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Passivhaus: hohe Wärmedämmung, dichte Gebäudehülle, intelligente Haustechnik

Der Begriff "Passivhaus" leitet sich ab aus der möglichst passiven Beheizung eines Gebäudes durch Sonne, innere Wärmequellen und zurückgewonnene Wärme. Dadurch spart das Passivhaus im Vergleich zu bestehenden Wohngebäuden 90 Prozent des Energiebedarfs ein. Der Heizwärmebedarf eines Hauses nach Passivhaus-Standard liegt unter 15 kWh/(m²a) und damit weit unter dem eines Niedrigenergiehauses. Dieser Wert wird durch eine intelligente Haustechnik in Verbindung mit energieeffizienten Bauteilen erreicht. Dazu gehören folgende Komponenten:

  • eine extrem gut gedämmte Gebäudehülle
  • die Nutzung der Sonnenenergie durch bestmögliche Verglasungen (passive Sonnenenergie)
  • hochwirksame Lüftungstechnik und Wärmerückgewinnung (Abluft)

Der Passivhaus-Standard wurde 1990 in deutsch-schwedischer Kooperation entwickelt und ist einer der am genauesten überprüften Baustandards. Er will nicht nur den extrem niedrigen Energiebedarf von Passivhäusern sicher stellen, sondern sorgt vor allem dafür, dass sich die Bewohner im Sommer wie im Winter behaglich fühlen. In Deutschland werden bereits über 5.000 Passivhäuser bewohnt (Stand Ende 2005).

  

"Haus ohne Heizung" wird das Passivhaus oft genannt, das ist aber nicht ganz richtig: Zwar benötigt ein Passivhaus tatsächlich keine separate Heizung mit Heizkörpern und Wärmeverteilleitungen mehr, aber einen - wenn auch sehr geringen - Heizwärmebedarf hat es noch. Dieser Heizwärmebedarf von umgerechnet 1,5 Liter Heizöl pro Quadratmeter im Jahr wird über die ohnehin vorhandene Lüftungsanlage zugeführt.

Anders als in herkömmlichen Gebäuden, wo ständig sehr viel Wärme über Außenwände, Fenster und Dach verloren geht, wird im Passivhaus die Wärme im Haus zurückgehalten: Wie ein warmer Schlafsack umgibt eine dicke Schicht von Dämmstoffe das Gebäude. Fenster mit einer spezieller Verglasung sowie einem gut gedämmten Rahmen lassen die Sonnenenergie herein, aber nur wenig Wärme hinaus. Auch die Komfortlüftung, die für gute Raumluft sorgt, hat eine Wärmerückgewinnung, die mindestens 80 Prozent der Wärme aus der verbrauchten Luft zurückholt.

Alle diese Maßnahmen sorgen dafür, dass die Wärme im Passivhaus bleibt und die durch die Fenster hereinkommende Sonnenenergie sowie die Wärmeabgabe der Haushaltsgeräte und der Bewohner (ca. 80 Watt pro Person) ausreichen, um das Haus die längste Zeit des Jahres angenehm warm zu halten. Durch den extrem niedrigen Wärmebedarf ist es möglich, den Energieverbrauch eines Passivhauses mit erneuerbaren Energiequellen, wie z.B. Windkraft, zu kompensieren.

32.000 Passivhäuser mit 3,9 Mio. m² Nutzfläche sparen 175 Mio. Euro an Energiekosten (11.5.2011)
Das Passivhaus spart 80-95 % an Energie sowie CO2 ein und ist kaum teurer als konventionell errichtete Gebäude. Daher ist es wenig verwunderlich, dass sich mittlerweile 32.000 Passivhäuser zum Trendsetter energieeffizienten Bauens und als Basis des "Nearly zero energy buildings" etabliert haben. Vom 27. bis 28. Mai 2011 werden in Innsbruck zum weltweit größten Kongress für energieeffizientes Bauen mehr als 1.200 Kongressteilnehmer aus über 50 Nationen Lösungen für nachhaltiges Bauen diskutieren.

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