Redaktion  || < älter 2015/0872 jünger > >>|  

GVSS: Asbesthaltige Spachtelmassen und Fliesenkleber in einem Viertel 20 Jahre alter Bauten


  

(18.5.2015; upgedatet am 25.6.: Diskussionspapier ist nun downloadbar!) Obwohl die Herstellung und Verarbeitung von As­best seit 1993 in Deutschland verboten ist, gilt die tödliche Gefahr von dem einst speziell in der Bauindustrie so geschätz­ten Werkstoff als längst nicht ausgestanden. Bis heute sind viele Baustoffe mit Asbestfasern in zahlreichen Bauwerken er­halten geblieben. Nutzer und Handwerker sind den Gefahren oft ungeschützt ausgesetzt, ohne es zu wissen. Fachexper­ten stellten laut Gesamtverband Schadstoffsanierung (GVSS) bei intensiven Prüfungen fest, dass die relativ unauffälligen asbesthaltigen Spachtelmassen oder Fliesenkleber in unge­fähr einem Viertel der vor 1995 errichteten Gebäude vorhan­den sind.

Neuer GVSS-Leitfaden zum Umgang mit diesen krebsauslösenden Materialien angekündigt!

Diese bislang kaum beachteten Gefahrenquellen stellen ein erhebliches Risiko dar. So­wohl bei Abbruch und Sanierung als auch bei Instandsetzungsarbeiten werden erheb­liche Mengen Asbestfasern freigesetzt und mit der Raumluft unwissentlich eingeatmet. Aber auch bei einem einfachen Tapetenwechsel kann es zu erhöhten Asbest­werten in der Raumluft kommen.

Fest steht aber auch: Im Rahmen der normalen Raumnutzung kommt es durch asbest­haltige Spachtelmassen und Fliesenkleber zu keinerlei Gefährdungen.

zur Erinnerung: Latenzzeit von 15 bis 40 Jahren

Mit einer Latenzzeit von 15 bis 40 Jahren können sich Krebserkrankungen in den At­mungsorganen oder im Bauch- und Rippenfellraum bilden. Nach Einschätzung der Bun­desregierung sterben pro Jahr mehr als 1.500 Menschen an einer asbestbedingten schweren Erkrankung. Europaweit rechnet man bis zum Jahr 2020 mit bis zu 500.000 Toten durch Asbest. Diese Größenordnungen sind vergleichbar mit den Opferzahlen aus dem Straßenverkehr, ohne aber eine gleichwertige Beachtung zu finden.

Viele Branchen, Bauprofis und Heimwerker betroffen

Asbest steckt bekanntermaßen z.B. in Dachplatten, Fassadenelementen, Brand­schutzwänden, Installationskanälen und Fußbodenbelägen. Weniger bekannt, aber dadurch nicht minder gefährlich, ist die Tatsache, dass auch diverse Putze, Spachtel­massen und Fliesenkleber Asbestanteile enthalten. Insofern sind Beschäftigte vieler Branchen - etwa Maler, Fliesenleger, Trockenbauer, Sanitär- und Heizungsinstallateu­re oder Hausmeister - nach wie vor erheblichen Risiken ausgesetzt. Da sie die Gefahr nicht erahnen, werden keinerlei Schutzmaßnahmen ergriffen. Hier sind neben den Bau­profis auch Heimwerker betroffen, denn sobald sie von einer Zimmerwand mit asbest­haltigem Spachtelgrund alte Tapeten abreißen und vielleicht noch die Flächen über­schleifen, werden sie bereits dadurch einer hohen Asbestfaserbelastung ausgesetzt.

GVSS fordert einheitliche Regeln und verbindliches Kataster

Der Gesamtverband Schadstoffsanierung e.V. (GVSS) engagiert sich angesichts der Diskrepanz zwischen Risiko und Schutzmaßnahmen seit Jahren dafür, eindeutigere Re­gelungen für den Umgang mit diesem Asbestproblem in Deutschland zu treffen. Der GVSS-Vorsitzende Christoph Hohlweck stellte in diesem Kontext unlängst fest: „Auch mehr als 20 Jahre nach dem Verbot hat unsere Gesellschaft die mit dem Asbest ver­bundenen Herausforderungen noch längst nicht gemeistert. Asbesthaltige Spachtel­massen und Fliesenkleber sind in unserem Baubestand weit verbreitet, aber sie wer­den selten erkannt. Heimwerker und Bauprofis inhalieren täglich die tödliche Gefahr, ohne es auch nur zu ahnen. Wir brauchen dringend ein verbindliches Asbestka­taster für den Bestand an Altbauten, sonst werden wir die sich fortsetzenden persönlichen und volkswirtschaftlichen Schäden nicht eindämmen. Es ist an der Zeit, diese bereits im Jahr 2012 von der europäischen Dachorganisation der Bau­gewerkschaften erhobene Forderung umzusetzen.“

http://www.archmatic.com/phpclick/go.php4?http://www.gesamtverband-schadstoff.de/files/gvss_fachkonferenz_2015_06_18.pdf

Der GVSS e.V. veranstaltet mit Unterstützung der VDI-Gesellschaft Bauen und Gebäu­detechnik speziell zum Thema der asbesthaltigen Spachtelmassen, Putze und Fliesen­kleber am 18. Juni 2015 eine Fachkonferenz in Essen. Im Mittelpunkt der Veranstal­tung wird der aktuelle Leitfaden zur Erkundung, Bewertung und Sanierung dieser As­bestprodukte in Gebäuden stehen - siehe PDF-Flyer mit Programm und Fax-Vorlage für die Anmeldung.

Das VDI/GVSS-Diskussionspapier „Asbesthaltige Putze, Spachtelmassen und Fliesenkleber in Gebäuden - Diskussionspapier zu Erkundung, Bewertung und Sanierung“ ist unter gesamtverband-schadstoff.de > Publikationen downloadbar (direkter PDF-Download).

siehe auch für zusätzliche Informationen: