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Deutscher Wohnungsbau ist im europäischen Mittelfeld angekommen

(1.4.2013) Der Wohnungsbau in Deutschland ist auf Normali­sierungskurs. Die Baugenehmigungen lagen 2012 ein Drittel höher als drei Jahre zuvor. Dass dies noch lange kein Anzei­chen für einen übertriebenen Boom ist, macht nach Auskunft von LBS Research der europäische Vergleich deutlich. Denn laut Euroconstruct rückt die Bauintensität hierzulande in die­sem Jahr mit 2,5 fertiggestellten neuen Wohnungen auf 1.000 Einwohner unter allen 19 Ländern gerade einmal auf den Mit­telplatz vor.

Wie die LBS-Experten betonen, zeigt die Übersicht der an Eu­roconstruct beteiligten Institute (in Deutschland das ifo Insti­tut, München) unverändert, dass in fast allen unmittelbaren Nachbarländern - bezogen auf die Bevölkerungszahl - deutlich mehr gebaut wird. So sei zum Beispiel die Wohnungsbauintensität in Polen und Belgien 60 Prozent, in den Niederlanden immerhin 20 Prozent höher als hierzulande. Fast das Doppelte wird sogar in Österreich gebaut, in Frankreich und beim europäischen Mit-Spitzenreiter Schweiz noch mehr. Lediglich in Tschechien "läuft" der Wohnungsneu­bau 2013 auf deutschem Niveau, in Dänemark ist er etwas schwächer. Die Tatsache, dass es sich bei unseren Nachbarn vielfach um Märkte mit vergleichbaren Ausgangs­bedingungen wie in Deutschland handelt, macht laut LBS Research deutlich, dass drei Woh­nungen pro Tausend Einwohner und mehr in der Mitte Europas durchaus als "nor­mal" anzusehen sind.

Auch der Wohnungsbau in den europäischen Ländern reagiert nach Auskunft der LBS-Experten auf Finanz- und Staatsschuldenkrisen mit ihren gesamtwirtschaftlichen Fol­gewirkungen. So sind die früheren Wohnungsbau-Boom-Länder Irland und Spanien längst am Tabellenende angekommen. Weitere südeuropäische Staaten leiden wie auch einzelne mitteleuropäische Transformationsländer unter einem schwachen Neu­bau, während Skandinavien sowohl im oberen als auch im unteren Tabellenfeld vertre­ten ist.

Die Forscher haben zugleich einen kleinen Blick in die Zukunft geworfen, nämlich zwei Jahre bis zum Jahr 2015: Nach dieser Prognose dürften die Neubauzahlen hierzulande weiter ansteigen, und zwar um rund 15 Prozent auf 3,0 fertig gestellte Wohnungen auf 1.000 Einwohner. Nach etlichen Jahren unter der 200.000er Grenze bedeutete dies nach den Prognosen der Bauexperten des ifo Instituts dann insgesamt 265.000 neue Wohnungen - vergleiche mit Nachbarbeitrag „Wohnungsbauprognose 2016 des ifo Instituts im Auftrag von Wüstenrot“.

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