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Deloittes European M&A Construction Monitor: Konsolidierung der Baubranche im Wartestand

(26.1.2014) Der aktuelle European M&A Construction Monitor von Deloitte zeigt, dass die Zahl der Transaktionen einschließ­lich Mergers & Acquisitions (M&A) 2012 in der europäischen Baubranche leicht über dem Vorjahr lag, allerdings bei weniger grenzübergreifenden M&As - und auch 2013 blieben die Aktivi­täten etwa auf diesem Niveau. In Deutschland wie auch euro­paweit tätigen vor allem finanzstarke Baukonzerne vermehrt Zukäufe, um sich für künftige Herausforderungen strategisch aufzustellen. Andere Unternehmen stoßen Sparten ab, die nicht zum Kerngeschäft gehören, um entsprechende finanziel­le Mittel zu generieren. Gerade Letzteres wird sich in den kom­menden Jahren noch verstärken. Insgesamt gab es in der Bau­industrie im Jahr 2012 europaweit die meisten Insolvenzen al­ler Branchen, jedoch scheint der Abwärts­trend ge­stoppt oder zumindest verlangsamt.

„Seit 2009 liegt die Transaktionszahl in der europäischen Bauindustrie in etwa auf demselben Niveau - mit leichten Schwankungen, denn die schwierigen Rahmenbedin­gungen, insbesondere im Süden Europas haben die Unternehmen noch im Griff. Darin begründet sich auch das relativ geringe Volumen der einzelnen Deals, an dem sich auch 2014 wenig ändern wird“, kommentiert Michael Müller, Partner und Leiter Real Estate bei Deloitte.

Kaum Bewegung bei M&As

2012 gab es in der europäischen Baubranche insgesamt 122 Deals - eine Steigerung von 18 gegenüber 2011 und genau im Durchschnitt von 2009 bis 2012. Im ersten Halbjahr 2013 lag die Zahl bei 58 und damit um 14 niedriger als im Vergleichszeitraum 2012. Der Wert von 244 Transaktionen im Jahr 2007 scheint bis auf Weiteres nicht in Sicht, insgesamt wird mit einer Stagnation auf aktuellem Level gerechnet.

Vorbereitung auf die Zukunft

Einige, vor allem größere und finanzstarke Konzerne bereiten sich auf die erwarteten strategischen Herausforderungen der nächsten Jahre vor: Sie tätigen gezielt Zukäufe, die ihnen neue, profitable Geschäftsfelder etwa im Bereich Services erschließen. Di­versifizierung heißt hier die Devise, sowohl das Produktspektrum als auch die regiona­le Marktpräsenz betreffend. Im Jahr 2012 stammte knapp ein Viertel der Einkünfte der größten europäischen Baukonzerne aus Bereichen abseits ihres Kerngeschäfts. Insge­samt erzielten die am stärksten diversifizierten Unternehmen die besten Resultate.

Diversifizierung im Fokus


The outlook on M&A activity in Europe (Seite 16, Bild vergrößern)
  

Attraktive Übernahmeobjekte waren 2012/2013 vor allem Un­ternehmen im Service- und Infrastrukturbereich sowie Her­steller aus dem Umfeld der Bauwirtschaft - wie z.B. der Ge­bäudetechnik. Mit Blick auf die eher geringe Größe der ent­sprechenden Firmen blieben die Dealvolumina allerdings ver­gleichsweise klein. Eine zentrale Rolle bei der Diversifizierung spielen das Life-Cycle-Management und die entsprechenden DBFM(O)-Verträge (Design, Build, Finance, Maintain, Opera­te) für ein integriertes Serviceangebot. Trotz leicht sinken­der Margen sehen viele Konzerne nach wie vor hier die at­traktivsten Wachstumspotenziale.

Konzentration aufs Kerngeschäft

Ein gegenläufiger Trend ist das gezielte Abstoßen von Ge­schäftsfeldern und die Konzentration auf das Kerngeschäft, um im Preiskampf mithalten zu können und dabei durch Aufstockung der R&D-Aktivi­täten optimale Qualität zu liefern. Auch dieser Trend dürfte sich in den kommenden Jahren verstärken.

Deutschland: Aktivität leicht über europäischem Schnitt

Beide Tendenzen sind auch in Deutschland zu erkennen. Dabei lag die Zahl der Trans­aktionen in den vergangenen Jahren hier vergleichsweise hoch - und wird auch in na­her Zukunft auf diesem Niveau verharren. Zu erwarten sind hauptsächlich Deals mit mittlerem Volumen, der Schwerpunkt wird auf der Erschließung neuer Kompetenzfelder oder Regionen liegen. Ein nach wie vor umstrittenes Thema sind dabei PPPs, obwohl gerade im öffentlichen Bereich ein massiver Investitionsstau besteht.

Internationalisierung mit Risiken

Über die Hälfte ihres Umsatzes erzielten die Top-50-Unternehmen der Branche 2012 im Auslandsgeschäft. Die Margen der am stärksten internationalisierten Konzerne la­gen unter anderem wegen der entsprechenden Markteinstiegskosten etwas niedriger als beim eher binnenmarktorientierten Wettbewerb. Der Trend zur Internationalisie­rung schien sich 2012 abzuschwächen, erstarkte dann im ersten Halbjahr 2013 aber erneut. Entsprechend niedrig lag 2012 die Zahl der grenzübergreifenden Deals: Ihr Anteil betrug 29 Prozent gegenüber 40 Prozent im Vorjahr.

Pleitewelle verebbt?

Auch 2012 und 2013 war die Baubranche eine der am härtesten von der Krise betrof­fenen Sektoren. Trotz leichter Erholungssignale gab es 2012 die meisten Insol­venzen aller Branchen. Der Abwärtstrend scheint jedoch gestoppt, was darauf hin­weist, dass einige Unternehmen in ihrer Strategieausrichtung erfolgreich sind. Dazu haben oft auch die Banken beigetragen, die ebenfalls ein starkes Interesse an der In­solvenzvermeidung haben. Auf der anderen Seite wächst die Attraktivität der Branche für Private-Equity-Investoren.

„Nach allgemeiner Einschätzung steht die Branche vor einer Konsolidierungsbewegung, was sich derzeit aber noch nicht in wachsenden Transaktionen niederschlägt. Nach wie vor sind knappe Margen die Realität. Der Trend zur stärkeren Internationalisierung und Diversifikation wird auch in 2014 anhalten“, schließt Michael Müller.

 Der kompletten Report ist unter deloitte.com > Branchen > Real Estate (direkter PDF-Download).

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