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Bericht vom 6. OWL Abwassertag  in Steinhagen

(17.12.2013) 130 Zuhörer haben am 7. November 2013 am 6. OWL Abwassertag im Forum der Jung Pumpen GmbH teilgenommen. Im Zentrum der Tagung standen die künftigen Herausforderungen für die Abwasserwirtschaft unter dem Motto „Abwas­ser im Wandel“. Dabei spielte auch die viel diskutierte Dichtheitsprüfung von Grund­stücksentwässerungsanlagen eine wesentliche Rolle.


Veranstalter und Referenten des OWL-Abwassertages: Dr.-Ing. Andreas Kämpf, Dipl.-Ing. Dieter Weismann, Dipl.-Ing. Stefan Buche, Prof. Dr.-Ing. Ute Austermann-Haun, Dipl.-Ing. Bert Schumacher, Daniela Deifuß-Kruse, Prof. Dr.-Ing. Paul Uwe Thamsen, Marco Koch

Die Diskussion über den Sinn und Zweck, die Fristen sowie die finanzielle Angemessen­heit der Dichtheitsprüfung ist in den vergangenen Jahren heftig und vielfach wenig sachlich geführt worden. Dem Thema „Dichtheitsprüfung“ (oder besser: „Zustands- und Funktionsprüfung“) wurde - in NRW auch bedingt durch die Landtagswahl 2012 - von den Kommunen wenig Beachtung geschenkt. Nach der Neuformierung des Land­tages wurde aber wieder aktiv an einer Neuregelung gearbeitet, die im März 2013 in Kraft getreten ist.

Dichtheitsprüfung – ein reizbares Thema

Im einleitenden Vortrag stellte RBD Dipl.-Ing. Bert Schumacher, Hauptdezernent für Abfallwirtschaft von der Bezirksregierung Detmold, die neuen rechtlichen Regelungen zur Zustandserfassung von Grundstücksentwässerungsleitungen vor. Neben den be­kannten Modifikationen im Gesetz, so z.B. dass vor allem Rohrleitungen in Wasser­schutzgebieten unter Fristsetzungen zu prüfen sind, wurde deutlich gemacht, dass die Kommunen die Freiheit erhalten, per Satzung auch außerhalb von Wasserschutz­zonen eigene Vorgaben zu machen. Von diesen „Freiheiten“ solle dann Gebrauch ge­macht werden, wenn durch Fremdwasser eine zu starke Belastung auf den Kläranla­gen bestehe.

Allein dieser Sachverhalt markierte im Laufe der Veranstaltung ein Spannungsfeld un­ter den Referenten. Zwischen dem zuständigen Dezernenten für Wasserwirtschaft im Regierungsbezirk Detmold Bert Schumacher und der Rechtsanwältin für Umweltrecht Daniela Deifuß-Kruse kam es zu einem interessanten Schlagabtausch, in dem die An­wältin mehrere Schwachstellen als „handwerkliche Fehler“ im neuen Gesetz aufdeckte. Im Rahmen ihres Vortrages nahm sie die rechtlichen Aspekte dieser neuen Verordnung, vor allem in Hinblick auf die Durchsetzung und daraus abgeleitete Rechte und Pflichten für Kommunen, unter die Lupe.

Fremdwasser – ein schwer zu erfassendes Medium

Neben der Exfiltration von Abwasser ins Grundwasser ist die Infiltration von Grundwas­ser (Fremdwasser) in das schadhafte Abwasserleitungssystem einer der beiden grund­sätzlichen Ansätze für die seit Jahren laufende fachliche Auseinandersetzung mit die­ser Thematik. Dabei ist die Fremdwasserproblematik ein wesentlicher Punkt und wurde ebenfalls durch weitere Vorträge veranschaulicht.

Professorin Dr.-Ing. Austermann-Haun von der Hochschule OWL stellte die Auswirkun­gen von Fremdwasser auf den Kanal und die verfahrenstechnischen Anlagen auf Klär­anlagen dar. So wurden anhand von diversen Untersuchungen auf unterschiedlichen Kläranlagen die Veränderungen und negativen Auswirkungen von Fremdwasser auf Ab­wassertemperatur, Nitratfracht, Zulaufkonzentrationen, Säurekapazität und letztlich auch auf die Reinigungsleistung (C-, N-, P-Elimination) der Kläranlage verdeutlicht.

