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Kostenanteil des Rohbaus beim mehrgeschossigen Wohnungsbau auf 46% gesunken

(19.10.2015) Mit Spannung erwartet die Baubranche die Ergebnisse der Baukosten­senkungskommission, die voraussichtlich Ende November 2015 vorliegen und der Dis­kussion um Baukosten und -standards bestimmt weitere Impulse geben werden - un­abhängig von der aktuellen Flüchtlingsdebatte. Doch woher kommen die massiven Steigerungen mit Preissprüngen von bis zu 60% - etwa für die Haustechnik, wie die Arbeitsgemeinschaft für zeitgemäßes Bauen (Arge Kiel) in der Studie „Kostentreiber für den Wohnungsbau“ im April 2015 konstatiert hat?

Das Fazit der Wissenschaftler ist eindeutig: „Über allgemeine Preissteigerungen hi­naus führen vor allem gestiegene Qualitätsansprüche und ordnungsrechtliche Anforde­rungen beispielsweise in Bezug auf Energieeffizienz, Barrierefreiheit, Standsicherheit, Brand- und Schallschutz, Schnee-, Sturm- und Erdbebensicherheit sowie eine Vielzahl von kommunalen Auflagen insbesondere in den letzten Jahren zu deutlich erhöhten Kosten im Wohnungsbau.“ (siehe Studie der Arge Kiel, Seite 92 / PDF-Seite 94)


Hans R. Peters, Vor­stands­vorsitzender der ARGE Mauerziegel (AMz)
  

Ob mehrfache Anhebung der Grunderwerbssteuer, schleppende Genehmigungen von Bauanträgen oder die Zweckentfremdung von Mitteln für den Wohnungsbau - hier müssen in erster Linie die politischen Akteure Rechenschaft ablegen, fordert Hans R. Peters, Vorstandsvorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Mauer­ziegel (AMz). Gleiches gelte für die örtlich überbordende Re­gelungswut der Kommunen. Aufzüge, Tiefgaragen-Stellplätze und teure haustechnische Ausstattung seien es in erster Linie, die die Kosten für die Errichtung eines beispielhaften mehrge­schossigen Wohnungsbaus von (preisbereinigt) 1.248 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche im Jahr 2000 auf 1.432 Euro/m² in 2014 haben steigen lassen. (siehe Studie der Arge Kiel, Seite 39 bzw. 41)

Der Rohbau ist nicht der Kostentreiber

Im Verhältnis zu den Gesamtbaukosten ist der Anteil für den Rohbau im mehrgeschos­sigen Wohnungsbau laut Studie von 54 auf 46% gesunken. Im Einfamilienhausbereich schlägt er heute - Peter zufolge - sogar nur noch mit einem Drittel zu Buche. Die Preise für Material und Verarbeitung stiegen laut Statistischem Bundesamt zwischen August 2014 und August 2015 lediglich um 1,2 Prozent, während die Inflation bei 1,6 Prozent lag. Betrachtet man ausschließlich die Maurerarbeiten, sieht es sogar noch besser aus: Die Kosten hierfür stiegen gerade einmal um 0,8% - siehe Nachbarbeitrag „Neubaupreise für Wohngebäude in 12 Monaten um 1,6% gestiegen“.

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