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(Bayerischer) Ingenieurpreis 2013 verliehen: „Ingenieure gestalten Zukunft“

(20.1.2013) Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann und der Präsident der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau, Dr.-Ing. Heinrich Schroeter, haben am 18.1. den mit 10.000 Euro dotierten Ingenieurpreis 2013 verliehen. Das Thema des Ingenieur­preises 2013 lautete „Ingenieure gestalten Zukunft“. Das Münchner Büro von Prof. Dipl.-Ing. Christoph Ackermann und das Ingenieurbüro Bamberger aus dem Landkreis Eichstätt erreichten mit ihren Projekten je einen ersten Platz; Platz drei geht an das Ingenieurbüro Gisela Raab für ihr nachhaltiges Wohnkonzept in Oberfranken. Zudem gibt es zwei Lobende Erwähnungen.


Solardach des Carports des Abfallwirtschaftsbetriebs München (AWM); Foto: Beratendes Ingenieurbüro für Bauwesen Prof. Ackermann

Die Preisverleihung erfolgte traditionell im Rahmen des Bayerischen Ingenieuretags der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau. Die Bayerische Ingenieurekammer-Bau vergibt alle zwei Jahre den Ingenieurpreis an besonderes herausragende Projekte aus den diversen Fachgebieten von Ingenieuren im Bauwesen. Der Kammerpräsident Dr.-Ing. Heinrich Schroeter erklärte: „Mit dem Ingenieurpreis 2013 würdigt die Kammer innovative tech­nische Ingenieurleistungen. Diese vereinen Funktionalität, Wirtschaftlichkeit und Inno­vation bei der Planung, Errichtung und Nutzung. Durch den Preis machen wir das krea­tive Potential der bayerischen Ingenieure im Bauwesen für die Öffentlichkeit sichtbar.“ Bei der Beurteilung der eingereichten Objekte standen für die Jury die Originalität und Kreativität, Innovationskraft sowie die Nutzung neuer Technologien im Mittelpunkt.

1. Preis: Solardach des Carports des Abfallwirtschaftsbetriebs München (AWM)

Das im November 2011 fertiggestellte Solardach des Abfallwirtschaftsbetriebes Mün­chen (AWM) überdacht die bereits bestehende zweigeschossige Stahlbetonkonstruk­tion mit jeweils ca. 70 Stellplätzen für die städtischen Müllfahrzeuge. Der Wiederauf­bau war mit der Auflage verknüpft, ein anspruchsvoll gestaltetes Tragwerk mit wirt­schaftlichen Folgekosten für den Betrieb und den Unterhalt zu entwerfen und dem Wunsch nach einer zusätzlichen, solaren Nutzung der ca. 9.400 m² großen Dach­fläche.

Das Tragwerk wurde in enger Abstimmung mit den Fachingenieuren entwickelt. Auf Dreigurtbindern liegen räumlich unterspannte Bögen auf, die die Solarkissen tragen. Die Stützen sind gelenkig auf der bestehenden Stahlbetonkonstruktion gelagert. Der Kraftfluss ist im Tragwerk ablesbar, Druck und Zugkräfte werden durch die Quer­schnittswahl sichtbar gemacht.


Foto: Beratendes Ingenieurbüro für Bauwesen Prof. Ackermann (Bild vergrößern)

In die Solarkissen sind Photovoltaikelemente integriert. Auf einer 100 Mikrometer star­ken Folie (100 Mikrometer entsprechen in etwa dem Durchmesser eines menschlichen Haares) werden die flexiblen, amorphen Dünnschichtzellen schwimmend aufgehängt und somit vor Witterungseinfluss geschützt. Die Zellen können kissenweise ausge­tauscht werden. Sie gewährleisten auch den Sonnenschutz, da sie die Parkfläche verschatten. Bei der Planung wurde streng darauf geachtet, dass durch additive Systeme die einzelnen Elemente und Bauteile ausgetauscht werden können und im Falle des Rückbaus materialgerecht recycelt und somit dem Wertstoffkreislauf wieder zugeführt werden können.

