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Studie „Urbane Sturzfluten“ belegt mangelnden Schutz vor Starkregen und verspricht Lösungen

(6.6.2016) Deutschlandweit nehmen die Anzahl an Starkregen­ereignissen und die Höhe der dadurch verursachten Schäden zu - nicht nur in diesem Tagen Ende Mai / Anfang Juni 2016. Doch es wird zu wenig getan, um diese Schäden zu verhin­dern - zu diesem Ergebnis kommt die neue Studie „Urbane Sturzfluten - Hintergründe, Risiken, Vorsorgemaßnahmen“, die im Rahmen der IFAT vorgestellt wurde.

Die im Auftrag der Initiative „Verantwortung Wasser und Um­welt“ von Prof. Wolfgang Günthert, Institut für Wasserwesen an der Bundeswehr-Uni München, erstellte Studie kommt zu dem Schluss, dass Starkregenereignisse als Überflutungsursa­chen bisher zu wenig Beachtung finden, obwohl diese mittler­weile 50% der Überflutungsschäden ausmachen. Besonders gefährdet seien Wohn- und Industriegebäude, Infrastruktur­einrichtungen und Verkehrsanlagen - und das nicht nur in flussnahen Lagen. „Daher fordern wir Kommunen, Grund­stückseigentümer und die Wasserwirtschaft auf, aktiv zu werden: von der Datenerhebung und Gefährdungsanalyse bis zur Bauleitplanung und den entsprechenden Vorsorgemaßnahmen“, erklärt der Sprecher der Initiative Rainer Mohr, Geschäftsführer der ACO Tiefbau Vertrieb GmbH. Die Studie ...

  • will über die Ursachen, Gefahren und Risiken von Sturzfluten aufklären und
  • versteht sich mit den vorgestellten Maßnahmen als Ratgeber für Politik und Bürger.

Auf Basis hydrologischer Daten stellt die Studie fest, dass Starkregenereignisse vor­wiegend in den Sommermonaten und überall in Deutschland auftreten. „Es ist davon auszugehen, dass die Überflutungen insbesondere im urbanen Raum zunehmen. Um die genauen Risikogebiete erkennen zu können, sind Niederschlags- und Abflussmes­sungen sowie Überflutungsnachweise erforderlich. Diese werden bisher nicht in aus­reichendem Maße durchgeführt“, erklärt Prof. Günthert. „Hier sind die Kommunen ge­fragt. Denn nur so können Grundstückseigentümer in betroffenen Gebieten informiert werden, um entsprechende Vorsorgemaßnahmen treffen zu können.“ Denn im Gegen­satz zu Flusshochwasser gibt es bei Starkregen keine lange Vorwarnzeit, um das Ei­gentum zu schützen.

Überflutungsschutz mit Regenwassermanagement

Die hohen Schäden durch Starkregenfälle entstehen durch die Überlastung der Ent­wässerungssysteme und unkontrolliertes Abfließen des Niederschlags auf der Oberflä­che. Aufgrund wirtschaftlicher Aspekte ist die Kanalisation nicht für seltene, extreme Niederschlagsereignisse ausgelegt und kann somit plötzliche große Wassermengen nicht aufnehmen. Eine Schlussfolgerung der Studie ist daher die Notwendigkeit eines ganzheitlichen Überflutungsschutzes bestehend aus ...

  • Entwässerungssystemen mit Regenwassermanagement,
  • dem Schutz der Verkehrs- und Freiflächen sowie
  • dem Objektschutz.

Die Initiative „Verantwortung Wasser und Umwelt“ hat auf Grundlage der Studie einen Forderungskatalog erstellt (hier etwas ausführlicher), mit dem sie sich an Kommunen, die Wasserwirtschaft und Grundstückseigentümer wendet. Darin fordert sie ...

  • die Analyse von Überflutungsgefährdungen,
  • einen ganzheitlichen Überflutungsschutz,
  • Vorsorgemaßnahmen,
  • eine ausreichende Anzahl an Niederschlagsmessstationen sowie
  • Maßnahmen zur Verminderung und Rückhaltung des Oberflächenabflusses in der Bauleitplanung.

Initiator der Studie ist die 2014 gegründete Initiative „Verantwortung Wasser und Umwelt“. Sie ist aus der Arbeitsgruppe Tiefbau im Gesprächskreis Baustoffindustrie im BDB e.V. hervorgegangen - siehe Baulinks-Beitrag „Neue Initiative engagiert sich für Sanierung des Kanalnetzes und Wassermanagement“ vom 13.5.2014.

Partnerinitiative „Impulse pro Kanal“

Die Partnerinitiative „Impulse pro Kanal“ unterstützt die Studie „Urbane Sturzfluten“. In der Aktionsgemeinschaft „Impulse pro Kanal“ setzen sich insgesamt 26 Verbände, Organisationen und Institutionen deutschlandweit für den Erhalt der Infrastruktur im Untergrund ein. Ein Forderungskatalog erinnert kommunale Entscheider an den Erhalt der „vergrabenen Milliardenwerte“ und informiert die Öffentlichkeit über den Hand­lungs­bedarf in der öffentlichen und privaten Kanalisation.

siehe auch für zusätzliche Informationen: