 23,0 Prozent auf 29,0 Prozent gestiegen.

Nachdem die Zahl der zum Bau genehmigten Wohnungen im Jahre 2001 noch einmal um 16,8 Prozent auf nur noch 291.000 Einheiten zurückgegangen ist, erwartet der Verband für das laufende Jahr eine weitere Abnahme der fertiggestellten Wohnungen auf kaum über 270.000 Einheiten. Dies sei dann der mit Abstand niedrigste Stand seit der Wiedervereinigung; im Jahre 1990 seien 257.000 Wohnungen neu gebaut worden (nur Westdeutschland). Für Westdeutschland sei mit einem Fertigstellungsergebnis im Jahr 2002 von knapp 230.000 und für Ostdeutschland mit einem solchen von etwas über 40.000 Wohnungen zu rechnen.

Auf Grund der bisher bis einschl. April 2002 vorliegenden Zahlen über die genehmigten Wohnungen deutet sich nach Ansicht des Verbandes im Bereich des Eigenheimbaus möglicherweise eine Trendwende an; dies gelte zumindest für Westdeutschland, wo die Zahl der genehmigten Ein- und Zweifamilienhäuser in den ersten vier Monaten um 2,9 Prozent gestiegen sei. Aber auch in Ostdeutschland hätten sich die Genehmigungen von Eigenheimen mit einem deutlich abgeschwächten Rückgang um 6,2 Prozent von dem übrigem Wohnungsbau abgekoppelt. Zehnder: "Möglicherweise handelt es sich hierbei aber um Vorzieheffekte, weil viele Bürger angesichts der anhaltenden Diskussion um die Wohneigentumsförderung befürchten, dass es nach der Bundestagswahl zu Einschränkungen bei der Eigenheimzulage kommen könnte. Man kann den Bürgern nur empfehlen, mögliche Investitionsentscheidungen noch in diesem Jahr zu tätigen. Keiner weiß, wie die Eigenheimzulage nach der Bundestagswahl aussieht."

Die derzeitigen Neubauleistungen lägen damit weit unter dem mittelfristig für notwendig veranschlagten Neubaubedarf von rd. 400.000 Wohnungen pro Jahr. Dieser Bedarf resultiere aus einem Ansteigen der Zahl der privaten Haushalte in den nächsten Jahren von etwa 150.000 pro Jahr – darüber seien sich alle Experten einig –, dem Wegfall von Wohnungen aus dem Bestand durch Umwidmung, Abriß und Zusammenlegung in Höhe von etwa 120.000 bis 140.000 Wohnungen und dem seit Jahrzehnten festzustellenden kontinuierlichen Anstieg der Pro-Kopf-Wohnfläche um rd. einen halben Quadratmeter pro Jahr. Bei einer Gesamtbevölkerung von 82 Mio. Einwohnern bedeute dies rein rechnerisch über 40 Mio. Quadratmeter mehr Wohnfläche. Bei einer unterstellten Wohnungsgröße von 80 m² seien dies rd. 500.000 Wohnungen. Der Hinweis auf leerstehende Wohnungen, insbesondere in Ostdeutschland, sei insoweit wenig zielführend, als die Wohnungen an Orten und in Gebäudeformen leerstünden, für die es offensichtlich keine Nachfrage gäbe. Die Wohnungswirtschaft müsse sich darauf einstellen, dass es nicht mehr für jede Wohnung und für jede Wohnform einen Bedarf gebe. Von daher befinde sich der Wohnungsbau im Umbruch.

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