Der Beitrag wurde in den Kriterien der Auslobung hoch bewertet. Die ansprechend ge­staltete Überdachung zeigt Originalität und Kreativität. Ingenieurleistung und Innova­tion sowie Ressourcenmanagement und Umweltverträglichkeit wurden durch den Ein­satz der sehr leichten Kissen aus selbstreinigender, recycelbarer ETFE-Folie als Se­kundärtragwerk, den witterungsgeschützten Einbau der Photovoltaikelemente im In­neren der Kissen und das konsequent filigrane Primärtragwerk erreicht. Funktionalität und Praxistauglichkeit sind ebenso optimal wie die Nutzung erneuerbarer Energien durch den Einsatz der Photovoltaikelemente.

1. Preis: Ausstellungsbeleuchtung der Galerie im Lenbachhaus - München

Die Idee und Umsetzung der komplexen Lichtsteuerung bietet mit der bedienerfreund­lichen Benutzeroberfläche den Kuratoren die Möglichkeit, das Lichtmilieu auf die Erfor­dernisse der jeweiligen Exponate individuell abzustimmen - und zwar ohne Umbau der Beleuchtungsanlage und Wechsel der Leuchtmittel. Es lassen sich sechs Szenen aus den voreingestellten 91 Kombinationen von Helligkeit und Farbtemperatur vor Ort mit einem Tablet-Computer ohne spezifische Fachkenntnisse konfigurieren. Die Lichtsteu­erung überwacht außerdem die Wärmeentwicklung der LEDs und meldet eine Über­schreitung festgelegter Grenzwerte automatisch an das Tableau in der Technikzen­trale. Zudem steuert sie im Hintergrund dem Abtriften der Farbwiedergabe bei unter­schiedlichen LED-Betriebstemperaturen entgegen.


Simulation: Ingenieure Bamberger

Das so erzeugte Licht entspricht dann der Anmutung und Farbigkeit des Gemäldes, d.h. der Betrachter nimmt das Bild mit den Farben, dem Glanz, der Oberfläche und der Struktur annähernd so wahr, wie es sich der Maler vorgestellt hat. Außerdem kann mit der Farbtemperatur die Farbigkeit des Objektes noch stärker unterstützt werden. Da­mit konnte ein neuer Qualitätsstandard der musealen Beleuchtung erreicht werden.

Für den LED-Einsatz spricht zudem die Energieeffizienz - ca. ein Drittel des Leistungs­bedarfs herkömmlicher Leuchtstofflampen. Die erwartete Einsatzzeit von 50.000 Be­triebsstunden liegt etwa 14 Mal über der von Leuchtstofflampen. Hinzu kommt die ex­zellente Farbwiedergabe, so dass auch gesättigte reine Farben naturgetreu wieder­gegeben werden.

In den historischen Flügelbauten sind die Leuchten in den umlaufenden Vouten plat­ziert. Im ersten Obergeschoss des Neubaus erhellen Lichtdeckenfelder die Ausstel­lungsräume. Im darüber liegenden Dachgeschoss fällt Tageslicht durch Oberlichter in die Galerieräume. Shed-Leuchten projizieren ihr Licht in die gewölbte Deckenfläche. Dabei sind die Kühlsysteme zur passiven Kühlung der LEDs entsprechend optimiert, auch im Zusammenspiel zwischen Leuchte, Deckenkonstruktion und Klimatisierung des Raumes.

3. Preis: Projektbau der Zertifizierten Wohngesundheit, Bad Staffelstein

Die Planung und Errichtung eines Mehrfamilienwohnhauses, das geeignet ist für Men­schen, die an multipler Chemikalienunverträglichkeit (MCS) leiden, ist ein herausragen­des Beispiel für baubiologisches und ökologisches Bauen. Jeder verwendete Baustoff wurde vor dem Einbau auf relevante Schadstoffemissionen geprüft und alle am Bau beteiligten Handwerker mussten sich einer eigens organisierten entsprechenden Schu­lung unterziehen.


