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Kleinstädte in ländlichen Regionen: Welche Potenziale hat die Peripherie?

Kleinstädte in der Peripherie: IRS Aktuell: Magazin für sozialwissenschaftliche Raumforschung
  

(22.6.2014) „Kleinstadt“ und „Peripherie“ - allein diese Begriffe wecken Assoziationen einer doppelten Bedeutungslosigkeit:

  • Die geringe Größe der Städte erschwert eine überregio­nale Bekanntheit,
  • die periphere Lage abseits der großen Städte und Bal­lungsräume schränkt die Entwicklungschancen stark ein.

Und ein Blick in die Statistiken bestätigt, dass Kleinstädte in peripheren Regionen besonders stark von den Problemen des demografischen Wandels und der wirtschaftlichen Struktur­schwäche betroffen sind. Ein positiver Blick nach vorne fällt da schwer. In dem „IRS aktuell“-Themenheft Nr. 79 des Leib­niz-Instituts für Regionalentwicklung und Strukturplanung (IRS) zeigen Forscher gleichwohl auf, dass Potenziale vorhanden sind und genutzt werden können - trotz der großen Herausforderungen an diesen Siedlungstyp:

  • Größe und Lage engen den Spielraum der Lokalpolitik ein und machen Kleinstäd­te anfällig für die Probleme, die durch den demografischen Wandel und die wirt­schaftliche Strukturschwäche hervorgerufen werden.
  • Bevölkerungs- und Beschäftigungsrückgang, Arbeitslosigkeit, niedrige Kaufkraft, zentralörtliche Funktionsverluste und der Abbau von sozialen und technischen Infrastrukturen sind einige der Probleme, mit denen periphere Kleinstädte häufig zu kämpfen haben.

„Diese negativen Entwicklungsdynamiken sind beileibe kein Randphänomen in Deutsch­land“, betont Dr. Manfred Kühn, kommissarischer Leiter der Forschungsabteilung „Re­generierung von Städten“ des IRS.

  • Es gibt insgesamt 1.303 Städte unter 20.000 Einwohnern in peripheren Lagen.
  • In mehr als 1.200 sinkt die Bevölkerungszahl.
  • Insgesamt rund 11,7 Millionen Menschen (14% der Gesamtbevölkerung) wohnen in peripheren Kleinstädten.

Vermeintliche Lagenachteile in Potenziale umdeuten

Ein ausschließlich negatives Bild zu zeichnen ist aufgrund der Erkenntnisse von Kühn und seinen Kollegen am IRS jedoch nicht adäquat: „Wir haben mehrere Hebel identi­fiziert, mit Hilfe derer die Städte die Kontrolle über ihre Entwicklungsprozesse zurück­erlangen können“, so Kühn. Dies könne gelingen, wenn die vermeintlichen Lagenach­teile in Potenziale umgedeutet werden und bestehende Fördermöglichkeiten und Ver­netzungsinitiativen kreativ genutzt werden. Potenziale der peripheren Lage sieht eine Studie, die Kühn im Auftrag des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) und des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicher­heit (BMUB) gemeinsam mit Kollegen erarbeitet hat, beispielsweise ...

  • in den städtebaulichen Qualitäten, die zu einem attraktiven Wohnumfeld bei­tragen,
  • im Tourismus und
  • in der Energiewirtschaft.

Aber auch Fördertöpfe wie das Programm Stadtumbau Ost können Kleinstädten in pe­ripherer Lage helfen, den vermeintlichen Teufelskreis zu durchbrechen. „In der Bun­destransferstelle haben wir einige Städte wissenschaftlich begleitet, die Fördermittel innovativ und zielgerichtet eingesetzt haben, um die genannten Potenziale zu stär­ken“, sagt Dr. Anja Nelle, Leiterin der Transferstelle.

Die aktuelle Ausgabe des Institutsmagazins „IRS aktuell“ bietet einen Überblick über die IRS-Forschungen zur Zukunft von Kleinstädten im ländlichen Raum. Kleinstädte fristen auch in der raumbezogenen Forschung ein Schattendasein, da sie zwischen den klassischen Raumtypen von „Stadt“ und „Land“ liegen. Die Stadtforschung in­teressiert sich für die Metropolen und Großstädte, die als Zentren des Wissens, der Kreativität und Innovationen gelten. Die Forschung zum ländlichen Raum beschäftigt sich traditionell mit Fragen der Agrar-, Dorf- und Regionalentwicklung. Das IRS hat jedoch - in unterschiedlichen Zusammenhängen - Forschungen zu peripheren länd­lichen Kleinstädten durchgeführt und Erkenntnisse über ihre Probleme und Handlungs­optionen gewonnen.

Das „IRS aktuell“-Themenheft Nr. 79 mit dem Titel „Kleinstädte in der Peripherie“ ist downloadbar unter irs-net.de > IRS aktuell > Archiv (direkter PDF-Down­load).

siehe auch für zusätzliche Informationen: