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bundesweite Wintergarten-Abzocke aufgedeckt

(9.8.2002) Am 5.8. berichtete die Hamburger Morgenpost (MOPO) von dubiosen Geschäftspraktiken des Unternehmens "Ibro-Bau". Demnach zeigen Vertreter von "Ibro-Bau" Hausbesitzern eine vermeintliche Möglichkeit auf, wie sie nahezu kostenlos einen Wintergarten erhalten könnten; aber am Ende seien die Opfer sehr viel Geld los - und zwar bis zu 40.000 Euro.

Die Abzocke soll schon Hunderte von Hausbesitzern ein kleines Vermögen gekostet haben - die Vorgehensweise den Recherchen der Hamburger Morgenpost zufolge:

  • Mitarbeiter eines Call-Centers rufen gezielt Hausbesitzer an, um ihnen einen Wintergarten zum Nulltarif anzubieten.
  • Wer Interesse bekundet, erhält wenig später Besuch von einem Vertreter.
  • Dieser stellt "Ibro-Bau" als einen der größten Hersteller von Wintergärten dar; eben darum sei die Firma darauf angewiesen, in allen Regionen Deutschlands so genannte Werbepartner zu finden (das sind Personen, die einen Wintergarten kaufen und sich bereit erklären, ihn von anderen potenziellen "Ibro-Bau"-Kunden besichtigen zu lassen). Die Zeitung zitiert aus einem fingierten Verkaufsgespräch: "Das Interesse an einer Werbepartnerschaft mit Ibro-Bau ist natürlich sehr groß. Falls aber die Wahl auf Sie fällt, garantieren wir Ihnen drei Jahre lang vier Besucher pro Monat. Und Sie erhalten für jeden 250 Euro Provision." Macht zusammen 36.000 Euro; damit wäre ein durchschnittlicher Wintergarten nach 36 Monaten so ziemlich refinanziert.

Der Haken: Die Provision wird nur bezahlt, wenn sich ein Interessent nach der Besichtigung auch zum Kauf entschließen würde - diese Tatsache wird aber beim "Beratungsgespräch" wohl nicht (von allen) Vertretern ausreichend deutlich gemacht. Außerdem würden nur selten Interessenten vermittelt.

Etliche Wintergarten-Besitzer haben der Hamburger Morgenpost zufolge "Ibro-Bau" auf die Zahlung der mündlich zugesagten Provisionen verklagt; entsprechende Strafanzeigen lägen vor. Außerdem gäbe es auch schon einige Urteile: Ein Verkaufsleiter erhielt demnach im April 2001 eine zehnmonatige Haftstrafe, die auf Bewährung ausgesetzt wurde. Ihm wurde gemeinschaftlicher Betrug in 174 Fällen nachgewiesen. Und zwei Männer aus der Ibro-Bau-Führung sollen sich demnächst im niedersächsischen Lehrte vor Gericht zu verantworten haben.

Auch Verbraucherzentralen warnen

Zahlreiche Beschwerden über Ibro-Bau liegen den Verbraucher-Zentralen vor - berichtet die Hamburger Morgenpost. Bereits 1990 erwirkten die Hamburger Verbraucherschützer eine Unterlassungserklärung: Ibro verpflichtete sich, keine Verträge mehr ohne Widerrufsbelehrung abzuschließen. Gestoppt wurde die Firma trotzdem nicht. Matthias Wins, Rechtsberater der Verbraucher-Zentrale Mecklenburg-Vorpommern: "Uns liegen aus den letzten Jahren über 100 Fälle geprellter Ibro-Kunden vor." In letzter Zeit soll die Abzocker-Firma nach Erkenntnissen der Verbraucherschützer noch unter zwei anderen Firmennamen auftreten - und zwar "Exakta" und "Glasbau GmbH".

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