Foto: Jung GmbH

Wohngesunde Materialien, ein Energiekonzept mit einer Sole-Wasser-Wärmepumpe und dezentraler Wärmerückgewinnung, Elektrosmogabschirmungen im Dachaufbau und die Qualität der besonders schadstoffarmen Innenraumluft machen das Projekt - ins­besondere im Hinblick auf die zunehmende Zahl an Allergikern - zu einem bemerkens­werten Vorbild im Wohnungsbau.

In Verbindung mit einer hoch effizienten Sole-Wasser-Wärmepumpe mit fünf vertikalen Bohrungen und Flächenheizung sowie dreifach verglasten Fenstern erreicht das Ge­bäude die KfW 55 Effizienzhaus-Kriterien und damit niedrigste Energiekosten bei hoher Förderquote. Eine dezentrale kontrollierte Be- und Entlüftung mit Wärmerückgewin­nung bis zu 90% trägt nochmals das Ihre zum Energiesparen und gleichmäßigen Durchlüften der Wohnungen bei.

Lobende Erwähnungen

Das Gebäude ist als Demonstrations- und Experimentiergebäude konzipiert, an dem verschiedene neuartige Entwicklungen im Gebäudebereich unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten erprobt und dargestellt werden können. Das Gebäude beinhaltet Büroräume, Labor- und Technikumsräume sowie die entsprechende Infrastruktur für Forschungsaktivitäten des ZAE Bayern in Würzburg.


Visualisierung: Lang Hugger Rampp GmbH Architekten (Bild vergrößern)

Weiterhin werden ein Veranstaltungsraum und ein Infocenter integriert, welches aktu­elle Forschungs- und Entwicklungsergebnisse erläutert. Die Idee, das Gebäude selbst als Objekt des Wissenstransfers zu nutzen und in den Mittelpunkt der Arbeit zu stel­len, hat sich schon in anderen Instituten als bemerkenswerte Lösung erwiesen. Dass dieses Konzept auch hier zum Tragen kommt, ist den Juroren ein großes Anliegen, so dass die Belobigung mit dem Hinweis auf die Interdisziplinarität, und somit auf die zu ergreifenden Chancen einer nachhaltigen und innovativen Nutzungsform erfolgt.

Die Anforderungen von Baumaßnahmen in FFH-Gebieten sind äußerst schwierig. Bei diesem Bauwerk ist es gelungen, die infrastrukturellen Ansprüche mit den Notwendig­keiten des Natur- und Artenschutzes weitestgehend auszugleichen. So konnte das Schutzgebiet des Enzenstettener Brunnenmooses von den Einflüssen der Baustelle und des Betriebs der Autobahn A7 freigehalten werden. Es wurde ein schlanker Über­bau gewählt; die Stützen wurden zur Reduzierung der Stützweiten V-förmig ausge­führt und die Stützweiten nach der Höhe der Gradiente variiert, um die Überbauhöhen der Höhe über Gelände anzupassen.


Foto: Konstruktionsgruppe Bauen AG / Eva Bartussek (Bild vergrößern)

Durch die Anordnung der Lager am Fußpunkt der Stützen in Zusammenhang mit dem biegesteifen Anschluss der Stützen an den Überbau konnten größere Stützweiten zum Schutz des Feuchtgebiets erreicht werden. Damit sind die Lager für die Bauwerksprü­fung ohne besonderen Aufwand zugänglich. Durch diese Konstruktion ergeben sich größere Lagerwege als üblich, die durch den Einsatz spezieller Materialien beherrsch­bar wurden.

Eine Belobigung erhält der Ingenieur mit dieser Brücke auch deshalb, weil die Funktio­nalität und Praxistauglichkeit des Bauwerks den Bewertungskriterien in besonderer Weise Rechnung tragen.

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