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5 mm dünne Fliesen: der alte/neue Hype im Fliesen- und SanReMo-Markt?

(2.1.2013; Hinweis vom 11.1.2016: Die hier vorgestellten Flatile-Fliesen werden nicht mehr angeboten!) Bei der Fliesendicke gilt es zu differenzieren zwi­schen normalen (8 bis 11 mm), überstarken (ab 12 mm für in­dustriell-gewerbliche Bereiche) und dünnen Fliesen (8 mm und weniger). Letztere sind auf Branchenmessen wie der Cersaie (wieder) regelmäßig ein Thema.

Rückblick

Man könnte meinen, dass es sich bei dünnen Keramikfliesen um eine neuzeitliche Entwicklung handelt; großformatige dünne Fliesen gibt es aber schon seit den 1970er Jahren. Zu jener Zeit ließen die „KerAion“-Platten der damaligen Buchtal GmbH aufhorchen: Formate wie z.B. 60 x 60 cm oder sogar 160 x 125 cm (= 2 m²; Bild rechts) bei nur 8 mm Dicke galten damals als eine keramische Sensation, die rund zwei Jahrzehnte lang das Maß aller Dinge blieb.

Ein weiterer bemerkenswerter Vertreter früherer Phasen war „MegaCeram“, eine wenige Millimeter dünne Fliese in verschie­denen Variationen bis hin zu flexiblen „keramischen Paneelen“ in Zimmer- bzw. Geschosshöhe. Die Produkte wurden im Laufe der Jahre von verschiedenen Herstellern wie Agrob oder Steu­ler angeboten und waren technologisch gesehen bemerkens­wert. Allerdings war die Zeit offensichtlich noch nicht reif für diese Innovationen, die schließlich aus verschiedenen Gründen (z.B. spezielle Verarbeitung erforderlich, Limitierung auf Son­deranwendungen, aufwändige Verpackung/Logistik etc.) eingestellt wurden.

Im weitesten Sinne ähnliche keramische Paneele mit beispielsweise 3 x 1 m sind seit einigen Jahren wieder erhältlich. Sie werden mit moderner Technik produziert, der Ein­satz fokussiert sich aber wie gehabt weitgehend auf Sonderanwendungen wie Laden-, Schiffs- oder Möbelbau, die Auskleidung von Liften und ähnliche Zwecke, bei denen der Vorzug „große Fläche bei geringem Gewicht“ im wahrsten Sinne des Wortes positiv zum Tragen kommt. Es handelt sich demnach um eine Spezialität, bei der die Verarbei­tung überwiegend industriell („business to business“) erfolgt.

Gegenwart

Der Auslöser für die Fertigung dünner Fliesen ist heute ähnlich wie damals: Lösungen dieser Art zielen ab auf die staub- und schmutzarme Sanierung vorhandener Beläge, sprich für das Bauen im Bestand. Dieser Sektor ist in etlichen Ländern mitt­lerweile mindestens genauso bedeutsam oder sogar größer als der Neubau. In diesem Zusammenhang ist die bekannte Verle­ge-Methode „Fliese auf Fliese“ zu nennen. Noch interessanter wird das Ganze, wenn andere Belagsarten wie Teppich, Lami­nat, PVC, Linoleum etc. durch eine hochwertige keramische Lösung ersetzbar sind. Bei der Substitution vieler Belagsarten steckt jedoch der Teufel in anwendungstechnischen Details - wie z.B. die Frage nach

  • dem Unterbau,
  • der möglichen Bauhöhe oder
  • der Art der Nutzungsumstände.

Im Zweifelsfall empfiehlt es sich daher, relevante Produkteigenschaften vom Hersteller explizit bestätigen zu lassen.


Stilvolle Akzente setzen Spezialitäten wie z.B. das Dekor „Beresa“ der Serie „Rovere Flatile“ von Agrob Buchtal. (Bild vergrößern)

Flatiles von Agrob Buchtal

Agrob Buchtal hat jüngst eine Palette von nur 5 mm dünnen Fliesenserien entwickelt und sie unter dem Begriff Flatile*) zusammengefasst sind. Seriöserweise werden diese Lösungen nur für Wände und Böden im Wohnungsbau oder wohnähnlichen Bereichen wie Hotelzimmer, Nasszellen in Altersheimen etc. propagiert. Dabei verdient das Bade­zimmer sicherlich besondere Beachtung, denn die optisch und technisch zeitgemäße Gestaltung dieses Raums, in dem jeder Tag beginnt und endet, steht auf der Wunsch­liste vieler Menschen ganz weit oben. Dennoch wird die Modernisierung häufig immer wieder verschoben, weil man Staub, Schmutz und andere Unannehmlichkeiten fürch­tet. Dünne Fliesen können hier den entscheidenden Anstoß für die Umsetzung längst überfälliger Maßnahmen geben. Folgende Aspekte sprechen generell für dünne Fliesen (nicht nur im) im Badezimmer:

  • die Verlegung von Fliese auf Fliese umgeht das Abschlagen alter Fliesen
  • leichteres Handling, da deutlich geringeres Gewicht: eine Fliese 40 x 60 cm wiegt 2,7 kg
  • nahezu höhengleicher Austausch von anderen Belagsarten (PVC, Linoleum) möglich
  • ideal in Verbindung mit Fußbodenheizung
  • leichtere Anpassung bei Höhenunterschieden (Türschwellen)
  • filigrane Abdeckprofile verwendbar

Hinzu kommen die spezifische Flatile-Eigenschaften, die nicht nur im Bad, sondern auch in Küchen, Fluren, Schlaf- oder Wohnzimmern vorteilhaft sind:

  • für Wand und Boden einsetzbar
  • umfassende Auswahl an Serien, Farben, Dekoren und Formaten - von Mosaik bis hin zu 40 x 80cm
  • Bodenfliesen mit Trittsicherheits-Klassifizierung R9
  • werkseitige Veredelung „HT“ soll die Fliesen pflegeleichter machen, antibakteriell wirken und störende Gerüche bzw. Luftschadstoffe abbauen

Als Materialart wurde nicht trocken gepresstes Feinsteinzeug gewählt, da diese Flie­sensorte außergewöhnlich hart bzw. spröde ist und sich dadurch insbesondere in dün­ner Ausführung schwer bearbeiten lässt. Statt dessen wird Strang gezogenes („extru­diertes“) Steinzeug verwendet, das hohe Bruchlasten (1.100 N = nahezu doppelt so hoch wie in der Norm gefordert) mit vergleichsweise leichter Bearbeitbarkeit verbindet. Erleichtert werde dies durch eine spezielle Masse-Rezeptur und exakte Brandführung.

Beim Fliesen ist darauf zu achten, dass eine weitgehend hohlraumfreie Bettung erzielt wird - insbesondere bei Bodenflächen. Hierzu sind flexibilisierte Dünnbettmörtel nach DIN EN 12004 im kombinierten Verfahren („buttering-floating“) zu verwenden. Im Bo­denbereich können auch Fließbettmörtel eingesetzt werden. Dabei empfiehlt sich der Einsatz schnell abbindender Produkte, um eine gleichmäßige Durchhärtung des Kleber­bettes auch unter dem „Zentrum“ der Fliese zu erreichen.

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*) Flatile ist ein Wortspiel aus flat (englisch: flach, eben) und tile (englisch: Fliese); Schreibweise bewusst nur mit einem „t“ zur Steigerung der Einprägsamkeit bzw. zwecks Eintrag als geschützte Marke.

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