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Rhythmische Fassade in kräftigen Farben für „Malmö Live“

(21.9.2015) Ein besonderes Ensemble und viel Raum für Begegnung schufen die däni­schen Architekten Schmidt Hammer Lassen mit „Malmö Live“ in Südschweden: In einer heterogenen urbanen Umgebung entstanden ...

  • eine Konzerthalle für das lokale Symphonieorchester,
  • ein hochmodernes und multifunktionales Konferenzzentrum sowie
  • ein Hotel mit 444 Zimmern.


Fotos: Moeding Keramikfassaden GmbH (Adam Mørk, Kopenhagen) (Bild vergrößern)

Der markante Gebäudekomplex mit dem Namen „Malmö Live“ nimmt die Proportionen und Einflüsse der Umgebung auf. Einen besonderen Bezug zum Umfeld schafft auch die keramische Fassade (von Moeding) in drei kräftigen und changierenden Farbtönen.

Städtebau: selbstbewusst und sensibel

Malmö Live befindet sich im Zentrum der Hafenstadt, in unmittelbarer Nähe von Alt­stadt, Hauptbahnhof, Universität und Hafen (siehe Google-Maps und/oder Google-Street-View). Früher wurden auf dem Areal Heringe verkauft, anschließend lag es lange Zeit brach und diente als Parkplatz. Nun sorgt das multifunktionale Ensemble mit 54.000 m² Bruttogeschossfläche für vielfältiges urbanes Leben. Der Masterplan für das neu entwickelte umgebende Quartier stammt ebenfalls aus der Feder von Schmidt Hammer Lassen.

Das gesamte Viertel wurde als Private-Public-Partnership mit dem schwedischen Bauunternehmen Skanska als Investor ent­wickelt. In unmittelbarer Umgebung von Malmö Live entstehen Wohn- und Bürobauten mit weiteren ca. 27.000 m² Fläche.

Auf die vielfältige urbane Umgebung reagierten die Architekten, indem sie das große Gebäudevolumen in einzelne Bauten auf­gliederten und diese gestaffelt und versetzt zueinander anord­neten: So empfangen die drei weißen, schlanken Türme des Hotels gegenüber dem Hauptbahnhof die Reisenden. Der nörd­lich gelegene Platz gibt den bis zu 85 m hohen Hochhäusern Platz um ihre Wirkung zu entfalten. Die drei südlichen Elemen­te - die in rot gehaltene Konzerthalle, das gelbe Kongresszen­trum und das Restaurant - liegen direkt an einem Kanal und nehmen die Höhe der gegenüberliegenden Bestandsbauten auf.

Entlang des Wassers lädt eine hölzerne Promenade zum Flanieren, in-der-Sonne-Sit­zen, Musizieren und Freunde-Treffen ein. Die Anordnung der Gebäude und die Gestal­tung der umgebenden Grün- und Freiflächen nimmt außerdem Rücksicht auf die be­stehenden Bäume, von denen so viele wie möglich erhalten wurden.

Fassaden mit Rhythmus ...

Um Malmö Live in die historische Umgebung einzufügen, ent­schieden sich Schmidt Hammer Lassen Architekten bereits früh im Entwurfsprozess für eine keramische Fassade. Der moderne Gebäudekomplex knüpft so an die Tradition der ehemaligen Hansestadt Malmö mit ihren Ziegelbauten an und entwickelt diese weiter. Durch den Einsatz einer vorgehängten hinterlüf­teten Fassade entstand eine Hülle mit textilen Qualitäten. Bei der Entwicklung des Fassadenbildes achteten die Architekten darauf, ein einheitliches Raster zu finden, das die unterschied­lich gestalteten Gebäude gleichmäßig überzieht.

Die stark vertikal orientierten Fassaden folgen alle dem glei­chen Grundrhythmus, der durch unterschiedliche Fensterbrei­ten variiert und abgewandelt wird. Dabei ließen sich die Planer von der These Schopenhauers, dass Architektur „gefrorene Musik“ sei, leiten.

...und kräftiger Farbgebung

Die Entwicklung der drei kräftigen Farbtöne für die verschiedenen Bauten entstand in Zusammenarbeit zwischen den Architekten und Moeding: Im Gegensatz zum 28 km entfernten Kopenhagen, dessen Bauten sehr viele kräftige Rot-Töne enthalten, domi­nieren in Malmö zarte Rosa- und Ocker-Farben, in die sich die Gestaltung von „Malmö Live“ harmonisch einfügen sollte. In zahlreichen Versuchsreihen, bei denen die Tonmi­schungen ebenso variiert wurden wie die Glasurfarben, tasteten sich Planer und Her­steller gemeinsam an die optimale Lösung heran.

So entstanden ein roter, ein gelber und ein weißer Ziegel mit transluzenter Glasur, welche die typische Farb-Palette Malmös aufnehmen und dem repräsentativen Gebäu­de eine festliche und glänzende Wirkung verleihen. Die leichten Farbnuancen entste­hen durch eine geschälte Plattenoberfläche und eine farblich changierende Glasur. Je nach Witterung, Lichtstimmung und Jahreszeit erscheint die Fassade in stets neuen Tönen: So wirkt der weiße Farbton des Hotels an klaren Frühlingstagen fast bläulich, während die Rot- und Gelb-Töne der Konzerthalle und des Kongresszentrums an den langen Sommerabenden rosarot leuchten.

