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Bauindustrie und Wohnungswirtschaft engagieren sich für serielles Bauen

(31.1.2016) „Wir brauchen in Deutschland bis 2020 pro Jahr mindestens 140.000 neue Mietwohnungen zusätzlich, um den zunehmenden Bedarf an kostengünstigem Wohn­raum vor allem in unseren Ballungszentren zu decken. Davon allein 80.000 im sozialen Wohnungsbau. Den Gesamtbedarf schätzen wir jährlich mit 400.000 Wohnungen“. Die­se Auffassung vertraten der Vizepräsident Wirtschaft des Hauptverbandes der Deut­schen Bauindustrie (HDB), Dipl.-Ing. Marcus Becker, und der Präsident des GdW Bun­desverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen, Axel Gedaschko, am 26.1. auf der gemeinsamen Veranstaltung „Serielles Bauen - vom Prototyp zur Serie“ in Berlin. Um die aktuellen wohnungsbau- und sozialpolitischen Herausforderungen zu meistern, wollen Bau- und Wohnungswirtschaft stärker auf die Vorteile seriellen Bau­ens setzen. So sollen in Ergänzung zur Einzelfertigung auch Prototypen entwickelt werden, die deutschlandweit schnell und kostengünstig in Serie umgesetzt werden können.

Um die Vorteile seriellen Bauens zu nutzen, bieten sich für HDB-Vize Becker vor allem zwei Wege an:

  • konventionelle Bauweise mit optimierten Wohnungsgrundrissen und hohem Wie­derholungsgrad, verbunden mit einem verstärkten Einsatz von Fertigelementen sowie
  • Modul- bzw. Systembauweise auch für Wohngebäude.

„Serielles Bauen muss zu tragbaren Kosten, aber auch in hoher Qualität erfolgen, da­mit der neu geschaffene Wohnraum als Bereicherung der Stadtquartiere erlebt wird. Deshalb ist die frühzeitige Kooperation von Bauwirtschaft, Planern und Wohnungsun­ternehmen wichtig“, betonte GdW-Präsident Gedaschko. In einer aktuellen Umfrage erklärten über 70% der befragten GdW-Unternehmen, Interesse an Typenbau und Typengenehmigungen zu haben. Rund 50 Prozent der Befragten planen, künftig seri­elle oder modulare Elemente beim Bau einzusetzen.

Darüber hinaus sehen Becker und Gedaschko auch die Politik am Zug. „Als die Bun­desregierung im Herbst vergangenen Jahres die soziale Wohnraumförderung auf eine Milliarde Euro verdoppelt hat, gab es bereits die ersten Rufe der Länder nach mehr. Dass Bundesbauministerin Barbara Hendricks jetzt die Förderung abermals auf dann zwei Milliarden Euro bis 2020 verdoppeln will, ist aus unserer Sicht nur zu begrüßen. Der Bedarf ist allemal gegeben. Helfen könnte auch die befristete Wiedereinführung der degressiven Abschreibungen für Mietwohnungen sowie als Alternative zu den Ab­schreibungsmöglichkeiten eine gleichwertige Investitionszulage für Wohnungsunter­nehmen. Wichtig ist jedoch, dass die Länder diese Förderung nicht durch gleichzeiti­ge Anhebung der Grunderwerbsteuer konterkarieren und die Mittel zügig für den Woh­nungsbau einsetzen“, erklärten Becker und Gedaschko. Sie forderten außerdem, dass über eine gezielte Liegenschaftspolitik schnell und unkompliziert Grundstücke für den Wohnungsbau bereitgestellt werden müssten.

GdW-Präsident Axel Gedaschko appellierte darüber hinaus an die Stadtgesellschaft und -politik: „Wir müssen gemeinsam für ein positives Neubauklima in Deutschland sorgen. Denn nur durch gezielten Wohnungsneubau können wir die aktuellen Heraus­forderungen bewältigen.“ In diesem Zusammenhang verwies Gedaschko darauf, dass die derzeit häufig genannte Zahl von 1,7 Mio. leerstehenden Wohnungen in Deutsch­land aus dem Jahr 2011 völlig veraltet ist. „Wir können heute davon ausgehen, dass es maximal 700.000 wirklich am Markt verfügbare Wohnungen gibt - und diese sind bei weitem nicht alle gut infrastrukturell angebunden oder in Regionen, wo man sie einfach nicht braucht.“

Gleichzeitig weisen Becker und Gedaschko darauf hin, dass sich Kostensenkungsef­fekte auch durch bauordnungsrechtliche Anpassungen erzielen lassen. „Alle kosten­treibenden Vorschriften müssen auf den Prüfstand, seien es Energieeinsparungs- und Lärmschutzstandards, Regelungen über Abstandsflächen oder die Bereitstellung von Stellplätzen wie auch Vorschriften zur Fassaden- und Dachbegrünung. Statt jedoch über einzelne Vorschriften in zig verschiedenen Landesbauordnungen zu diskutieren, sollten wir längerfristig zu einer bundeseinheitlichen Musterbauordnung kommen, wie sie die Baukostensenkungskommission des Bundesbauministeriums empfohlen hat“, fordern die Verbände.

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