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Bauherren-Schutzbund: Steigende Bauschadenkosten und mangelnde Rechtssicherheit


  

(16.3.2015) Der aktuelle Forschungsbericht „Analyse der Ent­wicklung der Bauschäden und Bauschadenkosten“, ein Gemein­schaftsprojekt von Bauherren-Schutzbund (BSB), AIA und dem Institut für Bauforschung, zeigt:

  • die Verdoppelung der Anzahl der Versicherungsschäden im Zeitraum von 2009 bis 2013 ist ein Spiegelbild der Entwicklung der Bauschäden im Wohnungsbau,
  • die durchschnittlichen Bauschadenkosten haben sich von 33.000 Euro im Jahr 2002 auf 67.000 Euro im Jahr 2013 mehr als verdoppelt,
  • die analysierten 4.837 Bauschäden repräsentieren eine Gesamtschadenssumme von 215 Millionen Euro,
  • 22% der Bauschäden treten während der Bauzeit auf und insgesamt 54% im ersten bis dritten Jahr in der Gewährleistungsfrist und
  • die durchschnittlichen Streitwerte von 42.000 Euro bei Baurechtsstreitigkeiten dokumentieren das hohe Prozesskostenrisiko für private Bauherren.


(Schadenzahlen 2013 hochgerechnet) Grafik von Seite 7 des Berichts

Angesichts der Komplexität des Bauprozesses gibt es einen starken Anstieg bei Bau­schäden mit Auswirkungen auf mehrere Bauteile. Neben den schon seit vielen Jahren bestehenden typischen Schadenbildern bei der Gebäudeabdichtung, beim Brand- und Schallschutz sowie der Luftdichtheit der Gebäudehülle sind besonders hohe Steige­rungsraten im Bereich der Wärmedämmung und der Haustechnik zu verzeichnen.

Ausgewählte Schadenstellen in %

Grafik von Seite 12 des Berichts (Bild vergrößern)

Die Auswertung baubegleitender Qualitätskontrollen verweist darauf, dass Baumängel - wenn nicht rechtzeitig erkannt und beseitigt - später zu Bauschäden führen, deren Beseitigungs­kosten die Mängelbeseitigungskosten um ein Vielfaches über­steigen. Dabei sind laut einer gemeinsamen Untersuchung des Instituts für Bauforschung und des BSB wesentliche Ursachen für Mängel ...

  • 21% Planungsfehler,
  • 25% Bauleitungsfehler,
  • 45% Fehler in der Bauausführung,
  • 6% Materialfehler und
  • 3% unvorhersehbare Einflüsse.

Mangelnde Rechtssicherheit für private Bauherren

Der Forschungsbericht sowie Umfragen des Bauherren-Schutzbundes dokumentieren zugleich die große Rechtsunsicherheit, das steigende Prozesskostenrisiko für private Bauherren und das hohe Konfliktpotenzial am Bau. Zahlreiche Bauverträge enthalten Fallstricke - wie zum Beispiel fehlende Sicherheitsleistungen, unausgewogene Zah­lungspläne, unvollständige Bau- und Leistungsbeschreibungen und fehlende Regelun­gen zur Bauzeit - sowie verbraucherfeindliche Vertragsklauseln. An Konflikten betei­ligt sind laut einer Auswertung des BSB von 1.800 anwaltlichen Mandaten mit Ver­brauchern ...

  • Bauträger, Generalunternehmer und Generalübernehmer mit mehr als 50%,
  • Architekten mit 14%,
  • Einzelgewerke mit 17%,
  • Sonderfachleute mit fast 9% und
  • Versicherungen mit 7%.

Weil es in Deutschland an gesetzlichen Regelungen zum Verbraucherschutz bei Bau­verträgen und Bauträgerverträgen fehlt, wachsen das Konfliktpotenzial am Bau und die rechtlichen Risiken für private Bauherren und Erwerber. „Der Bauherren-Schutz­bund unterstützt deshalb die Vereinbarungen im Koalitionsvertrag zum Ausbau des Verbraucherschutzes für private Bauherren und besonders zur Stärkung der Verbrau­cherrechte im Bauvertragsrecht“, so Peter Mauel, 1. Vorsitzender des BSB. Im Kern geht es aus Verbrauchersicht um gesetzliche Regelungen zur Einführung eines Wider­rufsrechts bei Bauverträgen, um Sicherheitsleistungen für Verbraucher, um eine ge­setzliche Leistungsbeschreibungspflicht für Unternehmer, um Festlegungen zur Bau­zeit sowie zur Übergabe von Planungsunterlagen und technischer Nachweise. „Män­gelfreies Bauen und Sicherheit für private Bauherren im Alt- und Neubau, für Immobi­lienerwerber und Wohneigentümer ist und bleibt ein wichtiges Anliegen des BSB“, be­kräftigt Peter Mauel.


Grafik von Seite 10 des Berichts

Der Forschungsbericht „Analyse der Entwicklung der Bauschäden und Bauscha­denkosten“ ist kostenlos unter bsb-ev.de > Analysen und Studien downloadbar (direkter PDF-Download).

siehe auch für zusätzliche Informationen: