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„Energieausweis ist ein Papiertiger“: TÜV fordert neuen Energieausweis für Gebäude


  

(18.1.2022) Der TÜV-Verband fordert von der neuen Bundesregierung zusätzliche Anstrengungen, um den Klimaschutz im Gebäudesektor voranzutreiben. Ein wichtiges Vorhaben sei dabei die Überarbeitung der Energieausweise von Gebäuden. „Die aktuell vorhandenen Energieausweise liefern kaum belastbare Aussagen über den tatsächlichen energetischen Zustand eines Gebäudes“, konstatiert Juliane Petrich, Referentin für Politik und Nachhaltigkeit beim TÜV-Verband. Zudem gebe es weder flächendeckende Kontrollen der Ausweise noch verpflichtende Vorgaben für die energetische Sanierung der Gebäude. Frau Petrich weiter: „Der Energieausweis ist ein Papiertiger mit marginaler Lenkungswirkung für den Klimaschutz.“

Aus Sicht des TÜV-Verbands existieren mit dem Energieaudit nach DIN EN 16427 und dem Energiemanagementsystem nach DIN EN ISO/IEC 50001 bereits wirksame Instrumente, um die Energiebilanz eines Gebäudes zu ermitteln und konkrete Verbesserungen vorzuschlagen. „Die Behörden sollten kontrollieren, ob die Gebäude die gesetzlichen Anforderungen erfüllen und Maßnahmen zur Senkung des Treibhausgas-Ausstoßes umgesetzt werden“, betont Frau Petrich. Dafür müsse es klare Vorgaben geben, in welchen Fällen von den Hauseigentümern eine energetische Sanierung vorgenommen werden muss. „Energieaudits haben sich bereits gut im gewerblichen Sektor bewährt und können auch auf private Gebäude angewendet werden.“ Je nach Art des Gebäudes könnten die Energieaudits einmalig (Ein- und Zweifamilienhäuser) oder alle vier Jahre durchgeführt werden (Mehrfamilienhäuser).

Gebäudesektor soll bis 2045 CO₂-neutral werden

Für den TÜV-Verband steht neben der Einführung eines unabhängigen energetischen Monitorings eine wirkungsvolle Förderung von Modernisierungen im Fokus. Energieaudits und der nach anerkannten Standards ermittelte CO₂-Fußabdruck eines Gebäudes sollten damit die Voraussetzung für eine Vergabe von Fördermitteln sein - so der Wunsch des Verbands. Darüber hinaus müssten in einem nachhaltigen Gebäudesektor digitale Technologien eine größere Rolle spielen. „Der zunehmende Einsatz intelligenter Gebäudetechnik kann dabei helfen, den CO₂-Ausstoß eines Gebäudes erheblich zu reduzieren“, stellt Frau Petrich fest. Außerdem sollte ihrer Meinung nach eine digitale Plattform aufgebaut werden, die eine Gebäudeliste unter energetischen Gesichtspunkten zentral führt. Dabei seien auch die Energiewerte für Bedarf und Verbrauch sowie die aktuelle CO₂-Bilanz der Gebäude zu dokumentieren. Auch die notwendigen Sanierungsmaßnahmen sowie deren Umsetzung sollten in ein solches Kataster einfließen.

„Ein nachhaltiger Gebäudesektor ist für den Klimaschutz unabdingbar“, erinnert Frau Petrich. „Heute verursachen Wohngebäude und Gewerbeimmobilien rund ein Drittel der Treibhausgasemissionen in Deutschland. Hier gibt es ein enormes Potential, um zukünftig Energie einzusparen.“ Die Reduktion des Energiebedarfs von Gebäuden nütze nicht nur dem Klima, sondern liege im Interesse von Unternehmen und Verbraucher:innen, die von geringeren Betriebskosten profitieren. „Unabhängige Prüforganisationen können mit Energieaudits, Prüfungen der Gebäudetechnik oder Zertifizierungen von Baustoffen einen wichtigen Beitrag zum nachhaltigen Umbau des Gebäudesektors leisten“, verspricht Frau Petrich. Wohnhäuser und Gewerbebauten hätten eine sehr lange Nutzungsdauer und leisteten einen langfristigen Beitrag zur CO₂-Bilanz. Daher sollten Gebäude unter dem Aspekt der CO₂-Neutralität über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg betrachtet werden. „Gebäude, die heute geplant werden, müssen mit Blick auf das kommende Jahrhundert energieeffizient und nachhaltig gebaut werden“, resümiert Frau Petrich. „Ebenso gilt es, den Gebäudebestand zu sanieren, um dessen Energie- und Ressourcenverbrauch deutlich zu verringern.“

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