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Immobiliencrash in Irland aufgrund unkontrollierter Bauförderpolitik hausgemacht

  • 350.000 Häuser (20% des Gesamtbestandes) stehen in Irland leer

(28.11.2010) Der Zusammenbruch des irischen Immobilienmarktes ist symptomatisch für die Probleme des Landes heute. So stiegen die Häuserpreise in nur zehn Jahren bis 2006 um das Vierfache. Auch der Baubestand kletterte innerhalb von nur acht Jahren um mehr als 30 Prozent. Geisterstädte sind die Folge und wecken Erinnerungen an den Kollaps des Subprime-Immobilienmarkts in den USA 2007.

Am Bedarf vorbeigebaut

"Die aktuelle Misere des irischen Immobilienmarktes ist zu einem gewissen Teil hausgemacht und geht neben dem Renditehunger vieler Banken auch auf eine verfehlte Bau-, Steuer- und Geldpolitik zurück", so Dieter Thomaschowski, Chef der IRICIC GmbH Investment Research in Change, gegenüber pressetext. "Die Kontrolle von Angebot und Nachfrage fehlte. Der Markt wurde unterschätzt und am Bedarf vorbeigebaut", erläutert Thomaschowski.

Das Platzen der Immobilienblase stürzte das Land in eine tiefe Krise, die innerhalb von drei Jahren 13 Prozent der Wirtschaftskraft kostete und inzwischen die Stabilität der gesamten EU gefährdet. Trotz EU-Rettungsschirms sowie angekündigter Sparmaßnahmen sehen die Zukunftsprognosen für den europäischen Inselstaat nicht rosig aus. 65 Prozent der Top-Manager rechnen für 2011 mit einem weiteren Preisverfall.

350.000 Häuser stehen leer

Der Aufstieg des irischen Immobilienmarktes war fast so schnell wie der Absturz desselbigen. Seit 2008 brachen die Preise für Gewerbeimmobilien um 60 Prozent ein. Für Wohnobjekte ist die Lage wenig besser. In diesem Immobiliensegment ging es um mehr als 40 Prozent abwärts. Bauland verlor dadurch 75 Prozent an Wert. Die Konsequenz: 350.000 Häuser stehen in Irland leer. Das sind immerhin 20 Prozent des Gesamtbestandes, so das Handelsblatt.

Die Ursachen für diese Entwicklung erinnern stark an die schon vor Jahren gemachten Fehler in den USA: Eine zu laxe Kreditvergabe der einseitig auf das Hypothekengeschäft ausgerichteten Banken. Hinzu kommt das freizügige Steuersystem der Regierung. Denn wer ein Haus bauen wollte, konnte fast die kompletten Kosten in seiner Einkommenssteuererklärung steuermindernd geltend machen. Fazit: Ganze Straßenzüge stehen leer.

Der Staat haftet nun für die jahrelang unkontrollierte Bauförderpolitik. Um die strauchelnden Banken zu retten, nahm dieser ihnen 80 Mrd. Euro an faulen Kredite ab. Das entspricht rund der Hälfte der jährlichen Wirtschaftsleistung. Verwaltet werden die Kredite von einer Art Bad-Bank für Immobilien, der neu gegründeten Behörde National Asset Management Agency (NAMA). Ob die NAMA jedoch die teils sogar verpfändeten Immobilien wieder loswird, bleibt offen.

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