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Bauindustrie fordert u.a. mehr Design-and-Build-Verträge, Investitionswende und Bauen 4.0

Bericht von der Jahrespressekonferenz des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie anlässlich des „Tages der Deutschen Bauindustrie“ am 21.5.

(20.5.2015) Die deutsche Bauindustrie bezweifelt, dass die von der Bundesregie­rung aufgelegten Investitionsprogramme zügig in Projekte umgesetzt werden können. Anlässlich des Tages der Deutschen Bauindustrie (am 21.5.) wies der Präsident des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie Prof. Thomas Bauer darauf hin, dass viele Bauverwaltungen personell zu „ausgeblutet“ seien, um die notwendigen plane­rischen Vorarbeiten zeitnah leisten zu können. Bauer forderte Bund, Länder und Ge­meinden deshalb auf, ...

  • die Leistungsfähigkeit der öffentlichen Bauverwaltung durch Personalaufsto­ckung wieder herzustellen und
  • gegebenfalls auf das Know-how der Bauunternehmen in der Ausführungsplanung zurückgreifen - z.B. im Rahmen von Design-and-Build-Verträgen. (zur Erinne­rung: Bei diesem Verfahren gibt der Auftraggeber lediglich den Zweck des Bau­werks sowie seine wirtschaftlichen, gestalterischen und funktionalen Anforde­rungen vor. Der Anbieter hat dann die Möglichkeit, sein ganz eigenes Know How einzubringen. Er entwirft das Bauwerk unter Berücksichtigung all seiner Erfah­rungen und unterbreitet das Konzept mit einer Erläuterung und der Darstellung der Bauausführung zusammen mit seinem Preis dem Auftraggeber.)


zur Erinnerung: Foto aus dem Beitrag „Bauprotest in Berlin: 100 Millionen Euro in bürokratischen Warteschleifen“ vom 15.10.2014 (© Prof. Dr. Peter Kolbe, Berlin)

Grundlage für die Investitionswende sei gelegt

Gleichwohl habe die stetige Kritik am Zustand der Infrastruktur und an der öffentlichen Investitionszurückhaltung offenbar Früchte getragen, stellte Bauer fest. Der Bund ha­be die Grundlagen für die längst überfällige öffentliche Investitionswende inzwischen gelegt - mit ...

  • seinem 10 Mrd.-Euro-Programm für Bundesinvestitionen,
  • dem Sondervermögen „Kommunalinvestitionsförderungsfonds“ für finanzschwa­che Kommunen sowie
  • einer neuen Generation von ÖPP-Projekten

Ferner könne bis zum Ende der Legislaturperiode mit einer Aufstockung der Investi­tionslinie Verkehr von derzeit etwa 11 Mrd. auf knapp 13 Mrd. Euro im Jahre 2017 ge­rechnet werdeni.Außerden flössen 1,1 Mrd. Euro in den Ausbau der Breitbandnetze. Gleichzeitig würden 10 ÖPP-Verkehrsprojekte mit einem Investitionsvolumen von 7 Mrd. Euro an den Markt gebracht. Weitere etwa 500 Mio. Euro stünden für die ener­getische Sanierung im Gebäudebestand, den altersgerechten Umbau von Wohnungen und den Bau von Studentenheimen zur Verfügung - siehe u.a auch Baulinks-Beitrag „Bund verspricht weitere Investitionen und will finanzschwache Kommunen unter­stützen“ vom 3.3.2015.

Viele Maßnahmen erst 2016 und 2017 wirksam

Mit diesen Maßnahmen habe der Bund viel zur Aufhellung der Stimmung im öffentlichen Bau beigetragen, betonte Bauer. Die Bundesregierung reagiere damit auf den schlei­chenden Werteverzehr des öffentlichen Kapitalstocks. Trotzdem werde die deutsche Bauwirtschaft auch 2015 noch mit negativen öffentlichen Nettoinvestitionen leben müssen. Viele der angekündigten Maßnahmen würden wohl erst in den Jahren 2016 und 2017 wirksam. Der Hauptverband habe deshalb seine Umsatzerwartungen für 2015 auch nur leicht nach oben revidiert - und zwar auf nominal +1,5%.

„Bauen 4.0“ zur Digitalisierung der Bauwirtschaft

Für Bauer ist es darüber hinaus wichtig, dass Bauprojekte künftig termintreuer und kostensicherer umgesetzt werden. Dies gehe nur über mehr Partnerschaft in der Zu­sammenarbeit zwischen Bauherren, Planern und Bauwirtschaft. Dazu gehöre ...

  • die frühere Einbindung der Baukompetenz in den Planungsprozess,
  • die gemeinsame Weiterentwicklung der Projekte nach Zuschlagserteilung,
  • die Entwicklung von neuen Formen der Vergütung sowie
  • die Entwicklung von internen und externen Streitschlichtungsverfahren bis hin zur gesetzlich verankerten verpflichtenden Adjudikation auf Verlangen eines Projektpartners nach britischem Vorbild.

Gleichzeitig müsse die Bauwirtschaft aber auch den Anschluss an den Digitalisierungs­prozess finden, der derzeit die gesamte deutsche Wirtschaft erfasse. Der diesjährige Tag der Deutschen Bauindustrie stehe deshalb ganz bewusst unter der Überschrift „Bauen 4.0 - Neuen Ideen Raum geben“.

siehe auch für zusätzliche Informationen: