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Wiener Diagonale: Kreuzungen fürs Fahrrad

(21.5.2013) Wer in der Großstadt Fahrrad fährt und sich immer wieder über lange Wartezeiten vor roten Ampeln ärgert, kennt das Problem: Will man eine Kreuzung diagonal überqueren, muss man zwei Grünphasen abwarten und verliert eine Menge Zeit - wer mit dem Auto fährt, hat es da leichter. Dieser Bevorzugung von Autos ge­genüber Fahrrädern will man am Institut für Verkehrswissenschaften der TU Wien (in Zusammenarbeit mit dem Wiener Planungsbüro Komobile w7 und dem Umweltbundes­amt) eine fahrradfreundliche Alternative entgegensetzen: Die „Wiener Diagonale“, ein Kreuzungs-Ampel- Design, bei dem Radfahrer in einer eigenen Ampelphase diagonal kreuzen können.

Gibt es auf einer Straße Radwege in beide Richtungen, bestehen zwei Möglichkeiten:

  • Entweder verlaufen zwei getrennte Radwege beidseitig neben den Autofahr­bahnen, oder
  • es gibt nur einen breiteren Radweg, auf dem Fahrräder in beide Richtungen fahren dürfen.

„Rad-Highways“ diagonal kreuzen lassen

„Wenn bei einer Kreuzung zwei Radwege in einen einzigen bidirektionalen Radweg zu­sammengeführt werden, muss man als Radfahrer die Kreuzung in zwei Schritten über­queren, und das kann ziemlich lange dauern. Zudem gibt es wenig Aufstellflächen ne­ben den Fußgängern“, beklagt Brezina. Er schlägt daher vor, in solchen Fällen eine dritte Ampelphase einzuführen, bei der Fahrräder auf einem diagonal geführten Rad­wegstück über die Kreuzung gelangen. Nützlich wäre das besonders dort, wo gut aus­gebaute, bidirektionale Radwege (sogenannte „Rad-Highways“) aus dem Stadtrand in städtische Straßen münden, auf denen Radwege meist in zwei getrennten Einzelspu­ren geführt werden.

Drei Ampelphasen statt zwei

Statt der üblichen zwei Ampelphasen gäbe es bei der Wiener Diagonalen drei: Wäh­rend der dritten Phase müssten die Autos in alle Richtungen stehenbleiben, Fahrräder könnten diagonal kreuzen und die Fußgänger, deren Schutzwege nicht die diagonale Fahrradspur schneiden, hätten gleichzeitig auch grün. Tadej Brezina hat anhand von typischen Verkehrsbedingungen berechnet, wie sich die Wartezeiten an einer Kreu­zung durch die Einführung der „Wiener Diagonale“ ändern würden. „Der Verkehrsfluss der Autos würde dadurch nicht wesentlich aufgehalten werden, für Fahrräder und Fußgänger würde die Wiener Diagonale jedoch eindeutige Vorteile bringen“, ist Bre­zina sicher.

Zusätzlich zur Verbesserung des Verkehrsflusses für Fahrräder sieht Tadej Brezina ei­nen Hauptnutzen der Wiener Diagonale in ihrer Signalwirkung: „Es ist eine gut sicht­bare Bevorzugung von Radfahrern - vielleicht trägt das zu einem weiteren Umdenken in Richtung ökologische Mobilität bei.“

Derzeit sind Ampeln normalerweise auf Autos abgestimmt: Sie sind so geschaltet, dass man bei einem typischen Auto-Tempo eine „grüne Welle“ hat - beim Radfahren erreicht man diese Geschwindigkeit nicht und muss an vielen Kreuzungen stehenblei­ben. „In Aarhus (Dänemark) ist das beispielsweise anders“, weiß Tadej Brezina, „dort gibt es grüne Wellen für Radfahrer.“

Fahrräder auf der Überholspur


  

Die Wiener Diagonale könnte ein neues Argument sein, vom Auto auf das Fahrrad umzusteigen. Gerade im Bereich der „Pedelecs“, der elektrisch unterstützten Fahrräder, gibt es derzeit enorme Zuwachsraten. „Durch diese Elektro-Fahrrä­der können weitere Strecken als bisher ohne Auto zurück­gelegt werden, immer mehr Menschen werden auch für den täglichen Weg zur Arbeit aufs Fahrrad umsteigen“, meint Brezina. „Dieser Wachsen des Fahrradverkehrs muss freilich auch in der Verkehrsplanung entsprechend berücksichtigt werden.“

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