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Wie ein Bühnenvorhang: Textilfassade für die Musikschule Erftstadt

(21.10.2014) Die Musikschule Erftstadt, in der jährlich über 700 Musikschüler unter­richtet werden, war bisher in einem alten Gebäude untergebracht, das zuletzt von den Ressourcen her an seine Grenzen stieß und zudem einer grundlegenden Sanierung be­durft hätte. Nachdem aber ein Investor gefunden war, der eine Stiftung für die Musik­schule ins Leben gerufen hatte, konnte man über einen Neubau nachdenken. (siehe auch Google-Maps)


alle Fotos: Serge Ferrari / Fotograf: Philip Kistner (Bild vergrößern)

Neben dem Anspruch, die komplette Musikschule in einem Gebäude unterzubringen, sollte mit einem Konzertsaal für bis zu 250 Besucher ein neues, musikalisches Kultur­zentrum entstehen. Eine weitere Vorgabe bestand darin, den Betrieb von Musikschule und Konzertsaal sowohl miteinander als auch getrennt voneinander zu ermöglichen, ohne dass sich die jeweilige Akustik und Besucherströme stören.

Hierzu wurden zwei L-förmig angeordnete, kubische Baukörper geschaffen, die über einem Glasbau miteinander verbunden sind und erschlossen werden. Innerhalb des zweigeschossigen Hauptgebäudes mit einer Grundfläche von 300 m² pro Geschoss ist im 1. Stock der Konzertsaal mit einer Empore untergebracht. Der zweite Baukörper - die eigentliche Musikschule - erstreckt über drei Geschosse mit jeweils 280 m² Fläche. Das EG, in dem sich die Musiksäle für die „lauten Instrumente“ befinden, ist dabei um ein Halbgeschoss in den Untergrund versetzt.

„Vorhangfassade“ visualisiert das künstlerische Schaffen im Gebäudeinneren

Da im Umfeld des Gebäudes keine besonderen architektoni­schen Highlights zu berücksichtigen waren, konnte eine freie Bebauung umgesetzt werden. Leitgedanke für den Entwurf war, die Musikschule eher als konventionelles Gebäude mit einer in der Region weit verbreiteten Klinkerfassade zu bau­en, jedoch mit einer großen Glasfassade als Entree an der Südseite aufzuwerten. Zusätzlich sollte das künstlerische Schaffen im Konzertsaal-Gebäude über einen besonderen Fassadenentwurf inszeniert und nach außen transportiert werden.

Hierbei gingen die Entwürfe sehr schnell in eine Richtung mit freien Formen, welche jedoch durch die Vorgabe des Akusti­kers - den Konzertsaal für eine ausgewogene Raumakustik als Kubus auszubilden - sehr eingeschränkt wurde. Vor die­sem Hintergrund wurde in Zusammenarbeit mit der Firma Typico eine geschwungene, dreidimensionale Textilfassade entwickelt.

Die Textilfassade wurde bewusst als homogene Fläche ohne Fensteröffnungen gestal­tet, so dass tagsüber das Gebäude wie durch einem Bühnenvorhang verhüllt wirkt. In der Abendansicht tritt dagegen die Lichtinszenierung rund um den Konzertsaal durch das Textilgewebe nach außen und transportiert aufmerksamkeitsstark das jeweilige Konzertereignis.

Zugleich dient die Textilfassade der Verschattung und Entblendung bei direkter Ein­strahlung von Sonnenlicht, so dass keine zusätzlichen Verschattungselemente instal­liert werden mussten. Andererseits ermöglicht die vergleichsweise hohe Transparenz der verwendeten Membran Stamisol FT von Serge Ferrari den visuellen Kontakt von innen nach außen.

Zur Befestigung und Ausformung der Textilfassade wurden zwei parallele, geschwungene Kränze im Abstand von 9 Me­tern auf Boden- bzw. Deckenhöhe des  Obergeschoss an un­terschiedlich langen Kragarmen angebracht. Die sich so erge­benden Schwünge dieser Kränze sind gegenläufig.

Zur weiteren Steigerung der optischen Wirkung wurde hinter der Textilfassade die Wärmedämmung mit der Fassadenmem­bran Stamisol Color in einem sehr kräftigen Grünton über­spannt: Während tagsüber sich das Anthrazit der Textilfassa­de in den Vordergrund stellt und die farbige Fassadenmembran nur changierend durch das netzartige Material durchscheint, tritt es in der nächtlichen Beleuchtungssituation umso stärker als Farbakzent hervor. Zudem kommt es durch das farbliche Zusammenspiel von farbiger Fassadenmembran und Textilfas­sade zu einer bemerkenswerten räumlichen Tiefenwirkung.

Bautafel:

Weitere Informationen zu Textilfassaden können per E-Mail an Serge Ferrari angefordert werden.

siehe auch für zusätzliche Informationen: