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Biozidfreie Fassaden mit WDVS wenig nachgefragt

(10.12.2013) Biozide an Fassaden sind immer wieder in die Kritik geraten. Sie halten gedämmte Wände vorübergehend algenfrei, werden aber mit der Zeit ausgewaschen und gelangen in die Umwelt. Entsprechende Hersteller wurden und werden gerne an den medialen Pranger gestellt. Sie tragen aber nur eine Teilschuld, denn Planer und Hausbesitzer haben die Wahl: Fast alle relevante Hersteller bieten auch biozidfreie Putz/Dämm-Lösungen für Fassaden an. Nur fragen offenbar wenige danach, vor al­lem bei größeren Objekten.

"Im Privatkundenbereich wird eher nach biozidfreien Putzen gefragt, bei Bauträgern weniger", berichtet Roland Falk, Leiter des Kompetenzzentrums Ausbau und Fassade (Komzet) in Stuttgart im Gespräch mit Pia Grund-Ludwig, Chefredakteurin des Web-Portals EnBauSa. (Komzet ist eingegliedert in die Struktur des baden-württembergi­schen Stuckateurverbandes.) Für den vermehrten Einsatz von Bioziden hat Falk we­nig Verständnis, er sei „kein Verfechter dieser Produkte. Ich finde es wichtiger, für konstruktiven Schutz der Fassade zu sorgen, etwa durch ausreichende Dachüber­stände.“

Außerdem sei die Furcht, sich bei einem Verzicht automatisch Algenbefall einzuhand­eln, nicht berechtigt: „Das Risiko der Algenbildung ist bei biozidfreier Ausrüstung der Fassaden nicht zwangsläufig größer“, sagt Falk. Wichtig sei es, im Gespräch mit den Kunden zu klären, was Sinn macht. Aus Sicht der Handwerker ist es notwendig, sich vor Schadenersatzforderungen zu schützen: „Wir haben für unsere Fachbetriebe ent­sprechende Musterschreiben, dass Algenbefall kein Mangel ist bei biozidfreier Ausrüs­tung. Das bringt Rechtssicherheit für die Handwerker“, so Falk. Rechtssicherheit für die Bauherren bringt das freilich nicht.

Es gibt unterschiedliche Konzepte, die verhindern sollen, dass Tau- und Regenwasser zu lange an der Fassade bleibt und für Algenbefall sorgt (siehe auch „ausgewählte weitere Meldungen“ unten).

  • Beispielsweise gibt es einen biozidfreien Putz, der laut Hersteller die Oberfläche der Wassertropfen auf der Fassade vergrößert und so dafür sorge, dass das Wasser schneller verdunste. Zudem binde das System Feuchtigkeit, indem Ka­pillarporen Wasser von der Oberfläche aufnehmen und später wieder abgeben.
  • Ähnlich soll ein Mineraldämmsystem mit mineralischem Oberputz in angepasster Saugfähigkeit arbeiten: Die Feuchtigkeit aus Schlagregen oder Tauwasser wer­de in den kapillaraktiven Oberputz aufgesaugt und dort wie in einem Pufferspei­cher zwischengelagert. Auch hierbei wird auf Biozide verzichtet.
  • Andere Systeme kombinieren Dämmplatten und mineralischem Putz, bei denen Kapillarkräfte für den Abtransport von der Oberfläche sorgen.
  • Eine Alternative zu diesen Lösungen sind sehr hydrophobe Putze, also wasser­abweisende Oberflächen, an denen Regen sofort abfließt.

Fazit: Es gibt eine große Anzahl biozidfreier Putz-Lösungen, bei denen die Veralgungs­gefahr nicht signifikant höher liegt als bei biozidhaltigen Varianten. Was zum Einsatz kommt, hängt in erster Linie von der Wahl des Auftraggebers ab.

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