In seinem zweiten Vortrag ging RBD Dipl.-Ing. Bert Schumacher speziell auf die Proble­matik im Umgang mit Drainagewasser auf privaten Grundstücken ein. Demnach seien Drainageanschlüsse ein wichtiger Teilaspekt des Fremdwasserproblems und stellten unabhängig vom Landeswassergesetz NRW ein Problem dar:

  • Beim Neubau sei keine Genehmigung für Drainageanschlüsse zu erteilen.
  • Im Bestand befindliche Anschlüsse seien per Satzung i.d.R. nicht erlaubt, aber häufig geduldet; Ausnahmen seien allerdings im Einzelfall erforderlich und ver­tretbar.

Innerhalb von Gebieten mit hoher Fremdwasserproblematik seien zudem kommunale Leitentscheidungen in Abstimmung mit den Aufsichtsbehörden über das zukünftige Entwässerungssystem (inkl. DW-Ableitung) erforderlich. Die Leitentscheidung sollte nachhaltige, ressourceneffiziente Lösungen finden und End-of-pipe-Lösungen nur als Ausnahme bei Vorliegen faktischer und monetärer Unverhältnismäßigkeit anderer Lö­sungsalternativen dulden.

Bürgerinformation – eine kommunale Chance

Abgerundet wurde die Vortragsreihe zur Dichtheitsprüfung durch den Vortrag von Dipl.-Ing. Stefan Buche von der Abwasserbeseitigung Rendsburg. Er berichtete aus dem Blickwinkel der Kommune vom täglichen Umgang mit der Thematik sowie der da­raus resultierenden Unsicherheit und der Diskussionen mit den betroffenen Bürgern. Kern der Arbeit mit dem Bürger stelle dabei die allgemeine Information und die umfas­sende Beratung dar, wobei die Abwasserbeseitigungsbetriebe der Stadt Rendsburg hier nicht nur die Problematik der Dichtheitsprüfung thematisieren. Die Abwasserlei­tungen würden in Zusammenarbeit mit dem Kunden ganzheitlich unter Berücksichti­gung der Aspekte Hygiene, Falsch- und Drainageanschlüsse, Werterhalt, Standsi­cherheit und Betriebssicherheit, Dokumentation sowie Rückstau- und Überflutungs­schutz betrach­tet.

Wirkungsgrad versus Zuverlässigkeit

Ein weiterer streitbarer Punkt auf der zukünftigen Agenda der Abwasserwirtschaft sind wohl die aktuellen Entwicklungen und Gefahren der Energie-Effizienz-Debatte in der EU. Diese Thematik wurde durch Prof. Dr.-Ing. Thamsen von der TU Berlin vorge­stellt und diskutiert: Inzwischen liege der Fokus nicht nur bei Haushaltsgeräten wie Kühlschränken, Waschmaschinen, Staubsaugern oder Glühbirnen. Auch die Pumpen-Branche werde kritisch von den EU-Verantwortlichen analysiert. Es gelte sowohl sei­tens aller Hersteller der Branche als auch seitens der Interessenverbände eine offen­sive Lobby-Arbeit anzustoßen. Nur so könne eine Abstimmung zwischen Energie-Effi­zienz auf der einen Seite und maximaler Betriebssicherheit von Pumpen in der Abwas­sertechnik auf der anderen Seite gesichert werden. Denn dem Betreiber von Abwas­seranlagen werde es wenig helfen, wenn die Pumpstation zwar energetisch optimiert betrieben werde, aber die Zuverlässigkeit der Pumpe damit auf der Strecke bleibe. Denn eines müsse auch in Zukunft sichergestellt werden: die Feststoffe müssen oh­ne Blockade und Verzopfung in der Pumpenhydraulik weitergefördert werden können.

Im abschließenden Vortrag des Tages referierte Dipl.-Ing. Dieter Weismann von der em.consult GmbH über die Planung und den Betrieb von Abwasserfördersystemen bei zukünftig veränderten Rahmenbedingungen. Hierbei wurden die Auswirkungen der Ab­wasserkonzentration durch verringerte Wasserverbräuche, die demographische Ent­wicklung, die Veränderungen im Nutzerverhalten (Stichwort: Hygieneartikel) und die Abwanderung aus ländlichen Gebieten auf den Betrieb und die Auslegung von Pump­stationen untersucht.

Am 22. Januar 2015 soll der 7. OWL Abwassertag stattfinden.

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