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Fenstermarkt 2014 im erweiterten Europa leicht im Minus

(7.4.2015) Der Fenstermarkt in Europa und den wichtigsten angrenzenden Ländern ist 2014 um insgesamt 0,7% im Vergleich zum Vorjahr geschrumpft - von 127,1 Millionen Fenstereinheiten (FE) á 1,3 x 1,3 Metern 2013 auf rund 126,1 Millionen Fenstereinhei­ten 2014. Zu dieser Prognose kommt die Arbeitsgruppe für europäische Marktzahlen des Verbandes Fenster + Fassade (VFF), deren Ergebnisse durch das Künzelsauer In­stitut für Marketing an der Hochschule Heilbronn (KIM) bearbeitet und als Studie zu­sammengefasst wurden. Damit bleibt die Lage noch relativ stabil, nachdem der Markt 2009 um fast 21% von 161,3 auf 127,9 Millionen FE eingebrochen war und nach posi­tiven Ausschlägen 2010 und 2011 (plus 3,4 und plus 0,3%) 2012 und 2013 leichte Rückgänge von 1,7 und 3,0% verzeichnen musste.

Neben den europäischen Gesamtzahlen, die auf Grunddaten des statistischen Amtes der Europäischen Union (Eurostat) basieren, beleuchtet die Studie aktuelle Zahlen, Prognosen und Trendkurven der 28 EU-Staaten, der östlichen Nachbarn Russland und Ukraine sowie der übrigen Nachbarn Norwegen, Schweiz und Türkei inklusive des tür­kischen Teils der Insel Zypern und geht ausführlich auf die Unterschiede bei den Rah­menmaterialien ein. „Von der Studie wird jetzt übrigens auch Kroatien erfasst und die entsprechenden Fenstereinheiten des Landes fließen ab 2012 in der Zeitreihenbe­trachtung mit ein“, erklärte der VFF-Geschäftsführer Ulrich Tschorn bei der Vorstel­lung der Studie.

Die Entwicklung bei den großen europäischen Marktgruppen

Von den rund 126,1 Millionen Fenstereinheiten, die für Europa für 2014 prognostiziert werden, entfallen rund 70,1 Millionen FE auf die 28 Mitgliedsstaaten der Europäischen Union. Rund 24,9 Millionen FE wurden in Norwegen, in der Schweiz und in der Türkei abgesetzt und rund 31,1 Millionen FE in Russland und der Ukraine. Die EU-Länder ha­ben damit einen Anteil von rund 55,6% am europäischen Fenstermarkt, die Gruppe Norwegen, Schweiz und Türkei von rund 19,7% und die Gruppe Russland und Ukraine von rund 24,7%. „Die Nachbarstaaten, die nicht in der EU sind, repräsentieren mehr als 44% des Marktes. Das bietet allen Krisen zum Trotz Chancen für exportorientierte Fenster- und Fassadenbauer und deren Systempartner“, so Tschorn.

Rahmenanteile 2012/2013: Kunststoff liegt bei den Betrachtungsgruppen vorne

Der Anteil der einzelnen Rahmenmaterialien hat sich laut der VFF-Studie insgesamt leicht zugunsten von Holz-/Metall-Konstruktionen verändert:

  • Kunststoff blieb 2013 quasi identisch bei rund 61,7% (nach gerundet 61,7% im Jahr 2012).
  • Gleichbleibend fielen auch die Werte bei Metall und Holz aus. Hier schlagen je­weils rund 18,3% bei Metall sowie jeweils rund 15,8% bei Holz zu Buche.
  • Eine minimale Steigerung verzeichnen hingegen Holz-/Metall-Konstruktionen. Sie konnten ihren Anteil von rund 4,1% 2012 auf rund 4,3% 2013 steigern.

Größere Unterschiede ergeben sich allerdings bei der Beobachtung der einzelnen Be­trachtungsgruppen. Während 2013 der Anteil von Kunststofffenstern in den 28 EU-Ländern bei gerundet 50,8, der Anteil von Metall bei rund 22,9, der von Holz bei rund 20,2 und der von Holz/Metall bei rund 6% lag, waren es in Norwegen, der Schweiz und der Türkei zusammen gerundet 68,4% Kunststofffenster, rund 17,7% Metall, rund 10,2% Holz und rund 3,7% Holz/Metall. „Der höhere Anteil von Metall- und Holzfens­tern in den 28 EU-Staaten geht vornehmlich auf die Vorliebe von Ländern wie Italien, Griechenland, Spanien, Portugal und Malta für Metall und von den Ländern des Nord­ens für Holz zurück“, erklärt Tschorn die Unterschiede. Dagegen dominieren in Russ­land und der Ukraine eindeutig Kunststofffenster: Rund 79,8% Marktanteil stehen hier rund 8,8% Metall, rund 10,3% Holz und rund einem Prozent Holz/Metall gegenüber.

Die Länder mit dem größten Modernisierungspotenzial – Tops und Flops

Betrachtet man die für die Fenster- und Fassadenbranche wichtigsten Länder mit dem größten Modernisierungspotenzial auf Basis des vorhandenen Fensterbestands, so lässt sich feststellen, dass die Zeichen in Deutschland, Polen und im Vereinigten Königreich aktuell auf Wachstum stehen:

  • In Deutschland wuchs der Markt 2013 um 1,1%, für 2014 werden plus 2,7% prognostiziert und der Trend für 2015 steht ebenfalls auf Wachstum.
  • Polen musste zwar 2013 ein Minus von 4,6% verkraften, jedoch werden für 2014 plus 2,7% prognostiziert und auch der Trend für 2015 ist positiv.
  • Noch besser sieht es im Vereinigten Königreich aus. Ein Plus von einem Prozent 2013, eine Prognose von plus 3,7% 2014 und ein positiver Trend sprechen eine positive Sprache.

Eher verhalten ist die Lage in Russland und Frankreich:

  • In Russland gab der Markt 2013 um ganze 8% nach, für 2014 wird eine glatte „Null“ prognostiziert und die Zeichen für 2015 sehen eher düster aus.
  • Stillstand wird für Frankreich gemeldet: Nach einem Minus von 5,4% 2013 und einer prognostizierten „Null“ 2014 wird auch weiterhin von keinen signifikanten Steigerungen ausgegangen.

Ein Wechselbad der Gefühle erlebt derzeit die Türkei. Nach einem ordentlichen Plus von 9,6% 2013 wird für 2014 ein größeres Minus von 7,1% prognostiziert bei aller­dings recht freundlichen Aussichten für 2015. „Hier erkennt man ganz eindeutig ein Abbild der aktuellen politischen und wirtschaftlichen Lage in Europa und dem europä­ischen Umfeld. Bleibt zu hoffen, dass die Situation sich insgesamt betrachtet wieder stabilisiert“, so Tschorn.

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