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Gesucht war ein „Deutsches Architekturinstitut“: 11. Egon-Eiermann-Preis wird in Stuttgart verliehen


  

(24.1.2016) Am 10. Februar 2016 verleiht Eternit im Wech­selraum des BDA Baden-Württemberg ab 18:30 Uhr den 11. Egon-Eiermann-Preis. Aus 142 zugelassenen Einreichungen vergab die Jury unter Vorsitz von Prof. Volker Staab vier gleichwertige Preise und zwei Anerkennungen. In Anlehnung an das niederländische Architekturinstitut NAi in Rotterdam galt es, ein fiktives Deutsches Architekturinstitut mit freiem Raumprogramm für einen frei wählbaren Ort zu entwerfen. Mit mehr als doppelt so vie­len Einreichungen wie im Jahr zuvor bestätigte der Architekten-Nachwuchs die archi­tektonische und gesellschaftliche Relevanz des Themas.


Projekt „Arche“ von Jonas Virsik der FH für angewandte Wissenschaften, Abteilung Würzburg (Bild vergrößern)

Der 11. Egon-Eiermann-Preis lud den Architekten-Nachwuchs ein, sich auf grundsätz­liche und idealistische Weise mit Architektur auseinanderzusetzen:

  • Was müsste ein Architekturinstitut für Deutschland eigentlich leisten?
  • Wo müsste es stehen?

Diese Fragen wurden sehr unterschiedlich beantwortet: Vom Raum gewordenen Weg zwischen zwei Meisterwerken der Moderne über eine Komposition idealer Körper am geometrischen Mittelpunkt Deutschlands bis zur Neuinterpretation einer historischen Architekturikone reichten die Vorschläge.

Preisträger Egon-Eiermann-Preis 2015

Einen „Spannungsbogen zwischen Vergangenheit und Gegenwart“ schlägt das Projekt „Arche“ (Bild), das am Standort von Schinkels Bauakademie in Berlin-Mitte gedacht wird (siehe auch Bing-Maps und/oder Google-Maps). Dafür erhält der Student Jonas Virsik (FH für angewandte Wissenschaften, Abteilung Würzburg, Fakultät für Architek­tur) einen mit 1.000 Euro dotierten Preis. „Die Qualität der Arbeit liegt darin, dass an einem nachvollziehbaren Ort mit einer starken Vergangenheit auf sehr spannende Art und Weise geantwortet wird. Die Verwendung der Fassade der Schinkelschen Bauaka­demie als reiner Beton-Abguss stellt keine typische Rekonstruktion dar, der Verfasser schafft es aber dadurch, dem Gebäude einen bedeutungsvollen Sockel zu geben. Die­ser wird durch ein exakt gleich großes Volumen, das über eine deutlich sichtbare Fu­ge mit dem Sockel verbunden ist, stark verfremdet und bildet den bewussten Kontra­punkt“, urteilte die Jury.


Projekt „Architekturinstitut Athen“ von Steffen Rebehn und Jonas Kneisel (Bild vergrößern)

Ebenfalls einen Preis, dotiert mit 1.000 Euro, erhalten Steffen Rebehn und Jonas Knei­sel (TU Braunschweig) für ihr „Architekturinstitut Athen“ (Bild oben). Die Jury ur­teilt: „Der Entwurf fasziniert durch seine Eigenschaft als Fremdkörper in einem anti­ken Stadtgefüge, der trotzdem seinen Platz scheinbar mühelos findet. Die mutige Ar­beit versucht durch die Verformung des Volumens die Vergangenheit näher zu holen und schafft es auch durch die spannenden Raumfolgen, an diesem speziellen Ort als Schwellen-Beseitiger zu fungieren.“

„DIAS - Deutsches Institut für Architektur und Stadt“ (Bild rechts) nennt Maxim Bauer (Universität der Künste, Ber­lin) sein entlang des Berliner Landwehrkanals imaginiertes Pro­jekt. Auch er erhielt einen mit 1.000 Euro dotierten Preis. „Der Verfasser entwirft im Gegensatz zu den meisten anderen Ar­beiten ein Gebäude als Weg. Dieses Alleinstellungsmerkmal in Kombination mit der Wahl des Ortes überzeugt die Jury. Der Verfasser schafft es, eine Verbindung von Bauhaus-Archiv und Berliner Kulturforum herzustellen und das Ufer des Land­wehrkanals deutlich aufzuwerten. Der Entwurf bedient sich des Höhenversprungs zwischen Straße und Kanal, wo sich die längliche Raumabfolge positioniert und der Straße eine Kante gibt. Dem Kanal wird ein neuer Spazierweg am Wasser vorge­lagert. Diese städtebauliche Qualität und die Idee einer Archi­tektur, die durch einen Spaziergang erfahrbar gemacht wird, wurden von der Jury in besonderem Maße gelobt.”

Ein weiterer mit 1.000 Euro dotierter Preis geht an das junge Architektenteam Be­nedict Esche und Giacomo Nüßlein für ihr Projekt „Horcynus Orca“. (Bild unten) „Durch die Wahl eines Ortes, der sich gänzlich einem städtischen Kontext entzieht, wird der Fokus auf die Sinnfrage von Architektur gelenkt, was für die Jury eine be­rechtigte Frage in Bezug auf ein Architekturinstitut ist. Die Verfasser entwerfen ei­nen archaischen Raum, der aus sich selbst heraus als eigenständig angesehen wird und auch über den Grundriss offen bleibt. Für die Jury ist es eine überzeugende Aus­einandersetzungen mit dem Thema, die konsequent umgesetzt wurde“, so das Preis­gericht.


Projekt „Horcynus Orca“ von Benedict Esche und Giacomo Nüßlein (Bild vergrößern)

Zwei Anerkennungen, jeweils mit 500 Euro dotiert, werden verliehen an ...

  • Anastasia Svirski (Bauhaus Universität Weimar) für ihr „Deutsches Architektur­institut, Rappbode-Talsperre“ sowie an
  • Ruben Strater und Sören Schmeußer für den Entwurf „dai Köln“.

Neben dem Preisgeld für die Preisträger stiftet die Eternit AG den begleitenden Lehr­stühlen von Preisträgerarbeiten jeweils 1.000 Euro für Exkursionen, Ausstellungen oder Publikationen.

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