Differenziertes Erscheinungsbild

Beim näheren Herankommen verändert sich das Erscheinungsbild der Gebäude: Von der Ferne zeigt sich durch die horizontal versetzte Anordnung der Ziegelplatten eine flächigere Wirkung. Die vertikalen Fugen laufen hingegen durch, ihre Wirkung wird durch Scheinfugen noch verstärkt - was man beim Näherkommen stärker bemerkt.

An die genaue Gestaltung der Ziegelplatten, die speziell für dieses Projekt gefertigt wurden, tasteten sich die Architekten in 1:1-Modellen heran. Ihre dreidimensionale Oberfläche mit zwei „Dächern“ vermittelt ein lebendiges Fassadenbild, dessen Schat­tenwurf und Farbgebung sich mit dem Lauf der Sonne wandelt. Das Format der Ziegel­platten mit einer Höhe von 875 mm und einer Breite von 140 mm erinnert außerdem an traditionelle Ziegelformate und stellt so wiederum einen Bezug zur Geschichte her.

Bayern > Tschechien > Südschweden

Die Ziegelplatten wurden im Werk von Moeding im bayrischen Marklkofen mit relativ geringen Toleranzen gefertigt und glasiert und ereben gemeinsam mit den Plattenhal­tern und Fugenprofilen ein komplettes System. Anschließend wurden alle Systemkom­ponenten gemeinsam nach Tschechien geliefert. Dort wurden daraus im regionalen Werk des Bauunternehmens Skanska, das an Malmö Live auch als Investor beteiligt war, komplette Fassadenelemente gefertigt, die anschließend nach Malmö transpor­tiert wurden. Durch den hohen Grad der witterungsunabhängigen Vorfertigung wurde eine rasche Montage vor Ort möglich.

Erdgeschosszone als Treffpunkt

Wichtig war den Architekten, ein in alle Richtungen offenes Gebäudeensemble zu schaffen, das keine Vorder- und Rück­seite hat und als Erweiterung des Stadtraumes dient. Das 20 m hohe Foyer verbindet die drei Gebäude und ist für alle Pas­santen frei zugänglich. Auch durch seine Gestaltung verbin­det es den Stadtraum mit dem Inneren, denn an seinen Wän­den finden sich die gleichen keramischen Elemente wie an der Außenfassade, und derselbe Bodenbelag wie auf dem Vor­platz.

Durch zahlreiche Winkel und kleine Räume erinnert der Ein­gangsbereich an eine mittelalterliche Stadt. Neben großen, fest fixierten Möbeln gibt es dort auch leichte, verschiebbare Sitzgelegenheiten, welche die Besucher täglich neu arrangie­ren können. Vom Foyer aus erhält man Zugang zum Hotel, zu vier Restaurants, zum Kongresszentrum, sowie zu den Kon­zertsälen.

Musik im Herzen

Herzstück des Gebäudekomplexes ist der große Saal für das Philharmonieorchester Malmö. Er wurde nach dem akustischen Vorbild des Goldenen Saals im Wiener Musik­verein gestaltet, bietet 1.600 Zuhörern Platz und hat zum Ziel, der beste Konzertsaal Skandinaviens zu sein. Zu den wichtigsten Entwurfskriterien im Konferenzzentrum zählten die hohe Flexibilität der Räume und deren optimale Versorgung mit Tageslicht. Da die Nutzer bereits zu einem frühen Zeitpunkt involviert waren, konnten sie ihre Er­fahrungen mit logistischen Abläufen in den Entwurfsprozess einbringen.

Bei der Gestaltung der Hotelzimmer achteten Schmidt Hammer Lassen vor allem auf die Blickbeziehungen zur Umgebung. Durch die nahezu raumhohen Verglasungen erge­ben sich vertikale Panoramen, mit Aussicht auf den Himmel, den Horizont und die um­gebende Stadt.

LEED-Platin-Status für Nachhaltigkeit

Der gesamte Gebäudekomplex ist nach LEED-Platin-Status zertifiziert und erfüllt hohe Anforderungen an Energieeffizienz und die Schonung von Ressourcen - Beispiele:

  • Kleine Biotope auf den Dächern bieten Lebensraum für Vögel und Käfer.
  • Solar-Paneele gewinnen Energie, und auch Geothermie ist in das Projekt ein­gebunden.
  • Hotel und Kongresszentrum verfügen über ein hochmodernes Abfallmanagement.
  • Die Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel ist exzellent – und die Besucher und Hotelgäste werden auch angeregt, diese zu nutzen, da weniger Parkplätze rea­lisiert wurden, als nötig.

So ist Malmö Live nicht nur als Kultur- und Veranstaltungszentrum ein Gewinn für die Stadt. Auch architektonisch fügt sich das farbenfrohe Projekt sensibel und doch selbstbewusst in die bestehende Stadt ein und bereichert diese auf vielfältige Weise.

Weitere Informationen zu keramischen Fassade können per E-Mail an Moeding angefordert werden.

siehe auch für zusätzliche Informationen: