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KIT: Rückverlegung des Deichs bewährt sich

(29.6.2013) Eine renaturierte Auenlandschaft mit großer Artenvielfalt und ein wirksa­mer Schutz vor Hochwasser - das sind die Ergebnisse des Naturschutzgroßprojekts „Lenzener Elbtalaue“ (siehe Google-Maps). Unter der Leitung des Biologen Dr. Chris­tian Damm vom KIT wurde der Elbdeich bei Lenzen (Brandenburg) ins Hinterland ver­legt. Das bis jetzt größte Rückdeichungsprojekt Deutschlands hat nun eine wichtige Bewährungsprobe bestanden: Beim Elbe-Hochwasser 2013 hat die überflutungsfläche zwischen altem und neuem Deich das Umland vor Schäden bewahrt.


(© KIT / Jochen Purps)

Der „Böse Ort“ hat seinen Schrecken verloren: Bei Lenzen im Landkreis Prignitz/Bran­denburg macht die Elbe einen 90-Grad-Bogen. Jahrhundertelang galt diese Stelle, an der zudem die Wasserabflussbreite zwischen den Deichen stark verengt war, als hy­draulisch besonders gefährlich. Noch beim Hochwasser 2002 gelang es nur mit enor­mem Aufwand, den Deich zu schützen. Das hat sich inzwischen geändert: Der fluss­nahe Deich wurde auf einem Abschnitt von mehr als 7,4 Kilometern um bis zu 1,3 Ki­lometer ins Hinterland verlegt. Der neue Deich ist rund 6,1 Kilometer lang, der alte Deich blieb stehen, wurde aber an sechs Stellen geöffnet. Zwischen den beiden Dei­chen entstand ein rund 420 Hektar großer Überflutungsraum, der bis zu 16 Millionen Kubikmeter Wasser fassen kann. Dieses Potenzial wurde beim Elbe-Hochwasser An­fang Juni voll ausgenutzt - und das Umland blieb von Schäden verschont. Beim Pro­jekt „Lenzener Elbtalaue“ handelt es sich um die bis jetzt größte Deichrückverlegung Deutschlands.

„Das Projekt vereint vorbildlich Naturschutz, Hochwasserschutz, Tourismus und an­dere Auenutzungen“, erklärt Dr. Christian Damm vom Institut für Geographie und Geo­ökologie, Bereich WWF-Auen-Institut, am Karlsruher Institut für Technologie. Er hat die 2009 abgeschlossene Deichrückverlegung geleitet. Gestartet ist das Projekt als Naturschutzvorhaben mit dem Ziel, eine Auenlandschaft mit reicher Tier- und Pflan­zenwelt wiederherzustellen, die dem wechselhaften Rhythmus des Flusses ausgesetzt ist - Trockenheit bei Niedrigwasser, Überflutung bei Hochwasser. Dazu bedarf es der Verbindung zum Fluss. Auf der ehemals als Weideland genutzten Fläche wurden Tau­sende von Eichen, Ulmen und Weiden gepflanzt. Die Bäume bremsen zugleich die Hochwasserwellen.

Der neu geschaffene Retentionsraum kann den Wasserspiegel bei extremem Hochwas­ser in diesem Abschnitt um bis zu 40 Zentimeter senken. Finanziert wurde das Projekt zu 75 Prozent vom Bund und zu 18 Prozent vom Land Brandenburg. Die verbleibenden sieben Prozent brachte der Trägerverbund Burg Lenzen e.V. mit einer Allianz verschie­dener Naturschutzverbände um den BUND auf. „Selbstverständlich hat dieses Projekt nur eine regionale Wirkung“, erklärt Dr. Christian Damm vom KIT. „Die jüngsten Hoch­wasserereignisse zeigen jedoch, dass es sich lohnt, die natürlichen Funktionen der Aue, unter anderem auch als Rückhalteraum bei überflutungen, wiederherzustellen. Aber weitere Projekte müssen folgen.“

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