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Weltweit höchster Aussichtsturm aus Holz und Stahl

(14.8.2013) Im österreichischen Kärnten, auf dem Pyramidenkogel oberhalb des Wör­thersees (siehe Google-Maps), steht der wohl höchste überwiegend aus Holz konstru­ierte und öffentlich zugängliche Aussichtsturm der Welt. Technikzylinder und Anten­nenspitze eingerechnet, ragt er 100 m hoch in den Himmel:

Vom ellipsenförmigen Grundriss ausgehend bilden zehn jeweils um 22,5 Grad versetzte Ebenen eine Schraubenform bis zur höchsten Besucheretage in knapp 71 m Höhe. Ge­bildet wird die Turmhülle von 16 Brettschichtholzstützen aus Lärche, die sich korbartig um das Treppenhaus mit integrierter Gebäuderutsche und den zentralen Lift schließen. Zehn aus geschweißten Stahlkästen gebildete Ellipsen im Abstand von 6,40 m und 80 Diagonalstreben aus Rundrohren steifen die ungewöhnliche Konstruktion aus. Für den Betrachter wirkt sie mit ihrer elegant geschwungenen Taillierung schlank und leicht – verbaut wurden indes ...

  • 600 m³ Holz sowie
  • 300 t Stahl.

Der neue Turm ist das Ergebnis eines Wettbewerbes, aufgrund dessen die Gemeinde dem Wettbewerbsteam aus den Klagen­furter Architekten Klaura + Kaden +  Partner (heute: Klaura+Partner sowie a/dk dietmar kaden) und den Tragwerksplanern Lackner + Raml aus Villach den Zuschlag gegeben hatte. Dort war man auf das Spiel mit der Ellipse und der Schraubenform gekommen, und man war auch bereit, für ein solches Projekt aus Verbundenheit zur Heimat Pionierarbeit zu leisten. So stammt beispielsweise das verbaute, PEFC-zertifizierte Holz aus den nahe gelegenen Hohen Tauern.

Schon die Vorarbeiten waren enorm aufwändig: Der Turm wur­de unter anderem maßstabsgetreu im Windkanal getestet, um die Träger statisch und wirtschaftlich optimal bemessen zu können. Auch ein geotechnisches Gutachten wurde eingeholt. Der Baubeginn jedoch verzögerte sich um Jahre - wegen ungeklärter Fragen seitens der Bauherrschaft.

Aber am 12. Oktober 2012 fiel dann doch auf dem Pyramidenkogel nach kontrollierter Sprengung der ausgediente, 40 Jahre alte Aussichtsturm aus Stahlbeton. Nach der Fertigstellung des 800 t-Betonfundaments, mittels acht Stahlankern 20 m tief im Fels gegründet, konnte die Arge Rubner-Zeman den Turmbau im Februar schließlich auf­nehmen. Der Rohbau war schon nach zwei Monaten fertig, am 20. Juni folgte bereits die Eröffnung.

Konstruktiver Holzschutz bei der Knotenausbildung

Die 48 melaminverleimten Einzelelemente (27 bzw. 13,5 m) wurden im Hinblick auf die Robustheit, Langlebigkeit und Einheitlichkeit bei der Ausführung des Tragwerks in kon­stanter Dimension (144 x 32 cm) und je nach statischen Erfordernissen in den Festig­keitsklassen Gl28c, Gl28h und Gl32h ausgeführt.

Eine stabverleimte Decklamelle verhindert Wassereintritt in die Blockfugen. So soll das unbehandelte Lärchenholz, im al­pinen Raum am Fuß des Glockners sehr langsam gewachsen, der oberflächlichen Bewitterung über Jahrzehnte problemlos standhalten können. Für die Tragwerksplanung war der kon­struktive Holzschutz schon im Entwurf zentrales Thema: So entstehen z.B. durch die schlangenförmige Anordnung der Stützen in ver­tikalen Ebenen sehr steile bis senkrechte Flä­chen, die dem Wasser keine dauerhaften Angriffspunkte bie­ten. Auch musste für die Fachwerksknoten - die Verbindung von Träger und Stahl - eine besondere konstruktive Lösung für den Holzschutz entwickelt werden.

Darüber hinaus wurden dabei eine dauerhaft sichere Kraftein­leitung ins Holz, einfache Montage und Wartung sowie Wirt­schaftlichkeit berücksichtigt. Zum Einsatz kamen schließlich H-förmige Stahlprofile und Bolzen mit Innengewinde, die in der Vorfertigung eingefügt und mit Epoxidharz eingeklebt wurden. Der Anschluss der Ring­elemente und Diagonalstreben erfolgte auf Abstand, so dass Feuchtigkeit automatisch von der Konstruktion abgeführt wird.

Attraktionen „Skybox“ und Rutsche

Konzipiert ist der Turm für eine Nutzungsdauer von mindestens 40 Jahren. Das Basis­gebäude (700 m²) mit Foyer, Ticketschalter, Shop und Restaurant wurde aus Gründen des Brandschutzes in massiver Bauweise ausgeführt. Vom Atrium aus gelangen Besu­cher (ausgelegt ist der Turm für 500 zur gleichen Zeit) über die 440 Stufen der Pano­ramatreppe oder den gläsernen Lift durch den Turm zu einer der drei Aussichtsplatt­formen. In diesen wurden 100 m³ Brettsperrholz aus Fichte verbaut. In der neunten und zehnten Etage schimmert die „Skybox“, ein witterungsgeschützter Raum mit Glas­fassade, der für besondere Anlässe gemietet werden kann:

Der Einstieg in die mit Bullaugen ausgestattete Röhre der Rutsche liegt auf 52 m: Von hier geht es über eine Länge von 120 m in einer Spirale mit bis zu über 20 km/h ab­wärts zum Fuß des  Aussichtsturms.

Weit mehr als 100.000 Besucher jährlich soll die neue Attraktion in Kärnten anlocken, und darunter werden wohl auch viele sein, die für Berge, Wälder und Seen nur einen zweiten Blick übrig haben ...

Bautafel „Aussichtsturm Pyramidenkogel“:

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